Gears – Jonny Hammond (1975)
Von Rafi Mercer
Der Motor des Grooves
Manche Alben bewegen nicht nur – sie gleiten geradezu dahin. „Gears“, das 1975 bei Milestone Records erschien, ist einer dieser seltenen Momente, in denen alles im Raum perfekt zusammenzupassen scheint: die Musiker, die Stimmung, der Mix, die Atmosphäre. Es ist der Klang von Soul-Jazz in seiner fließendsten Form – Rhythmus in Seide gehüllt, Groove als Architektur inszeniert.
Mitte der 70er Jahre war Jonny „Hammond“ Smith bereits ein Veteran. Als ehemaliger Hard-Bop-Organist, der mit allen von Gene Ammons bis Willis Jackson gespielt hatte, hatte er sich in verrauchten Clubs mit einer Hammond B-3 und einer Band, die wie ein gut geölter Motor schwang, einen Namen gemacht. Aber „Gears“ war anders. Das war nicht nur Jazz mit Funk-Einflüssen – es war die vollständige Aneignung des neuen Sounds, der aus Los Angeles und New York aufkam: Jazz-Funk als filmisches Konzept.
Ein wesentlicher Teil dieses Wandels ging auf das Konto zweier junger Produzenten – Larry Mizell und Fonce Mizell –, deren Handschrift eine ganze Ära prägte. Ihre Arbeit für Donald Byrd (Black Byrd, Street Lady, Places and Spaces) hatte die Identität von Blue Note bereits neu definiert. Bei Gears verliehen sie Hammonds erdigerem Klang denselben strahlenden Glanz. Das Ergebnis war etwas, das zugleich schwebte und feurig brannte.
Das Album beginnt mit „Tell Me What to Do“, und schon sofort taucht man in diese Mizell-Welt ein: Fender-Rhodes-Klänge, die wie Chrom schimmern, Synth-Streicher, die über eine straffe Rhythmusgruppe gleiten, und Hammonds Orgel, die unter all dem sanft schnurrt. Die Basslinie schreitet voran, die Percussion funkelt, die Bläser setzen ein wie Sonnenlicht, das durch Jalousien fällt. Es ist elegant, selbstbewusst, mühelos.
Dann folgt „Los Conquistadores Chocolates“ – sechs Minuten purer Schwung. Der Groove ist tief, aber niemals schwer, getragen von Harvey Masons Schlagzeug und Chuck Raineys Bass, während Jerry Peters’ Keyboard am Rande schimmert. Hammonds Orgel-Solo wirkt wie ein Gespräch – verspielt, präzise, geduldig. Man hört, wie sich der Wandel vollzieht: Der Jazz entwickelt sich von der Improvisation hin zur Atmosphäre.
Die Mizells hatten ein Gespür für diese Ausgewogenheit. Ihre Arrangements waren nie aufdringlich, sondern strahlten. Jede Ebene diente dem Groove. Die Bläser setzen Akzente, anstatt zu dominieren. Die Rhythmusgitarre – gespielt von David T. Walker – ist wie Samt. Und Hammond, befreit von den scharfen Kanten des Bop, spielt mit Wärme statt mit Effekthascherei.
„Shifting Gears“, der Titelsong des Albums, ist das Meisterwerk. Aufgebaut auf einer rollenden Basslinie und einer Rhythmusgitarre, die so klar ist, als wäre sie lackiert, ist es ein Stück, das zu schweben scheint. Die Orgel summt tief, das Fender Rhodes plätschert wie Wasser, und die Bläser blitzen gerade lange genug auf, um daran zu erinnern, dass dies eine Live-Band ist und keine Maschine. Es ist einer dieser Grooves, die zugleich komponiert und improvisiert klingen – wie Architektur mit Herzschlag.
Sein Einfluss lässt sich über Jahrzehnte hinweg nachverfolgen. In den 1990er Jahren wurde „Shifting Gears“ zu einer Art Geheimcode unter Produzenten und DJs – gesampelt von Künstlern wie Eric B. & Rakim, Erykah Badu und Jamiroquai, gespielt bei den Rare-Groove-Nächten in London und von Crate-Diggern von Detroit bis Tokio wiederentdeckt. Es ist einer dieser Tracks, die zeitlos wirken, weil sie auf Präzision und nicht auf Mode basieren.
