Davido – 5ive (2025)
Davidos „5ive“ (2025) verbindet globale Rhythmen mit stiller Besinnung – Afrobeats, die zu Wärme und Tiefe gereift sind. Rafi Mercer über den Glanz eines fünften Kapitels.
Von Rafi Mercer
Manche Alben fühlen sich an wie das Umblättern einer Seite – keine Neuerfindung, sondern eine Ankunft. Davidos 2025 erschienenes Album „5ive“ besitzt diese stille Tiefe. Es strahlt die Selbstsicherheit eines Menschen aus, der in einem Jahrzehnt mehrere Leben durchlebt hat und dennoch im Rhythmus einen Weg findet, sein Herz zu beruhigen. Es ist Afrobeats in seiner ganzen Bandbreite: sonnendurchflutet, global und doch zutiefst persönlich – die Art von Album, die sich in einer Hörbar ebenso wohlfühlt wie wenn sie irgendwo weit weg von Lagos aus einem Sommerfenster herausströmt.
Was einem als Erstes auffällt, ist die Wärme. Noch bevor sich der Beat einpendelt, strahlt die Produktion eine gewisse Wärme aus – ein Gefühl von Weite, von Atem. Davido eröffnet das Album mit einem gesprochenen Gedicht als Prolog, einer sanften Anrufung: „Fünf ist Freiheit.“ Es ist eine Zeile, die nachhallt. Dies ist ein fünftes Kapitel, geprägt von Verlust, Erneuerung und der stillen Arbeit der Rückkehr zu sich selbst. Die Musik überfrachtet diese Themen nicht; sie lässt sie in den Details lebendig werden – in der Phrasierung, im Tonfall, in der Geduld der Arrangements.

Auf einem guten Soundsystem entfaltet sich „5ive“ in mehreren Ebenen. Die Percussion ist subtil, aber körperlich spürbar – von der Art, die man erst fühlt, bevor man sie bewusst wahrnimmt. Amapiano-Log-Drums schwingen unter Highlife-Gitarren; Synth-Akkorde klingen an wie die Abenddämmerung auf warmem Beton. Davido singt mit einer beständigen, ungezwungenen Klarheit – er jagt nicht dem Refrain hinterher, sondern lässt ihn sich um seine Stimme herum entfalten. Es ist der Klang von jemandem, der nichts mehr zu beweisen hat und alles noch zu teilen.
„Awuke“, seine Zusammenarbeit mit YG Marley, ist einer der stillen Höhepunkte des Albums – ein Hauch karibischer Luft über Lagos-Rhythmen, die Basslinie rollt sanft wie die Flut. Laut gespielt kann man sich unmöglich nicht bewegen; leise gespielt wirkt der Song fast meditativ. „With You“, der abschließende Titel mit Omah Lay, bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung – nach innen, zart, ein spätabendliches Stück Intimität, das wie ein letzter Gedanke in der Luft hängt.
Selbst die extrovertierteren Songs bergen unter der Oberfläche etwas Nachdenkliches. Genau das macht „5ive“ zu einem Album, das man sich ganz bewusst anhören sollte: Es versucht nicht, den Hörer zu überwältigen. Stattdessen lädt es dazu ein, sich darauf einzulassen. Die Pausen zwischen den Beats, die Feinheiten des Hintergrundgesangs und die Art und Weise, wie der Bass ohne Aufdringlichkeit Wärme vermittelt, verleihen dem Ganzen Tiefe. Es ist globaler Afrobeats, der jedoch mit Zurückhaltung dargeboten wird – ein ausgereiftes Album, das eher von Erfahrung als von Dringlichkeit geprägt ist.
In einer Hörbar sorgt das Album mit überraschender Anmut für einen Stimmungswechsel. Der Bass breitet sich sanft im Raum aus; die Mitten vermitteln Wärme, ohne aufdringlich zu wirken; und Davidos Stimme – an den Rändern leicht rau – kommt mit emotionaler Klarheit zur Geltung. Es ist ein Album, das keine Menschenmenge verlangt, sondern Präsenz.
Denn „5ive“ ist vor allem ein Album über das Wiederfinden des Gleichgewichts. Das fünfte Kapitel. Der sichere Schritt nach turbulenten Zeiten. Der Verlust ist akzeptiert, die Freude wiedergewonnen, der Weg nach vorne wieder aufgenommen. Man hört das Leben, das dahintersteckt – die privaten Umbrüche, die öffentlichen Erwartungen, die stillen Momente dazwischen. Und doch wirkt das Ergebnis nicht schwer. Es ist leicht, so wie ein Sonnenaufgang leicht sein kann: sanft, ehrlich, behutsam entschlossen.
Manche Künstler erfinden sich neu, um relevant zu bleiben. Davido hingegen entwickelt sich einfach weiter. „5ive“ ist der Beweis dafür – ein Album, das nicht der Welt hinterherläuft, sondern ihr zuhört, sie in sich aufnimmt und sie mit Wärme zurückgibt.
Manche Alben glänzen. Dieses hier strahlt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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