Blue Break Beats – Various Artists (Blue Note, 1998)
Fünfzig Songs, die ganze Generationen geprägt haben.
Eine Zusammenstellung, die einer ganzen Generation vermittelt hat, wie sich Rhythmus ausbreitet.
Von Rafi Mercer
Es gibt Compilations, die man kauft, um sich einen Überblick zu verschaffen, und dann gibt es Compilations, die einem etwas beibringen, von dem man noch nicht einmal wusste, dass man bereit war, es zu lernen. „Blue Break Beats – 50 of the Best“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ich habe es mir Anfang der 90er Jahre bei Soul Jazz Records in Soho zum ersten Mal gekauft – damals, als der Laden noch wie eine Art Tempel des Hörgenusses wirkte. Kisten voller Möglichkeiten, farbenprächtige Plattenhüllen, alle bewegten sich langsam und respektvoll, als wäre die Luft selbst gestimmt. Damals wusste ich es noch nicht, aber dies war das Album, das meine Art, Groove zu hören, in den folgenden Jahren still und leise prägen sollte.
Was einem sofort auffällt, ist die Absicht hinter der Zusammenstellung. Das sind nicht einfach nur Jazz-Stücke – es sind Grundlagen. Die Beats, Breaks, Riffs und Muster, auf denen Hip-Hop-Produzenten später neue Welten aufbauen würden. Man hört es am Knacken des Schlagzeugs, an der sommerlichen Selbstsicherheit der Bläser, daran, wie eine Basslinie vor einem herzugehen scheint, als würde sie einen zu einem neuen Rhythmus führen. Grant Greens Gitarre zieht sich wie ein Puls durch die Zusammenstellung. Donald Byrd gleitet mit einer mühelosen Modernität darüber hinweg, die sich auch Jahrzehnte später noch frisch anfühlt. Bobby Hutcherson verleiht dem Ganzen diesen schimmernden Schärfe – nicht nur Melodie, sondern Atmosphäre. Man beginnt zu verstehen, warum diese Aufnahmen zu einer wahren Fundgrube für Samples wurden: Jede einzelne wirkt lebendig, offen und bereit, neu interpretiert zu werden.

Wenn man sich die Compilation heute noch einmal anhört, wirkt sie seltsam modern. Nicht, weil sie der Zukunft hinterherjagt, sondern weil die Musiker gar nichts verfolgt haben – sie haben einfach nur gespielt. Darin liegt eine gewisse Selbstsicherheit. Eine Art analoge Gewissheit, dass der Groove halten wird, weil die Musiker wissen, wie man darin atmet. Und genau das ist das Schöne an „Blue Break Beats“. Die Produzenten, die später daraus sampelten, haben nichts gestohlen; sie haben zugehört. Sie hörten in diesen Sessions eine rhythmische Tradition, die ebenso sehr der Zukunft gehörte wie dem Moment, in dem sie aufgenommen wurde.
Was mir jedoch geblieben ist, ist die Erinnerung: wie ich durch die Straßen von Soho schlenderte, später am Abend die Nadel auf diese Compilation setzte und plötzlich spürte, wie sich die Welt ein wenig öffnete. Als hätte mir jemand eine Karte in die Hand gedrückt – keine Karte eines Ortes, sondern eines Gefühls. Eine Art des Zuhörens, die zugleich geerdet und weitreichend war. Eine Erinnerung daran, dass Jazz nicht kompliziert sein muss, um kraftvoll zu sein; manchmal braucht er einfach nur den richtigen Rhythmus.
„Blue Break Beats“ ist nach wie vor eine der besten Einführungen in den Puls von Blue Note. Eine Compilation, die Groove versprüht, Wissen vermittelt und zeitlos bleibt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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