Black Pumas – Black Pumas (2019)

Black Pumas — Black Pumas (2019)

Eine nachdenkliche Albumkritik zu „Black Pumas“ (2019) – ein modernes Soul-Album, das auf Zurückhaltung, Wärme und emotionalen Freiraum setzt und von der stillen Kraft des Songs „Colors“ getragen wird.

Von Rafi Mercer

Es gibt Momente, in denen Stille eher bedrückend als beruhigend wirkt. Wenn es im Raum still ist, deine Gedanken aber nicht zur Ruhe kommen. Black Pumas tauchten in einem solchen Moment auf wie ein offenes Fenster – nicht laut genug, um zu stören, aber warm genug, um die Atmosphäre zu verändern.

Das 2019 erschienene, selbstbetitelte Debütalbum der Band hat seine Wurzeln im Soul, wirkt dabei aber keineswegs nostalgisch. Es trägt die Handschrift älterer Platten – die Wärme von Stax, die Anmut von Curtis Mayfield, einen Hauch psychedelischer Leichtigkeit –, verlangt jedoch niemals, mit der Vergangenheit verglichen zu werden. Stattdessen wirkt es präsent. Unmittelbar. Menschlich.

Im Mittelpunkt steht Eric Burtons Stimme: geschmeidig, gereift, intim. Sie übertönt die Songs nicht, sondern durchdringt sie. Man hört den Atem, die Zurückhaltung, die Geduld. Er singt wie jemand, der versteht, dass Kraft nicht immer mit Lautstärke einhergehen muss. Um ihn herum schafft Adrian Quesada eher Räume als Arrangements – Gitarren, die schimmern, statt zu dominieren; Rhythmen, die schwingen, statt voranzutreiben; Bläser, die wie eine Erinnerung auftauchen, statt sich anzukündigen.

Und dann gibt es noch „Colors“.

Es ist der Song, der mich in seinen Bann gezogen hat. Nicht, weil er nach Dramatik strebt, sondern weil er sich dieser verweigert. Der Song entfaltet sich sanft und vertraut darauf, dass der Zuhörer sich darauf einlässt. Das hat etwas still Radikales in einer Welt, die ständig nach Hooks, Drops und Dringlichkeit verlangt. „Colors“ jagt der Aufmerksamkeit nicht hinterher – es wartet auf sie.

Der Song überzeugt durch seine Ausgewogenheit. Zart, ohne weich zu wirken. Romantisch, ohne sentimental zu sein. Der Text ist nicht kompliziert, muss es aber auch gar nicht sein. Er spricht eher die Gefühle an als dass er etwas erklärt. Man analysiert ihn nicht, sondern erkennt sich selbst darin wieder. Das ist selten.

Diese Philosophie zieht sich durch das gesamte Album. Titel wie „Know You Better“, „Fire“ und „Touch the Sky“ zeichnen sich durch eine lockere Selbstsicherheit aus, sind niemals gehetzt und niemals überladen. Die Produktion lässt Raum – echten Raum –, damit der Hörer sich entfalten kann. Man hört den Raum. Man hört die Absicht. Das ist Musik, die davon ausgeht, dass man aufmerksam zuhört, und einen still belohnt, wenn man es tut.

Was Black Pumas so beständig macht, sind nicht ihre Einflüsse, sondern ihre Zurückhaltung. Die Band versteht, dass es bei Soul-Musik schon immer ebenso sehr um Kontrolle wie um Ausdruck ging. Darum, zu wissen, wann man sich zurückhalten muss. Darum, Emotionen eher durch Klang, Textur und Timing zum Ausdruck zu bringen als durch Übertreibung.

Wenn man das Album heute hört, wirkt es eher wie ein Begleiter als wie ein Statement. Etwas, zu dem man zurückkehrt, wenn die Welt einem etwas zu hart erscheint. Wenn man keine Antworten braucht, sondern einfach nur Ausgeglichenheit. Eine Erinnerung daran, dass Klang einen beruhigen – und beflügeln – kann, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen.

Manchmal braucht man keinen Lärm, um den Tag zu verändern.
Manchmal braucht man einfach nur die richtige Farbe.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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