Cabaret Voltaire – Red Mecca (1981)
Von Rafi Mercer
Der Beat ist mechanisch, die Synthesizer brodeln bedrohlich, und Stimmen schweben herein wie abgefangene Funksignale. Cabaret Voltaires „Red Mecca“, das 1981 erschien, ist eines der düstersten und einflussreichsten Alben, die aus der Industrial-Underground-Szene von Sheffield hervorgegangen sind. Es ist aggressiv und doch hypnotisch, eine Platte, die groovt und zugleich beunruhigt, ein Soundtrack zu Paranoia und vermittelter Realität. Wenn man es hört, fühlt es sich an, als würde man spät in der Nacht Radiofrequenzen durchforsten und dabei Fragmente von Propaganda, Musik und Rauschen aufschnappen.
Richard H. Kirk, Stephen Mallinder und Chris Watson haben ein Album geschaffen, das gleichermaßen Anleihen bei Dub, Krautrock und den rauen Kanten des Punk nimmt und diese durch Drumcomputer und frühe Sampler filtert. Titel wie „A Touch of Evil“ und „Split Second Feeling“ pulsieren mit repetitiver Eindringlichkeit; ihre Grooves sind mitreißend, auch wenn ihre Klangtexturen zerfallen. Mallinders Gesang ist gemurmelt, halb im Hintergrund vergraben – eher Präsenz als Kommunikation. Der Mix ist dicht, vielschichtig, manchmal überwältigend, aber stets zielgerichtet.
Auf Vinyl ist die Rauheit der Produktion förmlich spürbar. Der Bassbereich pulsiert mit der Schwere des Dub, während die hohen Frequenzen scharf, aggressiv, aber mitreißend hervortreten. In einer Hörbar, schafft „Red Mecca“ eine aufgeladene Atmosphäre, die zwar nicht behaglich, aber fesselnd ist. Sie fordert die Zuhörer auf, sich hineinzuversetzen, das Unbehagen anzunehmen und den Rhythmus gleichzeitig als Kontrolle und Widerstand wahrzunehmen.
Das Vermächtnis dieses Albums ist immens. Es prägte die Industrial-Musik, beeinflusste den Techno und nahm die Ästhetik der Electronic Body Music sowie unzähliger experimenteller Szenen vorweg. Dennoch ist es zutiefst in seinem Umfeld verwurzelt: Sheffield in den frühen 1980er Jahren, eine postindustrielle Stadt, die mit Niedergang und Überwachung zu kämpfen hatte. „Red Mecca“ fängt diese Unruhe ein, verwandelt sie jedoch in Energie, in Bewegung, in Klang, der sich noch immer drängend anfühlt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ abonnieren Sie hier, oder hier klicken, um mehr zu lesen.