In Colour – Jamie xx (2015)

In Colour – Jamie xx (2015)

Ein Album, das für Räume geschaffen wurde, die es noch gar nicht gibt.

Von Rafi Mercer

Es gibt Alben, die für die Tanzfläche gemacht sind, und Alben, die für das Ohr gemacht sind – und ganz selten eines, das beides schafft, ohne dabei Abstriche zu machen.„In Colour“, das im Juni 2015 erschien, ist eines davon. Jamie xx hat es über Jahre hinweg still und leise neben seiner Arbeit mit The xx entwickelt – und als es erschien, klang es wie nichts anderes in jenem Sommer.

Es war eine seltsame Zeit für die elektronische Musik. Die Festivals waren riesig geworden. Die DJs waren zu Marken geworden. Alles wurde immer lauter. Und dann tauchte Jamie auf und tat genau das Gegenteil: Er zog sich zurück, wandte sich nach innen und schuf etwas, das so wirkte, als sei es für einen einzigen Raum mit guten Lautsprechern und genau der richtigen Lautstärke konzipiert.

Das Album beginnt mit „Gosh“ – einem Klavier-Loop, dem Gemurmel einer Menschenmenge, dem Gefühl, dass sich irgendwo etwas zusammenbraut. Es kündigt sich nicht an. Es beginnt einfach, so wie ein schöner Abend beginnt – mit dem Gefühl, dass gleich etwas passieren wird, ohne dass man genau weiß, was. Spätestens wenn der Bass einsetzt, ist man bereits an einen anderen Ort entführt worden.

„In Colour“ ist vor allem ein Album über das Erlebnis, in der Öffentlichkeit Musik zu hören. „Loud Places“ mit Romy ist der ehrlichste Song, der je über einen Club geschrieben wurde – nicht über die Euphorie, sondern über die Sehnsucht, die dahinter steckt. Ich gehe an laute Orte, um dich zu finden. Diese Zeile wirkt jedes Mal anders. Es ist kein Party-Album. Es ist ein Album darüber, wonach wir wirklich suchen, wenn wir auf Partys gehen.

Jamies Produktion ist hier so präzise, wie es nur bei sehr wenigen elektronischen Alben der Fall ist. Er lässt den Klängen Raum. Ein Steel-Drum-Sample in „Obvs“ wirkt wie Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt. Ein Gesangsausschnitt aus einer alten Gospel-Platte in „I Know There’s Gonna Be Good Times“ wird mit derselben Sorgfalt behandelt wie ein Fundstück in einem Regal – platziert, nicht abgespielt. Jedes Element hat Gewicht.

Über gute Lautsprecher entfaltet sich das Album nach und nach. Die tiefen Töne in „Stranger in a Room“ schwingen unter den Füßen. Die Hi-Hats in „Sleep Sound“ fangen die Luft ein. Diese Musik ist nicht dafür gedacht, auf dem Weg zur Arbeit über Kopfhörer gehört zu werden. Sie wurde für eine Art des Zuhörens geschaffen, bei der man innehalten, sich hinsetzen und ganz aufmerksam sein muss.

Genau das macht es zu einer T&T-Platte. Nicht, weil sie speziell in eine Hörbar gehört, sondern weil sie das verlangt, was Hörbars verlangen: deine Anwesenheit. Sie belohnt keine Ablenkung. Sie belohnt Stille.

„In Colour“ hielt sich nicht strikt an ein bestimmtes Genre. Es bediente sich Elementen aus UK Garage, Grime, House, Pop und Ambient – und schuf etwas, das nach all dem und doch nach nichts davon klang. Ein Album, das aus Farben aufgebaut ist, genau wie der Titel schon andeutet.

Auch zehn Jahre später klingt es immer noch so, als wäre es seiner Zeit voraus.


Häufig gestellte Fragen

Was für ein Album ist „In Colour“ von Jamie xx? „In Colour“ ist ein 2015 erschienenes Solo-Elektro-Album. Es schöpft aus den Stilrichtungen UK Garage, House, Ambient und Pop und basiert auf gefundenen Samples sowie Gastgesang von Romy und Oliver Sim von der Band The xx. Es ist ebenso sehr ein Album zum Zuhören wie zum Tanzen – präzise, weitläufig und am besten laut in einem ruhigen Raum zu hören.

Warum gilt „In Colour“ als ein Album, das man sich ganz bewusst anhören sollte? Weil es die Aufmerksamkeit belohnt. Die Produktion basiert auf Raum – die Klänge werden platziert, nicht übereinandergeschichtet. Auf einer guten Anlage offenbart die Platte Details, die beim beiläufigen Hören verloren gehen. „Loud Places“, „Gosh“ und „Stranger in a Room“ sind allesamt Titel, die sich völlig anders anhören, wenn man sich wirklich Zeit nimmt, sie auf sich wirken zu lassen.

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