Hank Mobley – A Caddy for Daddy (1965)
Hank Mobleys „A Caddy for Daddy“ (1965) fängt den modernen Mainstream-Jazz in seiner elegantesten Form ein – Wärme, Zurückhaltung und stille Meisterschaft.
Von Rafi Mercer
Hank Mobleys Musik hat etwas still Großartiges an sich. Sie drängt sich nie auf, sondern verdient sich die Aufmerksamkeit. Unter den großen Tenorsaxophonisten der goldenen Jahre von Blue Note war er der Gesprächspartner – nicht so explosiv wie Coltrane, nicht so kühl distanziert wie Stan Getz, sondern genau in der Mitte, wo Lyrik auf Swing trifft. „A Caddy for Daddy“ (aufgenommen 1965, veröffentlicht 1967) ist der Klang dieser Ausgewogenheit: moderner Mainstream-Jazz in seiner elegantesten Form.
Die Besetzung spricht Bände – Lee Morgan an der Trompete, Curtis Fuller an der Posaune, McCoy Tyner am Klavier, Bob Cranshaw am Bass, Billy Higgins am Schlagzeug. Es ist eine Brücke zwischen Miles Davis’ modalem Universum und dem Hard-Bop-Herzschlag von Blue Note. Die Chemie zwischen den Musikern ist so natürlich, dass man das Lächeln zwischen den Takes fast sehen kann.

Der Titelsong beginnt mit einem mitreißenden, schwungvollen Midtempo-Rhythmus – genau die Art von Stück, die eine Listening-Bar zum Leben erweckt, ohne dass jemand die Stimme erheben muss. Mobleys Ton ist golden und gesprächig; jede Phrase sitzt wie ein Satzzeichen, niemals überladen, immer melodisch. Higgins’ Ride-Becken klingt seidig, Tyner begleitet mit seiner unverkennbaren, weitläufigen Klangfarbe, und Morgans Solo gleitet mit all seiner typischen Bravour herein.
Über eine hochwertige Hi-Fi-Anlage entfaltet die Platte ihre ganze Pracht. Die Bläser sind wie ein Dialog links und rechts zu hören, Cranshaws Bass bildet den Mittelpunkt des Geschehens, und Tyners Klavierakkorde erklingen mit warmer Resonanz. Alles ist von Luft umgeben – Rudy Van Gelders Toningenieurskunst in ihrer zurückhaltendsten Form. Das ist Jazz, aufgenommen so, wie er gehört werden soll: menschlich, warm, ein wenig unvollkommen, lebendig.
„Soul Time“ und „The Morning After“ sind Paradebeispiele für Mobleys Kompositionskunst – Stücke, die schon beim ersten Hören vertraut wirken. Er komponierte Melodien so, wie gute Architekten Räume gestalten: klare Linien, großzügige Räume, Proportionen, die sich einfach richtig anfühlen. Selbst bei zügigen Tempi lässt er dem Zuhörer Raum zum Atmen.
Als Miles Davis Mobley 1961 engagierte (für die Aufnahmen zu „Someday My Prince Will Come“ und die Tourneen Anfang der 60er Jahre), suchte er genau diese Eigenschaft – einen Musiker, der sich in die Musik einfügen konnte, anstatt sie zu übertönen. Auf „A Caddy for Daddy“ hört man die Reife, die diese Zusammenarbeit gefördert hat: ein klarer Ton, bedächtige Phrasierung, lyrische Fantasie. In der Zurückhaltung ist Miles’ Einfluss zu erkennen, doch Mobley klingt immer wie er selbst.
„Venus Di Milo“, die abschließende Ballade, ist purer Samt. Die Bläserharmonien sind herbstlich, Tyners Klavierspiel fast andächtig, und Mobleys Tenorsaxophon schwebt wie Kerzenlicht knapp über der Rhythmusgruppe. Es ist eines jener Stücke, die in einem Raum spät in der Nacht eine nachdenkliche Stimmung hervorrufen; Gespräche verstummen, Gläser klirren, die Zeit verlangsamt sich.
Das Schöne an Mobleys modernem Mainstream-Sound ist seine Ausgewogenheit. Er hat die goldene Mitte sowohl seines Instruments als auch des Genres gefunden – einen Ort, an dem Swing auf Raffinesse trifft und die Melodie niemals in der Abstraktion untergeht. Mit heutigen Worten ausgedrückt: So klingt „Slow Listening“ in der Form des Jazz – mit viel Aufmerksamkeit für Anschlag, Klang und Geduld.
Manche Spieler begeistern. Mobley überzeugt.
Legen Sie „A Caddy for Daddy“ in einer guten Hörumgebung auf, lassen Sie die Bläser zur Geltung kommen, und Sie werden hören, worum es bei der Modernität von Blue Note Mitte der 60er Jahre wirklich ging – Selbstbewusstsein ohne Lärm, Eleganz ohne Ego.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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