Azymuth – Azymuth (1975)

Azymuth – Azymuth (1975)

Brasilianische Grooves, die sich anfühlen, als würde Sonnenlicht durch den Raum strömen

Von Rafi Mercer

Manche Platten bringen eine ganz eigene Atmosphäre mit sich.

Legt man die Platte „Azymuth“ auf – das Debütalbum des brasilianischen Trios Azymuth aus dem Jahr 1975 –, verändert sich die Atmosphäre im Raum fast augenblicklich. Die Luft scheint wärmer zu werden. Der Rhythmus wird lockerer. Die Gespräche verlangsamen sich gerade so weit, dass man den Groove wahrnimmt, der sich unter der Oberfläche ausbreitet.

Es ist der Klang von Rio, der leise in den Raum schwebt.

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Die Band – José Roberto Bertrami am E-Piano und an den Keyboards, Alex Malheiros am Bass und Ivan „Mamão“ Conti am Schlagzeug – hatte bereits Jahre lang zusammen gespielt, bevor dieses Album erschien. Diese gemeinsame Geschichte spiegelt sich in der Leichtigkeit ihres Spiels wider. Nichts wirkt gezwungen. Die Rhythmusgruppe bewegt sich wie ein einziger Organismus, während Bertramis E-Piano leicht darüber tanzt.

Die Musik fließt, anstatt sich aufzudrängen.

Schon von den ersten Takten an offenbart das Trio den unverkennbaren Stil, der später als „Samba Doido“ bekannt werden sollte – ihre spielerische Bezeichnung für die Verschmelzung brasilianischer Samba-Rhythmen mit Jazz, Funk und Electric Fusion. Doch im Gegensatz zu den schwerfälligeren Jazz-Fusion-Experimenten, die Mitte der 1970er Jahre anderswo stattfanden, nähert sich Azymuth diesem Sound mit bemerkenswerter Leichtigkeit.

Der Groove steht an erster Stelle.

Stücke wie „Linha do Horizonte“ gleiten mühelos auf warmen Basslinien und schimmernden Rhodes-Akkorden dahin. Im Hintergrund flackert sanft die Percussion, die den Rhythmus niemals überlagert, sondern ihm stets Farbe und Bewegung verleiht.

Es ist Musik, die die Kunst der Ausgewogenheit versteht.

Das Trio lässt Raum zwischen den Noten. Bertramis Keyboardklänge plätschern wie Reflexionen auf dem Wasser durch den Mix, während Malheiros’ Bass bodenständig und melodisch bleibt und die Songs mit subtiler Selbstsicherheit vorantreibt. Contis Schlagzeugspiel rundet das Bild ab – entspannt, aber präzise, immer im Einklang mit dem natürlichen Swing des brasilianischen Rhythmus.

Wenn man sich das Album heute anhört, fällt vor allem auf, wie modern es sich immer noch anfühlt.

Während ein Großteil der Fusion-Musik der 1970er Jahre auf Komplexität und Virtuosität setzte, schöpft Azymuth seine Kraft aus der Atmosphäre. Die Grooves sind hypnotisch, ohne dabei monoton zu wirken. Melodien tauchen auf, verklingen und kehren wieder zurück wie ferne Lichter an einer Küste.

Bei diesem Album geht es weniger um einzelne Songs als vielmehr um einen kontinuierlichen Fluss der Bewegung.

Diese Eigenschaft macht ihn perfekt für bestimmte Arten von Hörräumen. Ein Café am späten Nachmittag. Eine Vinyl-Bar, wenn der Abend langsam hereinbricht. Die Art von Raum, in dem Sonnenlicht durch die Fenster fällt und sich Gespräche langsam über den Tisch hinweg entfalten.

In solchen Umgebungen wirkt Azymuth fast schon architektonisch.

Die Musik dominiert den Raum nicht. Vielmehr prägt sie ihn – sie bestimmt seinen Rhythmus und mildert die Schärfe des Augenblicks. Jeder Titel wirkt wie eine weitere sanfte Schicht, die der Atmosphäre hinzugefügt wird.

Und vielleicht ist das der Grund, warum die Musik von Azymuth so anmutig die Zeit überdauert hat.

Auch Jahrzehnte nach Erscheinen dieses Albums entdecken DJs, Sammler und Hörer seine Grooves immer wieder neu. Das Trio veröffentlichte in der Folge zahlreiche Platten, auf denen es sich mit tiefergehenden elektronischen Klangtexturen und Funk-Einflüssen auseinandersetzte, doch die Essenz ihres Sounds ist hier bereits in voller Pracht zu hören.

Warm, neugierig, unendlich fließend.

Wenn man diese Platte einmal anhört, ist es einfach ein angenehmes Erlebnis. Hört man sie sich noch einmal an, fallen einem die Details auf: der Bass, der leise unter den Akkorden tanzt, die kleinen perkussiven Einlagen, die den Rhythmus lebendig halten, und die Art und Weise, wie das E-Piano im Stereofeld zu schimmern scheint.

Es fühlt sich weniger so an, als würde man einer Band zuhören, sondern eher so, als würde man beobachten, wie sich Licht über das Wasser bewegt.

Manche Schallplatten verlangen nach Aufmerksamkeit.

Azymuth lädt den Raum einfach dazu ein, mit ihm zu atmen.


Kurze Fragen

Was macht den Sound dieses Albums aus?
Brasilianische Samba-Rhythmen, vermischt mit Jazz, Funk und Electric Fusion – warme Grooves, getragen von E-Piano und fließenden Basslinien.

Wo passt es in eine Hörumgebung?
Cafés am späten Nachmittag, Bars, in denen man bei Sonnenuntergang Musik hört, und entspannte Vinyl-Sessions, bei denen der Groove die Stimmung bestimmt.

Warum passt das zu „Tracks & Tales“?
Weil hier Rhythmus als Atmosphäre verstanden wird – Musik, die den Raum sanft verwandelt, anstatt im Rampenlicht zu stehen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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