Brian Jackson – EP Two (2026)

Brian Jackson – EP Two (2026)

Wo Spiritual Jazz auf die Deep-House-Tanzfläche trifft

Von Rafi Mercer

Es gibt einen bestimmten Klang, der irgendwo zwischen Erinnerung und Bewegung liegt.

Wenn man es zum ersten Mal hört, erkennt man es sofort. Ein Fender-Rhodes-Akkord verweilt etwas länger in der Luft als erwartet. Die Rhythmusgruppe bewegt sich eher geduldig als drängend. Der Groove eilt nicht voran. Er atmet.

Brian Jackson hat diesen Bereich schon immer verstanden.

In den 1970er Jahren trug er gemeinsam mit Gil Scott-Heron zur Entstehung einiger der bedeutendsten Musikwerke jener Zeit bei – Alben, die Poesie, Politik und spirituelle Tiefe gleichermaßen vereinten. Doch was diesen Aufnahmen ihren bleibenden Wert verlieh, war nicht nur die Botschaft. Es war die Klangarchitektur. Die Rhodes-Akkorde. Die Jazz-Soul-Arrangements. Das Gefühl, dass die Musiker einander in Echtzeit zuhörten.

Fast fünfzig Jahre später kehrt Jackson auf „EP Two“ zu dieser Sprache zurück – allerdings mit einer neuen Generation von Mitwirkenden, die deren Bedeutung verstehen.

Das Ergebnis ist etwas auf unaufdringliche Weise Bemerkenswertes: ein Album, das eine Brücke zwischen Spiritual Jazz, Soul und der Deep-House-Tanzfläche schlägt, ohne dabei die Würde seiner Wurzeln zu verlieren.

Die ersten Momente finden ihren Rhythmus, der jedem sofort vertraut vorkommt, der sich schon einmal mit der Soulful-House-Tradition New Yorks beschäftigt hat. Die Rhythmusgruppe bewegt sich mit jener unverkennbaren Elastizität von Masters At Work – die Basslinien rollen vorwärts, die Percussion flackert am Rande, und die Keyboardklänge gleiten eher warm als auffällig darüber hinweg.

Hier gibt es zwar Schwung, aber es ist nicht der aggressive Schwung moderner Club-Produktionen. Es ist die Art von Schwung, die im Rhythmus selbst liegt. Die Art, die sich auf einer Tanzfläche spät in der Nacht genauso wohlfühlt wie über ein Paar hochwertige Lautsprecher in einem ruhigen Raum.

„Racetrack in France“ ist der Track, der wahrscheinlich die größte Reichweite haben wird. Ursprünglich 1977 aufgenommen, erscheint er hier in neuer Gestalt – ausgeweitet zu einem vollwertigen 12-Zoll-Track mit Deep-House-Dynamik und einem gefühlvollen Gesang, der sich mühelos über das Arrangement legt. Moodymanns Handschrift ist in der Lockerheit des Rhythmus zu spüren, während Josh Milan jene stimmliche Autorität einbringt, die den Blaze- und MAW-Kontext seit langem prägt.

Auffällig ist, wie selbstverständlich der Titel zwischen den Epochen wechselt. Nichts daran wirkt gekünstelt oder nostalgisch. Vielmehr klingt es so, als hätte die Musik einfach ihre Reise fortgesetzt.

An anderer Stelle bewahrt die Neuinterpretation von „Home Is Where the Hatred Is“ die emotionale Tiefe des Originals, während sich die Rhythmusgruppe zu etwas Weitläufigerem entfalten kann. Der Groove entfaltet sich geduldig und gibt den Texten Raum, mit derselben stillen Intensität zu wirken, die das Original so kraftvoll gemacht hat.

Und dann ist da noch „Lady Day & John Coltrane“, eines der zartesten Stücke im Repertoire von Gil Scott-Heron. Hier schwebt es in einem Schleier aus Rhodes-Akkorden und warmem Bass, während Rahsaan Pattersons Stimme die Melodie eher mit Eleganz als mit Nachahmung trägt. Es versucht nicht, das Original zu ersetzen. Es füllt den Song einfach auf eine andere Art und Weise aus.

Auf der gesamten EP zeichnen sich die Arrangements durch eine Großzügigkeit aus, die in der zeitgenössischen Musikproduktion immer seltener zu finden ist. Die Abmischungen wirken weitläufig. Die Musiker lassen einander Raum. Nichts wird in den Vordergrund gedrängt, nur um Aufmerksamkeit zu erregen.

Gerade diese Zurückhaltung ist es, die das Album so gelungen macht.

Die besten House-Platten – jene, die Jahrzehnte statt nur eine Saison überdauern – basieren auf dem Zuhören. Musiker, die einander zuhören. Produzenten, die auf den Raum im Groove achten. DJs, die auf die Stimmung im Raum achten, bevor sie entscheiden, wann der nächste Track beginnen soll.

EP Two hat diese Tradition tief verinnerlicht.

Für Hörer, die Brian Jackson zum ersten Mal entdecken, mag sich das Album wie eine neue Begegnung zwischen Jazz und House anfühlen. Für diejenigen, die sein früheres Werk kennen, fühlt es sich eher wie die Fortsetzung eines Dialogs an, der nie wirklich aufgehört hat.

Die gleiche Wärme. Die gleiche Geduld. Das gleiche Gefühl, dass Musik Gedanken und Bewegung zugleich transportieren kann.

Im richtigen Ambiente – einer Listening-Bar spät am Abend, einer gut abgestimmten Hi-Fi-Anlage oder einer Tanzfläche, auf der man den Wert der Zurückhaltung zu schätzen weiß – entfalten diese Titel ihre wahre Tiefe.

Der Groove verlangt keine Aufmerksamkeit.

Das verdient es sich langsam.

Und sobald man sich darauf einlässt, hat man das Gefühl, dass dieser Rhythmus schon immer da war.


Kurze Fragen

Was zeichnet „EP Two“ aus?
Sie verbindet Spiritual Jazz, Soul und Deep House durch eine echte musikalische Tradition und nicht durch Nostalgie.

Welcher Track wird die DJs am meisten ansprechen?
“ – „Racetrack in France (12“-Version)“ – ein souliger House-Groove mit dem klassischen Masters-at-Work-Swung.

Ist das ein Club-Hit oder ein Album zum Genießen?
Beides. Es funktioniert auf der Tanzfläche, aber die Arrangements lohnen es, auf einer guten Anlage genau hinzuhören.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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