Cabin in the Sky – De La Soul (2023)

Cabin in the Sky – De La Soul (2023)

Radiowellen, lockere Grooves und die erfreuliche Rückkehr des verspielten Hip-Hop

Von Rafi Mercer

„Cabin in the Sky“ hat etwas Ungezwungenes an sich „Cabin in the Sky“ , die bewusst gewirkt zu haben scheint.

Schon von den ersten Augenblicken an hört man es: Das Schlagzeug liegt leicht hinter dem Takt, die Basslinie rollt wie warme Luft durch die Mitte des Stücks, und die Stimmen setzen mit dieser unverkennbaren De-La-Soul-Rhythmik ein – gesprächig, verspielt, ein wenig philosophisch.

Es fühlt sich weniger wie ein Album an, sondern eher so, als würde jemand die Türen zu einem Radiosender öffnen, der ausschließlich Platten spielt, für die es sich lohnt, darin zu leben.

Das ist das Erste, was einem auffällt.

Die Radioenergie.

Die Tracks fügen sich nahtlos in den Fluss nächtlicher Radiosendungen ein – dort, wo der DJ nicht zu oft unterbricht, wo die Songs atmen können und wo der Rhythmus den Hörer gemächlich an einen anderen Ort entführt. Die Produktion stützt sich stark auf Funk-Texturen: fette Bassgrooves, verstaubte Samples und Drums, die eher so klingen, als stammten sie aus einer Plattenkiste statt von einem Laptop.

Und es ist funky. Richtig funky.

Nicht im Sinne einer Retro-Imitation, sondern in dem tieferen Sinne, dass der Rhythmus den Körper in Bewegung versetzt, noch bevor der Verstand Zeit hat, ihn zu analysieren.

Der Groove setzt ein und du fängst an, mit dem Kopf zu nicken.

Das ist der Trick von De La Soul.

Seit Jahrzehnten bewegen sie sich etwas abseits des Mainstreams des Hip-Hop. Sie jagen nie dem lautesten Sound hinterher und zwingen dem Hörer nie den offensichtlichsten Refrain auf. Stattdessen gestalten sie ihre Tracks wie Gespräche zwischen Platten – hier Jazz-Fragmente, dort Soul-Loops, Beats, die sich anhören, als hätten sie eine Zeitreise hinter sich.

Bei „Cabin in the Sky“ wirkt diese Stimmung entspannt, selbstbewusst, fast schon feierlich.

Die Musik von Künstlern, die ihren eigenen Rhythmus verstehen, zeichnet sich durch eine gewisse Leichtigkeit aus. Sie wissen genau, wo sie Raum lassen müssen. Sie wissen, wann ein Beat in den Vordergrund treten sollte und wann er hinter dem Gesang zurücktreten sollte.

Wenn man genau hinhört, wirkt die Inszenierung fast schon architektonisch.

Der Bass bildet die Grundlage.

Die Trommeln bewegen sich durch die Mitte des Raums.

Die Stimmen schweben darüber – leise, aber bewusst.

Genau das sorgt dafür, dass die Platte über Lautsprecher so gut klingt.

Dreht man die Lautstärke ein wenig höher, wird das Album greifbar. Die Rillen breiten sich in der Luft um einen herum aus. Die Frequenzen klingen rund und warm, so wie gutes Radio früher spät in der Nacht klang, als das Signal noch etwas geheimnisvoll wirkte.

Es ist das Gegenteil von hyperkomprimierter moderner Musik.

Anstatt laut um Aufmerksamkeit zu buhlen, lädt „Cabin in the Sky“ Sie dazu ein, ganz in die Geschichte einzutauchen.

Und genau in dieser Einladung liegt der Zauber.

Denn De La Soul haben schon immer etwas Grundlegendes über die Kultur des Zuhörens verstanden: Musik muss den Raum nicht dominieren, um ihn zu verwandeln. Manchmal braucht es einfach nur den richtigen Groove im richtigen Moment.

Dieses Album vermittelt genau dieses Gefühl.

Ein Album, das den Geist des klassischen Hip-Hop-Radios, die Seele verstaubter Plattenkisten und die ruhige Selbstsicherheit von Künstlern in sich trägt, die seit Jahrzehnten den Rhythmus der Kultur prägen.

Wenn man es morgens anmacht, wird die Atmosphäre im Raum lockerer.

Wenn man es abends hört, lässt der Tag langsam ausklingen.

Irgendwo zwischen der Basslinie und dem Drum-Pocket wird dir etwas ganz Einfaches klar:

Die Frequenz hat sich geändert.

Und dadurch wirkt der Raum gleich viel angenehmer.


Kurze Fragen

Wie klingt „Cabin in the Sky“?
Warmer, funkiger Hip-Hop mit einer entspannten Radio-Atmosphäre – bassbetonte Grooves, gefühlvolle Samples und dialogartige Texte.

Was macht den Produktionsstil von De La Soul so besonders?
Sie verbinden Funk-, Jazz- und Soul-Samples mit verspielten Texten und schaffen so Musik, die menschlich, rhythmisch und zeitlos wirkt.

Ist das ein Album für Kopfhörer oder für Lautsprecher?
Lautsprecher. Die Klänge breiten sich wunderbar im Raum aus und lassen den Bass und den Rhythmus atmen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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