Aretha Franklin – I Never Loved a Man the Way I Love You (1967)

Aretha Franklin – I Never Loved a Man the Way I Love You (1967)

Von Rafi Mercer

Der erste Ton ist fast schon unerträglich. Es ist nicht das berühmte „Respect“ – obwohl diese Hymne auf diesem Album weiterlebt, unsterblich, unantastbar –, sondern der Klavierakkord, mit dem „I Never Loved a Man (The Way I Love You)“ beginnt. Karg, stockend, durchtränkt von südlichem Flair. Das Studio war das FAME in Muscle Shoals, Alabama. Die Musiker waren größtenteils weiße Studiomusiker, unbekannt, ungeschönt, Männer, die in der Kirche des Rhythm and Blues aufgewachsen waren. Und dann war da noch Aretha.

1967 war sie vierundzwanzig Jahre alt, und ihre Stimme war bereits geprägt vom Feuer des Gospels und den Spuren eines Lebens zwischen Kirchenbänken und grellem Rampenlicht. Sie hatte sechs Jahre bei Columbia Records verbracht und dort höflichen Jazz und Supper-Club-Balladen aufgenommen, die zwar ihre Technik, aber nicht ihre Seele zur Geltung brachten. Die Welt wusste noch nicht so recht, was in ihr steckte. Vielleicht wusste es auch Columbia nicht. Dann holte Jerry Wexler von Atlantic Records sie nach Muscle Shoals, stellte ihr eine Band zur Seite, die locker und mitreißend spielen konnte, und sagte zu ihr: Setz dich ans Klavier und spiel.

Was darauf folgte, war nicht nur ein Album. Es war eine Rückeroberung, eine Markierung des eigenen Terrains, eine Selbstbekundung. Mit „I Never Loved a Man the Way I Love You“ wurde Aretha Franklin zu Aretha Franklin.

Der Titelsong ist eine Meisterleistung der Zurückhaltung. Das Arrangement bewegt sich kaum: ein hinkender Beat, ein Orgelbrummen, eine Basslinie, die vorsichtig um die Akkordwechsel herumschlängelt. Doch auf diesem Fundament errichtet Aretha eine Kathedrale des Schmerzes. Ihre Stimme beugt sich und bricht, voller Gospel-Kadenzen, die zugleich wie Gebet und Konfrontation klingen. Es ist kein Liebeslied. Es ist ein Geständnis am Rande des Zusammenbruchs. Man hört sowohl Hingabe als auch Trotz, als wäre sie sich des Preises dieses Gefühls bewusst und würde es dennoch singen.

Dann kommt „Respect“. Es fällt schwer, heute darüber zu schreiben, ohne dabei an seine spätere Bedeutung zu denken: die feministische Hymne, der Soundtrack der Bürgerrechtsbewegung, der Karaoke-Klassiker. Doch 1967 nahm Aretha Otis Reddings selbstbewusstes Flehen und verwandelte es in etwas, das noch heute die Bodenbretter zum Beben bringt. Sie machte daraus eine Forderung, keine Bitte. Wie sie das Wort R-E-S-P-E-C-T buchstabiert, ist mehr als nur ein Ohrwurm – es ist ein Zeichen, eine klare Grenze. Hört euch an, wie die Bläser hinter ihr zuschlagen, wie die Backgroundsängerinnen schnappen, als würde eine zustimmende Menge mitklatschen. Es ist der Klang der Eigenmacht, einer Künstlerin, die sich den Song und damit die Welt zu eigen macht.

Doch die wahre Tiefe dieses Albums liegt in seinen anderen Facetten. „Do Right Woman, Do Right Man“ verlangsamt alles bis zur Stille, ein Gospelgebet im Soul-Gewand. Aufgenommen nach dem Zusammenbruch der berüchtigten Muscle-Shoals-Session – Streit, Alkohol, Spannungen –, wurde es später in New York fertiggestellt. Vielleicht verliehen ihm diese Turbulenzen seine Tiefe. Es ist eine ihrer großartigsten Darbietungen, gesungen, als trüge sie nicht nur einen Text, sondern die gesamte Geschichte von Frauen, die darum bitten, als gleichberechtigt angesehen zu werden.

