Black on Both Sides – Mos Def (1999)

Black on Both Sides – Mos Def (1999)

Eine Stadt, die durch Rhythmus spricht

Von Rafi Mercer

Es gibt bestimmte Alben, die sich weniger wie Alben anfühlen, sondern eher wie Gespräche mit einer Stadt. „Black on Both Sides“ ist eines davon.

Als diese Platte 1999 erschien, spaltete sich die Hip-Hop-Szene bereits in verschiedene Richtungen auf. Die Charts waren überfüllt mit glattem, kommerziellem Rap, die Ostküste trug noch immer die Last des goldenen Zeitalters der 1990er Jahre, und die Underground-Szenen begannen, nach etwas Tiefgründigerem zu suchen – nach etwas, das der Poesie näher stand als einem Produkt.

In diesem Moment trat Mos Def auf die Bühne – mit einer Stimme, die nachdenklich, warm und auf ruhige Weise trotzig klang. Er rappte nicht wie jemand, der den Raum dominieren wollte. Er klang wie jemand, der versuchte, ihn zu verstehen.

Der Eröffnungstitel „Fear Not of Man“ beginnt nicht mit Aggression, sondern mit Nachdenklichkeit. Mos Def spricht den Hörer direkt auf den Hip-Hop selbst an – seinen Geist, seinen Zweck und die Art und Weise, wie er zur Ware verkommen kann, wenn wir vergessen, wofür er eigentlich gedacht war. Es ist weniger eine Einleitung als vielmehr ein Manifest. Man merkt sofort, dass dieses Album nicht dem Moment hinterherjagt. Es versucht, an etwas Beständigerem festzuhalten.

Was „Black on Both Sides“ unter anderem zu einem so bemerkenswerten Hörerlebnis macht, ist seine Wärme. Bei Hip-Hop-Produktionen wird oft auf Durchschlagskraft gesetzt – hart einschlagende Kick-Drums, knallende Snares. Hier atmet der Sound anders. Die Drums liegen etwas tiefer im Mix, die Basslinien rollen wie der nächtliche Verkehr, und die Samples wirken, als stammten sie von verstaubten Soul-Platten, die schon ein langes Leben hinter sich haben, bevor sie hier gelandet sind.

Songs wie „Ms. Fat Booty“ gleiten auf eleganten Loops und einem zurückhaltenden Groove dahin. Das berühmte Aretha-Franklin-Sample, das den Song prägt, entfaltet sich wie eine kleine filmische Erzählung. Mos Def erzählt von Romantik, Sehnsucht und Verletzlichkeit mit der ruhigen Geduld eines Menschen, der weiß, dass der Rhythmus allein die Emotionen transportieren kann.

An anderer Stelle nimmt das Album auf faszinierende Weise neue Formen an. „Umi Says“ gleitet in eine Art spirituelle Soul-Meditation ab – fast eher gesungen als gerappt –, wobei der Refrain wie eine Erinnerung über dem Beat schwebt. Man kann sich gut vorstellen, wie dieser Track langsam einen Raum erfüllt, mit seinem warmen, sanften Bass und der fast schon gesprächigen Stimme. Es fühlt sich weniger wie eine Hip-Hop-Performance an, sondern eher wie eine Botschaft, die durch die Zeit getragen wird.

Dann gibt es Momente, in denen die Stadt ganz klar in den Fokus rückt. „Mathematics“, produziert von DJ Premier, basiert auf jener knackigen, präzisen Drum-Programmierung, die den New Yorker Hip-Hop der 1990er Jahre geprägt hat. Doch Mos Def nutzt den Beat nicht nur, um aufzutreten – er nutzt ihn, um zu dokumentieren. Statistik, Politik, Wirtschaft, Rasse. Der Song wird zu einer Bestandsaufnahme des Systems selbst, vermittelt in der Sprache des Rhythmus.

Was heute beim Anhören am meisten auffällt, ist, wie ausgewogen sich das Album anfühlt. Nichts wirkt hier gehetzt. Nichts ist übermäßig aufpoliert. Die Produzenten – darunter 88-Keys, Diamond D und andere – lassen jedem Track Raum zum Atmen. Die Arrangements sorgen dafür, dass sich die Stimme ganz natürlich in die Musik einfügt, anstatt darum zu kämpfen, sie zu dominieren.

Deshalb entfaltet sich „Black on Both Sides“ erst nach und nach, wenn man es über eine gute Anlage abspielt. Die Basslinien verlaufen wie architektonische Strukturen unter den Songs. Aus dem Hintergrund tauchen kleine Texturen auf: hier eine Gitarrenlinie, dort ein Keyboard-Lick, die zarte Struktur von Vinyl-Samples, die in die Produktion eingewoben sind. Es ist Hip-Hop, der aufmerksames Zuhören belohnt.

Wenn man sich das Album heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, anhört, wirkt es fast prophetisch. Die Themen, die Mos Def anspricht – Identität, Kultur, Medien, Politik, Spiritualität –, haben mit der Zeit nur noch an Relevanz gewonnen. Doch der Ton des Albums verfällt niemals in Wut oder Verzweiflung. Stattdessen hält es an etwas Festem fest: Klarheit.

Genau diese Klarheit verleiht dem Album seine nachhaltige Kraft. Es ist ein Album, das an die Intelligenz seiner Zuhörer glaubt. Es geht davon aus, dass man sich auf die Musik einlässt, den Texten folgt und sich vom Rhythmus leiten lässt.

In vielerlei Hinsicht reiht sich „Black on Both Sides“ unaufdringlich in die Reihe der nachdenklichsten Alben ein, die der Hip-Hop je hervorgebracht hat. Es mag nicht das lauteste Album in der Geschichte dieser Kultur sein, aber es hört aufmerksam zu – und lädt dich ein, es ihm gleichzutun.

Und vielleicht ist das der Grund, warum es auch heute noch so stark nachhallt. Denn hinter den Beats und Reimen, hinter den Geschichten von den Straßen der Stadt und den Widersprüchen des menschlichen Daseins verbirgt sich in diesem Album eine einfache Idee:

dass Musik nach wie vor ein Ort sein kann, an dem Reflexion lebendig bleibt.


Kurze Fragen

Warum gilt „Black on Both Sides“ als Klassiker?
Weil es lyrische Intelligenz, gefühlvolle Produktion und soziales Bewusstsein auf eine Weise vereint, die zeitlos wirkt und nicht an Trends gebunden ist.

Was sind die herausragenden Titel des Albums?
„Ms. Fat Booty“, „Umi Says“, „Mathematics“ und „Fear Not of Man“ zählen nach wie vor zu den einflussreichsten Aufnahmen von Mos Def.

Was macht das Album für die Hörkultur so besonders?
Seine warme Produktion, der ausgewogene Mix und das durchdachte Tempo machen es zu einer Platte, die bei aufmerksamer Wiedergabe auf einer guten Anlage immer wieder neue Details offenbart.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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