Cymande – Cymande (1972)

Cymande – Cymande (1972)

„Cymande“ (1972) dreht sich um die zeitlose Kraft von „The Message“ – ein perfekter Titel für den „Old Music Friday“ und das Herzstück eines der gefühlvollsten und spirituellsten Debütalben des Funk.

Von Rafi Mercer

Es gibt Debütalben, die sich mit Lärm, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz ankündigen – und dann gibt es Alben wie „Cymande“, das 1972 von einer Gruppe in London lebender afro-karibischer Musiker veröffentlicht wurde, die scheinbar nur mit ihrem Instinkt, ihrem kulturellen Erbe und einem Groove ins Studio kamen, der so natürlich wirkte, als wäre er ein Teil ihres Muskelgedächtnisses. Das Ergebnis ist eine der stillsten und einflussreichsten Funk-Soul-Platten, die je aufgenommen wurden: warm, gemächlich, spirituell und auf Rhythmen aufgebaut, die älter sind als die Stadt, in der sie aufgenommen wurde.

„Cymande“ ist kein Album, das laut auf sich aufmerksam macht. Es gleitet dahin. Es strahlt eine innere Selbstsicherheit aus, die weder Glanz noch Theatralik benötigt. Und im Mittelpunkt – als Herzschlag, als Anker, als der Titel, der das Album über Jahrzehnte hinweg getragen hat – steht „The Message“. Wenn „Old Music Friday“ einen Erkennungssong bräuchte, wäre es genau dieser.

„The Message“ ist eines dieser seltenen Musikstücke, bei denen alles in ruhiger Harmonie zusammenwirkt. Die Basslinie drängt nicht, sie lehnt sich an. Die Gitarren liegen da wie Lichtflackern. Die Congas plappern unter allem wie ein verstecktes Gespräch. Und Ray Kings Gesang – in seiner Zurückhaltung fast schon andächtig – verwandelt den Refrain in etwas, das eher der Weisheit als einem Liedtext nahekommt. Es ist Funk, aber Funk, der aus der Erinnerung an die Diaspora entstanden ist. Es ist Soul, aber Soul, der auf gelebter Erfahrung basiert und nicht auf theatralischem Herzschmerz. Es ist Groove, aber Groove, der atmet, anstatt zu fordern.

Und genau das macht das gesamte Album so außergewöhnlich. Cymande kopierten keinen amerikanischen Funk; sie verschmolzen karibische Identität, die Energie der Londoner Straßen, jazzige Disziplin und Rastafari-Bewusstsein zu einem Sound, den sie „Nyah-Rock“ nannten. Als Produzent John Schroeder sie entdeckte, wusste er, dass die Branche das nicht verstehen würde – aber er wusste auch, dass es kraftvoll war. Die Band nahm das Album 1971 in den De Lane Lea Studios auf, und was sie dort einfingen, war ein Hybrid, der keiner bestimmten Kultur zuzuordnen war. Infolgedessen machten Cymande ihren Weg – still, stetig, mühelos.

Abgesehen von „The Message“ steckt das Album voller leise entflammender Brillanz: der hypnotische Aufbau von „Dove“, die Selbstsicherheit von „Bra“, die sanfte Wärme von „Listen“ und „Rickshaw“. Doch gerade dieser Eröffnungstrack wirkt wie das Tor zur gesamten Welt des Albums. Jeden Freitag, wenn die Menschen genug von Hektik und Lärm haben, wenn sie nach etwas suchen, das die Energie umlenkt, anstatt sie noch zu verstärken, scheint „The Message“ in den Vordergrund zu treten, als wüsste es genau, wozu es da ist.

Deshalb ist „Cymande“ ein so perfektes Album für den „Old Music Friday“. Nicht, weil es alt ist – sondern weil es kostenlos ist. Es entstand noch vor Algorithmen und Marketingzyklen, bevor alles optimiert, gestrafft und formatiert werden musste. Diese Musiker spielten, als hätte ihnen jemand die Erlaubnis gegeben, eine Welt zu erschaffen – und kein Produkt. Und 50 Jahre später steht die Welt, die sie erschaffen haben, immer noch.

Man spürt es, sobald die Nadel auf die Platte trifft: diese Sanftheit, diese Weite, diese stille spirituelle Zuversicht, die nur von Musik ausgeht, die ohne Angst entstanden ist. Und sobald sich „The Message“ im Raum ausgebreitet hat, entfaltet sich der Rest des Albums wie ein Gespräch, an dem man gerade erst wieder erinnert wurde, dass man daran teilgenommen hat.

An einem Freitagabend, wenn die Woche ihre Spuren hinterlassen hat und die Welt ein bisschen zu laut erscheint, vollbringt Cymande etwas stilles Wunder – es stellt den Rhythmus wieder her. Es erinnert dich daran, dass Groove keine Lautstärke braucht, dass Soul kein Leid braucht, dass Funk keine Effekthascherei braucht. Alles, was es braucht, ist Absicht, Tradition und ein bisschen Luft.

Leg heute Abend „The Message“ auf, und du wirst verstehen, warum dieses Album Ozeane und Jahrzehnte überdauert hat, ohne auch nur einen Tag zu altern. Manche Musik verblasst. Manche Musik kämpft. Und manche, wie diese hier, fließt einfach – und reißt dich mit.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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