Kool & The Gang – Light of Worlds (1974)
Vor den Feierlichkeiten herrschte große Hitze
Von Rafi Mercer
Es gibt bestimmte Alben, die sich weniger wie Alben anfühlen, sondern eher wie Stimmungen.
Ich war gerade dabei, die nächste Sitzung des „Tracks & Tales Listening Club“ vorzubereiten, als mich „Summer Madness“ in meinen Gedanken innehalten ließ. Und das nicht nur beiläufig. Selbst digital, selbst wenn ich nur halb bei der Sache war, während ich arbeitete, ließ es mein Nervensystem zur Ruhe kommen. Die Synthesizer schwebten im Raum. Der Bass schwebte eher unter allem her, anstatt das Ganze anzutreiben. Nichts war gehetzt.

Die meisten Menschen kennen Kool & The Gang eher wegen des Gegenteils.
Sie erinnern sich an die Feierlichkeiten. Mitreißende Refrains. Für das Radio aufpolierter, globaler Crossover-Funk. Doch „Light of Worlds“, das 1974 erschien, gehört zu einer ganz anderen Band – zu der experimentierfreudigen Version, die noch auf der Suche war, lange bevor der weltweite Erfolg ihre Identität neu prägte.
Es war genau die Zeit, in der Donald Byrd sich in Richtung Jazz-Fusion und Soul bewegte, Roy Ayers dem Rhythmus eine besondere Wärme verlieh und Herbie Hancock Türen öffnete, die der Hard Bop verschlossen gehalten hatte. Wohin man auch blickte, versuchten Musiker, den Groove zu etwas zu erweitern, das über reine Unterhaltung hinausging. „Light of Worlds“ reiht sich nahtlos in diese Tradition ein – und was es so zeitlos macht, ist seine Zurückhaltung.
Die Stücke atmen. Die Percussion findet ihren Platz, ohne aufdringlich zu wirken. Die Fender-Rhodes-Akkorde schweben wie Hitze über dem Asphalt. Selbst die Arrangements wirken geduldig.
Und dann gibt es noch „Summer Madness“.
Die Band hatte kurz zuvor begonnen, mit dem ARP-Synthesizer zu experimentieren, der 1974 noch ein relativ neues Instrument war. Anstatt ihn aggressiv einzusetzen, nutzten sie ihn atmosphärisch. Die Synthesizer-Linien schimmern eher, als dass sie dominieren. In Kombination mit dem E-Piano und diesem unglaublich entspannten Groove wirkt das Ergebnis fast schon wie Ambient – Jahrzehnte bevor Ambient-Musik richtig in die Mainstream-Hörkultur Einzug hielt.
Hip-Hop-Produzenten haben das instinktiv verstanden. Der Song wurde 145 Mal gesampelt, weil er in sich selbst Raum lässt. Raum für Erinnerungen. Raum zum Nachdenken. Er wirkt eher wie ein Gefühl als wie eine Komposition. DJ Jazzy Jeff und The Fresh Prince haben „Summertime“ auf dieser Grundlage aufgebaut. Ronald Bells Flötensolo zieht sich durch den gesamten Track wie Rauch durch einen Raum, in dem es bereits warm ist.
Was mir heute am meisten auffällt, ist, wie viel von der Zukunft still und leise in diesen Rillen verborgen war. Die DNA der Chillout-Musik, des Neo-Soul, der Lo-Fi-Beat-Kultur, der modernen Atmosphäre in Hörbars – all das gab es hier schon, bevor diese Szenen überhaupt Namen hatten.
Doch die tiefere Schönheit von „Light of Worlds“ liegt darin, dass Kool & The Gang zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz zu Kool & The Gang geworden waren. Die gewaltigen Refrains lagen noch irgendwo in der Ferne. Der Erfolg hatte die Unsicherheit und den Experimentierfreudigkeit, die in der Musik steckten, noch nicht vollständig wegpoliert.
Aus diesem Grund wirkt das Album immer noch wie ein lebendiges Werk.
Nicht perfekt. Nicht optimiert. Ohne sich zu sehr anzustrengen.
Einfach Wärme, richtig dosiert.
Warum ist „Light of Worlds“ wichtig?
Es zeigt Kool & The Gang vor ihrer kommerziellen Durchbruchphase, als sie noch tief in den Experimenten mit Jazz-Funk und dem Aufbau atmosphärischer Grooves verwurzelt waren.
Warum klingt „Summer Madness“ immer noch modern?
Seine ARP-Synthesizer-Klänge, das weitläufige Arrangement und die emotional offene Struktur sind eher dem Ambient und der Hörkultur zuzuordnen als dem traditionellen Funk der 1970er Jahre.
Was macht dieses Album besonders geeignet für eine Hörrunde?
Stimmung, Tempo und emotionaler Freiraum haben Vorrang vor aufmerksamkeitsstarken Hooks. Es vertraut darauf, dass der Zuhörer dranbleibt. Die meisten Musikstücke tun das nicht.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.
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