„Dr. Feelgood“ ist noch intimer. Nur Aretha und ihr Klavier, kaum begleitet, verwandeln das Studio um Mitternacht in einen Kirchenkeller. Sie singt nicht mit voller Kraft, sie predigt. Der Song handelt von körperlicher Liebe, doch die Darbietung ist reiner, geheiligtem Soul. Die Klavierläufe huschen und rollen mit der Selbstsicherheit einer Person, die schon seit ihrer Kindheit spielt. Man vergisst leicht, dass Aretha ebenso sehr Musikerin wie Sängerin war, doch hier ist das unmöglich. Sie treibt den Song voran und prägt den Groove ebenso sehr mit ihren Fingern wie mit ihrer Stimme.

Andere Titel zeigen andere Facetten. „Save Me“ und „Baby, Baby, Baby“ beweisen ihre Beherrschung des feurigen Uptempo-Sounds, bei dem die Bläser dröhnen und die Rhythmusgruppe schwungvoll voranschreitet. Bei „Good Times“ kann sie ihre Phrasierung vor funkigeren Hintergründen unter Beweis stellen. Doch im Mittelpunkt steht stets diese Stimme: eindringlich, rau, elastisch. Eine Stimme, die in einer einzigen Zeile von Zärtlichkeit zu Donner wechseln kann.

Was dieses Album so zeitlos macht, ist nicht nur seine Rolle als Sprungbrett für ihre Karriere, sondern auch seine Vollkommenheit als Hörerlebnis. Es fühlt sich an wie eine Nacht in Echtzeit: der Schmerz der Liebe in der Abenddämmerung, die lautstark geforderte Achtung, die Intimität leiser Geständnisse, die Hitze des Tanzes, die abschließende Stille des Gospels. Das ist keine Hintergrundmusik. Es ist Musik, die den Raum verwandelt. Leg die Nadel in einer Hörbar auf, und du wirst spüren, wie sich die Atmosphäre verändert. Die Leute richten sich auf, Gespräche verstummen, die Luft wird dichter. Man befindet sich nun in Arethas Welt.

Auf Vinyl, insbesondere bei einer gut gepressten Neuauflage, atmet die Platte. Die Rhythmusgruppe aus Muscle Shoals ist lebendig: fette, aber klare Bassnoten, Schlagzeug mit diesem trockenen südstaatlichen Biss, die Orgel, die an den Rändern leuchtet. Ihr Klavier klingt wie Holz und Draht, greifbar, perkussiv. Und über all dem ihre Stimme – die Art von Stimme, die einen unwillkürlich nach vorne beugen lässt. Ein echter Systemtest. Wenn deine Lautsprecher ihre Höhen ohne Verzerrung wiedergeben können, bist du bereit.

Aber vielleicht ist die eigentliche Bewährungsprobe gar nicht technischer Natur. Sie ist emotional. Können das System, der Raum, der Moment das Gewicht ihrer Präsenz tragen? Denn was Aretha hier tut, ist keine Darbietung im üblichen Sinne. Es ist ein Zeugnis. Sie singt nicht einfach nur Lieder; sie spricht Wahrheiten aus. Deshalb fühlt es sich beim Anhören dieses Albums immer noch so an, als befände man sich in der Gegenwart von etwas Lebendigem, etwas, das größer ist als die Rillen, in die es eingraviert ist.

Ein halbes Jahrhundert später ist „I Never Loved a Man the Way I Love You“ mehr als nur ein Debüt bei Atlantic. Es ist eine Wegweiser. Von hier aus gewann die Soul-Musik an neuer Dimension und Kraft. Von hier aus veränderte sich das Hörerlebnis selbst. Die Vorstellung, dass eine Platte zugleich Bekenntnis und Forderung, Gebet und Protest, die Hitze eines Nachtclubs und die Kühle einer Kirche sein kann – und das alles auf einmal. Nur wenige Alben schaffen das. Noch weniger wirken dabei unvermeidlich. Dieses hier tut es.

Also hör es dir noch einmal an. Hör es dir morgens zum Kaffee an, abends zu einem Bourbon, in einer Bar mit gedämpfter Beleuchtung. Lass den ersten Klavierakkord nachklingen, lass die Stille vor ihrer ersten Zeile sich ausdehnen. Und tauche dann in ihre Welt ein, in der Liebe, Respekt und Seele keine abstrakten Begriffe sind, sondern Schwingungen, die du bis in die Knochen spürst.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter hier oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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