Bemerkenswert ist, wie „Gears“ heute klingt. Fast fünfzig Jahre später wirkt es zeitlos – nicht im nostalgischen Sinne, sondern durch seine schiere Klarheit. Die Produktion ist makellos, aufgenommen vom großartigen Rudy Van Gelder in Englewood Cliffs, New Jersey – jener „Kathedrale des Klangs“, in der auch die Blue-Note-Klassiker entstanden sind. Doch während frühere Sessions die Energie des Raums einfingen, hat „Gears“ die Stimmung eingefangen. Der Mix ist warm, aber räumlich; man spürt die Luft zwischen den Instrumenten. Über eine High-End-Anlage wirkt der Bass dreidimensional, das Rhodes leuchtend, die Becken wie kleine Funken in der Höhe.
In einer Listening-Bar entfaltet diese Platte eine ganz besondere Wirkung. „Shifting Gears“ passt gut zum frühen Abend, wenn das erste Getränk auf den Tisch kommt und der Raum langsam in Licht getaucht wird. „Los Conquistadores Chocolates“ bringt Bewegung ins Spiel – Hüftschwünge, Lächeln, Gespräche. Dann lenken „Fantasy“ oder „Can’t We Smile?“ die Stimmung in Richtung Ruhe – nächtliche Gelassenheit mit jener harmonischen Wärme, die die Zeit scheinbar verlangsamt.
Das gesamte Album ist von einem Optimismus durchzogen, selbst in seiner Zurückhaltung. Es ist kein Optimismus der Maßlosigkeit, sondern der Zuversicht – Musiker, die ihre Instrumente voll und ganz beherrschen und mit Freude und Präzision spielen. Jeder Ton wirkt bewusst gesetzt. Nichts hält sich zu lange auf. Es ist diese seltene Balance zwischen Spielfreude und Disziplin, die den besten Jazz-Funk ausmacht.
Kulturell gesehen befindet sich „Gears“ an einer faszinierenden Schnittstelle. Es ist ein Verwandter von Donald Byrds „Places and Spaces“, ein Geschwisteralbum zu Bobbi Humphreys „Fancy Dancer“ und ein Vorläufer des Acid-Jazz-Revivals, das zwei Jahrzehnte später London erobern sollte. Doch im Gegensatz zu diesen Alben wurde „Gears“ nie zu einer Referenz im Mainstream. Es blieb eine Wahl für Kenner – ein Geheimnis, das unter DJs, Sammlern und allen geteilt wurde, die verstanden, dass Rhythmus sowohl intelligent als auch sinnlich sein kann.
Das Cover sagt schon alles: ein schlichtes, in Bronze gehaltenes Zahnrad – elegant und industriell zugleich. Das ist die Essenz des Albums – Bewegung, die ganz auf Genuss ausgelegt ist.
Wenn man sich das Album heute anhört, wird schnell klar, warum „Gears“ in der „Slow-Listening“-Kultur so großen Anklang findet. Es schlägt eine Brücke zwischen verschiedenen Epochen. Es vereint die Raffinesse moderner Produktion, die Seele einer Live-Performance und die Tiefe zeitlosen Designs. Es kommt der Perfektion des Jazz-Funk so nahe wie kaum ein anderes Album – ausgewogen, strahlend, lebendig.
Es gibt einen Moment in „Can’t We Smile?“, in dem Orgel und Gesang gemeinsam anschwellen – nur zwei Takte lang im Einklang – und der Raum scheint tief auszuatmen. Es ist ein winziges Detail, aber es fasst das gesamte Album zusammen: Handwerkskunst trifft auf Emotion, Groove trifft auf Anmut.
Deshalb gehört „Gears“ in die „Tracks & Tales“-Sammlung. Es ist Musik, die für Bewegung geschaffen, aber zum Zuhören konzipiert wurde – Groove als Architektur, Rhythmus als Licht.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.