DJ Krush – Strictly Turntablized (1994)

DJ Krush – Strictly Turntablized (1994)

Von Rafi Mercer

Tokio, 1994. In einer Szene, die von den Pionieren aus Bristol geprägt war, veröffentlichte DJ Krush „Strictly Turntablized“veröffentlicht – ein Album, das bewies, dass Trip-Hop nicht auf eine Stadt oder eine Kultur beschränkt war. Während Massive Attack und Tricky durch Soul-Samples und vielschichtige Beats eine düstere Atmosphäre schufen, tat Krush dies durch den Raum – einen weiten, hallenden, kargen Raum. Bei diesem Album geht es um Zurückhaltung, darum, was passiert, wenn man den Rhythmus bis auf das Wesentliche reduziert und den Rest der Atmosphäre überlässt.

Fast ausschließlich aus Turntables und minimalen Samples zusammengestellt, ist „Strictly Turntablized“ ist eine Meisterklasse in Sachen Negativraum. Die Beats kriechen eher, als dass sie vorantreiben, Klangfragmente schweben wie Rauch, Scratches werden zur Percussion. Es ist Hip-Hop, der auf ein Kriechen verlangsamt wurde, Dub, der sich in Nebel auflöst, Ambient-Musik, die an Rauheit gewinnt. Das Ergebnis ist unheimlich: zugleich hypnotisch und befremdlich, zugleich geerdet und körperlos.

Auf Vinyl wirkt das Album karg, aber mitreißend. Der Bass ist tief und anhaltend, nicht schwer, sondern eindringlich. Die hohen Frequenzen sind spröde und schneidend, wie Neonlicht in der Dunkelheit. Was es auf einer guten Anlage so außergewöhnlich macht, sind die Details: das mit eingespielte Knistern der Schallplatte, die Nachhallspuren, die mikroskopischen Klangmanipulationen, die sich fast greifbar anfühlen. In einer Hörbar, verwandelt „Strictly Turntablized“ den Raum in einen After-Hours-Traum. Es verlangsamt die Gespräche, schärft die Wahrnehmung und entführt die Zuhörer in eine kollektive Trance.

Stücke wie „Keeping the Motion“ und „Fucked-Up Pendulum“ sind keine Songs im herkömmlichen Sinne – sie sind Stimmungen. „A Whim“ schwebt dahin wie eine verlassene Gasse, „On the Dub-ble“ deutet eine Reggae-Struktur an, reduziert sie aber auf das Wesentliche. Das gesamte Album vermittelt das Gefühl, um 3 Uhr morgens durch Tokio zu spazieren: Die Stadt summt, ist aber leer, und jeder Klang wird durch die Einsamkeit verstärkt.

Was macht „Strictly Turntablized“ so unverzichtbar macht, ist die Klarheit seiner Vision. DJ Krush jagte keiner Szene hinterher; er schuf seine eigene. Deshalb findet die Platte in der Kultur der Hörbars so großen Anklang. Es ist nicht nur Musik, es ist eine Philosophie: minimalistisch, präzise, offen. Sobald die Nadel auflegt, verwandelt sich der Raum in eine nächtliche Architektur.

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