Lee Morgan – The Sidewinder (1964)

Lee Morgan – The Sidewinder (1964)

Von Rafi Mercer

Lee Morgans „The Sidewinder“, erschienen 1964, ist eine jener seltenen Platten, die sowohl bei Kritikern als auch kommerziell erfolgreich waren und eine Brücke zwischen der Jazzwelt und einem breiteren Publikum schlugen. Der Titelsong mit seinem Boogaloo-Groove wurde zu einem festen Bestandteil der Jukeboxen und wurde weit über die Jazzclubs hinaus im Radio gespielt. Für Blue Note war es ein kommerzieller Durchbruch, aber musikalisch war es ebenso wichtig: ein Beweis dafür, dass Jazz mit den Besten des R&B mithalten konnte, ohne dabei seine Komplexität zu verlieren.

Morgans Trompete ist umwerfend, klar und lyrisch. Joe Hendersons Tenorsaxophon ist geschmeidig, einfallsreich und spielt Melodielinien, die sich zugleich spontan und unvermeidlich anhören. Barry Harris’ Klavierspiel ist prägnant, zurückhaltend und im Blues verwurzelt. Bob Cranshaws Bass spielt mit großer Klarheit, und Billy Higgins’ Schlagzeug ist treibend, leichtfüßig und schwingt unaufhörlich. Zusammen schaffen sie einen Klang, der dicht, fröhlich und unwiderstehlich ist.

Das Album ruht sich nicht auf seinem Hit aus. Titel wie „Totem Pole“ und „Gary’s Notebook“ zeigen die Bandbreite der Band, während „Boy, What a Night“ in experimentelle Gefilde vordringt. Durchweg bildet Morgans Trompete den Anker: feurig, wenn es nötig ist, zart, wenn sich die Stimmung ändert, und stets melodisch.

Auf Vinyl ist der Groove überwältigend. Higgins’ Snare knallt kraftvoll, der Bass klingt holzig und präsent, die Bläser strahlen mit Van Gelders charakteristischer Wärme. Die Stereobreite gibt jedem Instrument Raum, doch der Groove hält sie alle zusammen. Gespielt in einer Hörbar, „The Sidewinder“ gemeinsame Energie. Köpfe nicken, Füße wippen, Gespräche verschmelzen mit dem Rhythmus. Es ist die perfekte Platte, um einem ganzen Raum in Erinnerung zu rufen, dass Jazz Tanz, Freude und soziale Verbundenheit ist.

Das Vermächtnis von „The Sidewinder“ ist mehr als nur sein kommerzieller Erfolg. Es schuf ein Vorbild für Blue Note und führte zu einer Reihe von Alben, die Hard Bop mit Boogaloo-Grooves verbanden. Aber es ist auch für sich genommen ein brillantes, fröhliches Dokument des Jazz in seiner mitreißendsten Form. Sobald die Nadel auflegt, hebt sich die Stimmung im Raum.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ abonnieren Sie hier, oder hier klicken, um mehr zu lesen.

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