Alice Coltrane – Ptah, the El Daoud (1970)

Alice Coltrane – Ptah, the El Daoud (1970)

Von Rafi Mercer

Alice Coltranes Album „Ptah, the El Daoud“, das 1970 in ihrem eigenen Kellerstudio in Dix Hills, New York, aufgenommen wurde, ist mehr als nur ein Jazzalbum. Es ist ein Portal. Mit Pharoah Sanders und Joe Henderson am Tenorsaxophon, Ron Carter am Bass und Ben Riley am Schlagzeug führt Coltrane am Harfen und Klavier das Ensemble an und schafft einen Klang, der zugleich kosmisch und intim ist. Es war ihr drittes Soloalbum, aber das erste, auf dem sich ihre Stimme als Komponistin und Bandleaderin voll und ganz entfaltet.

Der Titelsong gleitet mit modaler Energie dahin, sein Thema ist einfach und doch strahlend, die Improvisationen reichen bis in den Himmel. „Blue Nile“ lässt ihre Harfe im Dialog mit Flöten erklingen – ein ätherischer Klang, der sich anfühlt wie durch Kristall gebrochenes Licht. „Turiya and Ramakrishna“ verlangsamt das Tempo zu einer meditativen Stimmung, wobei Coltranes Klavier Akkorde spielt, die wie in Gebet schwebend wirken. „Mantra“ beschließt das Album mit unerbittlichem Schwung, während Sanders und Henderson Saxophonklänge über eine Rhythmusgruppe weben, die wie ein Fluss brodelt.

Auf Vinyl erklingt die Harfe wie flüssiges Licht. Jeder Anschlag lässt Wellen durch den Raum schwappen, während die Saxophone mit roher Leidenschaft dröhnen. Der Mix fängt nicht nur den Klang ein, sondern auch die Hingabe – man fühlt sich weniger als Zuhörer, sondern eher als Teilnehmer an einem Ritual. In einer Hörbar verwandelt das Album den Raum in einen Zufluchtsort, der nicht feierlich, sondern erhebend wirkt und in seiner Intensität ein gemeinschaftliches Erlebnis bietet.

„Ptah, the El Daoud“ bleibt eine der größten Errungenschaften Coltranes. Es verkörpert die Verschmelzung von Jazzimprovisation und spiritueller Suche – Musik als Suche. Sobald man die Nadel auflegt, betritt man einen Tempel des Klangs, der auch fünfzig Jahre später noch für Suchende offen steht.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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