Cheikh Lô – Ne La Thiass (1996)

Cheikh Lô – Ne La Thiass (1996)

Ein spiritueller Groove, bei dem Senegal auf Reggae, Soul und die Nachtluft trifft

Von Rafi Mercer

Manche Alben wirken wie ein Scheideweg.

Verschiedene Wege führen aus unterschiedlichen Richtungen her – Rhythmen, Geschichten, Instrumente, Sprachen – und irgendwie treffen sie an einem einzigen Ort aufeinander, an dem die Musik beginnt, als Einheit zu atmen.

„Ne La Thiass“ ist genau so ein Album.

Bild

Das 1996 erschienene Album führt in die einzigartige musikalische Welt von Cheikh Lô ein, einem der einflussreichsten Künstler Senegals, der dabei eher im Hintergrund bleibt. Während sich manche Musiker durch ein einziges Genre definieren, bewegt sich Lôs Sound fließend zwischen mehreren Traditionen gleichzeitig. Senegalesische Mbalax-Rhythmen fügen sich nahtlos neben Reggae-Basslinien ein. Gospel-Harmonien tauchen neben westafrikanischen Percussion-Klängen auf. Lateinamerikanische Gitarrenphrasen schweben wie vorbeiziehende Echos durch die Arrangements.

Doch trotz dieser Vielfalt wirkt das Album zu keinem Zeitpunkt unzusammenhängend.

Stattdessen wirkt es tief verwurzelt.

Ein Teil dieser Verankerung rührt von Lôs eigenem musikalischen Werdegang her. Bevor er sein Solowerk aufnahm, trat er jahrelang mit Bands in Dakar und darüber hinaus auf und nahm dabei Einflüsse aus ganz Westafrika und der Karibik auf. Seine musikalische Identität wurde durch Reisen, Zusammenarbeit und die lange Tradition geprägt, dass Musiker eher durch Erfahrung als durch formalen Unterricht lernen.

Als „Ne La Thiass“ aufgenommen wurde, hatte sich diese Erfahrung zu etwas Einzigartigem entwickelt.

Die Produktion des Albums – unterstützt von der senegalesischen Ikone Youssou N’Dour – sorgt dafür, dass sich jedes Element von Lôs Sound nahtlos in den Groove einfügt. Bläser treten sanft im Hintergrund in Erscheinung. Die Percussion bewegt sich mit entspannter Präzision. Gitarrenlinien schimmern über einem Bassrhythmus, der oft an den warmen Puls des Reggae erinnert.

Und im Mittelpunkt steht dabei Lôs Stimme.

Seine Darbietung strahlt eine gewisse Gelassenheit aus, man hat das Gefühl, dass jede Phrase sorgfältig durchdacht wurde, bevor sie gesungen wird. Der Gesang hat den nachdenklichen Charakter spiritueller Musik und bleibt dabei doch tief mit dem rhythmischen Fluss der Band verbunden. Manchmal wirkt sein Gesang fast meditativ und führt den Zuhörer durch die verschiedenen Ebenen des Arrangements, anstatt sich über sie zu erheben.

Dieses Gefühl der spirituellen Besinnung zieht sich still durch das gesamte Album.

Lô ist stark von den Sufi-Traditionen Senegals geprägt, und dieser Einfluss prägt sowohl die Themen der Texte als auch die Atmosphäre des Albums. Die Lieder wirken oft nachdenklich und beschäftigen sich mit Themen wie Glauben, Identität und der Suche nach innerem Gleichgewicht.

Dennoch wird die Musik niemals feierlich.

In diesen Grooves steckt Wärme – jene Art von Wärme, die den Hörer dazu einlädt, sich auf den Rhythmus einzulassen, anstatt ihn zu analysieren. Die Percussion bewegt sich sanft, aber beharrlich und erzeugt so ein Gefühl der Vorwärtsbewegung, das die Songs mühelos von einem Moment zum nächsten trägt.

Wenn man es spät in der Nacht hört, offenbart das Album seine wahre Tiefe.

Die Bläser leuchten sanft im Hintergrund. Die Basslinien bewegen sich wie langsame Strömungen unter der Oberfläche. Das Schlagzeug lässt gerade genug Raum, damit die Gitarren atmen können.

Es ist der Klang von Musikern, die mit Geduld spielen.

Genau diese Geduld verleiht „Ne La Thiass“ seinen zeitlosen Charakter. Während viele Aufnahmen aus den 1990er Jahren die typischen Produktionsmerkmale ihrer Zeit tragen, wirkt dieses Album bemerkenswert zeitlos. Die Arrangements bleiben warm und organisch und basieren eher auf Live-Aufnahmen als auf Studioeffekten.

Daher findet die Platte auch Jahrzehnte später noch Anklang.

Für Hörer, die Cheikh Lô zum ersten Mal entdecken, bietet „Ne La Thiass“ einen wunderbaren Einstieg in die vielschichtigen Klangwelten der senegalesischen Musik – eine Welt, in der Rhythmus, Spiritualität und Groove harmonisch im selben musikalischen Raum verschmelzen.

Es ist kein Album, das Aufmerksamkeit verlangt.

Es lädt einen einfach dazu ein, eine Weile zu verweilen.

Und sobald man das tut, wird der Rhythmus auf eine ganz unaufdringliche Weise unvergesslich.


Auszug

Ein warmer, spiritueller Groove, in dem Cheikh Lô senegalesische Rhythmen, Reggae-Beats und gefühlvolle Musikalität zu einer der elegantesten Platten Westafrikas verschmilzt.


Kurze Fragen

Welchen Musikstil verfolgt Ne La Thiass?
Eine Mischung aus senegalesischem Mbalax, Reggae, Soul und traditionellen westafrikanischen Rhythmen.

Wer hat das Album produziert?
Youssou N’Dour hat das Projekt unterstützt und mitproduziert.

Warum ist Cheikh Lô so bedeutend?
Er hat einen unverwechselbaren spirituellen Groove geschaffen, der senegalesische Musik mit globalen Einflüssen verbindet.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

Zurück zu den Geschichten

Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

JETZT MITMACHEN