Hymne an den unsterblichen Wind — MONO (2009)
Von Rafi Mercer
Manche Alben verkünden sich lautstark. Andere entfalten sich nach und nach. „Hymn to the Immortal Wind“ gehört eindeutig zu Letzteren – ein langsames, geduldiges Werk, das nicht um deine Aufmerksamkeit buhlt, sondern sie still und leise neu formt. Es verlangt Zeit – und zeigt dir dann, warum Zeit wichtig ist.
MONO treten hier mit großer Selbstsicherheit auf. Dies ist keine Band, die nach Größe oder emotionaler Wirkung strebt; es ist eine Band, die Zurückhaltung verfeinert. Die ersten Momente wirken fast schwerelos, als würde die Musik eher in der Luft zusammengesetzt als gespielt. Die Gitarren beeilen sich nicht, den Raum zu füllen. Die Streicher beeilen sich nicht, anzuschwellen. Alles ist bedächtig, wohlüberlegt und – was entscheidend ist – von Vertrauen geprägt. Vertrauen ist die Währung dieses Albums: Vertrauen in die Stille, in die Distanz, in die Bereitschaft des Zuhörers, zu bleiben.

Was „Hymn to the Immortal Wind“ von einem Großteil des Post-Rock seiner Zeit unterscheidet, ist die Weigerung, Lautstärke mit Bedeutung zu verwechseln. Die Crescendos sind kein Feuerwerk, sondern Höhepunkte. Wenn die Verzerrung schließlich zum Tragen kommt, fühlt es sich weniger wie ein Aufprall an, sondern eher wie eine Unausweichlichkeit – etwas, das langsam an Kraft gewonnen hat und nicht länger aufgehalten werden kann. In dieser Entscheidung liegt Disziplin und Reife. Man hört eine Band, die versteht, dass Emotionen an Tiefe gewinnen, wenn sie auf sich warten lassen.
Die Streicher spielen eine zentrale Rolle, sind jedoch niemals bloßer Schmuck. Sie wirken wie Wettersysteme, die durch die Gitarren ziehen und deren Konturen neu formen. Mal übernehmen sie die Führung, mal schweben sie einfach nur da und verleihen dem Ganzen eher Druck und Tiefe als Melodie. Das verleiht dem Album eine filmische Qualität, ohne es zu einer reinen Soundtrack-Musik zu machen. Es schreibt einem nicht vor, was man fühlen soll. Es schafft vielmehr die Voraussetzungen, unter denen das Fühlen unvermeidlich wird.
Überall ist Bewegung zu spüren – kein Rhythmus im herkömmlichen Sinne, sondern Bewegung. Die Stücke vermitteln das Gefühl des Gehens, des Reisens, des Überschreitens von Schwellen. Selbst in den ruhigeren Passagen steht das Album nie still. Diese Musik ist eher auf Fortbewegung als auf Pause ausgelegt, eher darauf, nacheinander gehört zu werden als in Fragmenten. Wenn man sie von Anfang bis Ende anhört, entführt sie einen an einen anderen Ort. Springt man hingegen hin und her, verliert sie einen Teil ihrer Logik.
Emotional gesehen ist „Hymn to the Immortal Wind“ eher entschlossen als dramatisch. Es gibt hier zwar Traurigkeit, aber sie ist nicht zur Schau gestellt. Freude kommt zum Vorschein, aber nicht triumphierend. Was man stattdessen spürt, ist Akzeptanz – jene Art von Akzeptanz, die erst nach dem Kampf entsteht, nicht davor. MONO versuchen nicht, diese Spannung aufzulösen; sie lassen sie einfach bestehen. Auf diese Weise schaffen sie etwas still Menschliches und zutiefst Tröstliches.
Dies ist ein Album für die frühen Morgenstunden, bevor die Stadt erwacht, oder für späte Nächte, wenn der Tag zu ereignisreich war. Es kommt am besten zur Geltung mit guten Lautsprechern, in offenen Räumen und wenn man sich bewusst dafür entscheidet, ohne Ablenkung zuzuhören. Es konkurriert nicht mit deinen Gedanken, sondern begleitet sie, bis sie zur Ruhe kommen.
Im langen Bogen des MONO-Katalogs stellt „Hymn to the Immortal Wind“ einen Moment des Gleichgewichts dar – zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft, zwischen Intimität und Größe. Es ist ein Album, das versteht, dass Kraft nicht laut sein muss und dass Zuhören, wenn man es richtig macht, sich immer noch wie eine Form der Gnade anfühlen kann.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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