London Conversation – John Martyn (1967)

London Conversation – John Martyn (1967)

Ein leise geflüstertes Debüt in einer Stadt, die gerade lernt, zuzuhören.

Von Rafi Mercer

Manche Alben prägen eine ganze Generation. Andere nehmen einfach in der Ecke Platz und warten ab. „London Conversation“ gehört zu Letzteren. Das 1967 erschienene Debütalbum von John Martyn, das zu einer Zeit herauskam, als Großbritannien von Farben, Lautstärke und Revolution berauscht war, schlug einen völlig anderen Ton an. Es trat nicht selbstbewusst auf, sondern mit Neugier.

Martyn war gerade einmal zwanzig Jahre alt, erst aus Schottland nach London gekommen und tauchte in die Folk-Club-Szene ein, die über den Pubs und hinter unauffälligen Türen florierte. Es waren Räume, die auf Aufmerksamkeit ausgelegt waren, nicht auf Spektakel – Orte, an denen Lieder von Hand zu Hand weitergereicht wurden, statt über eine Menschenmenge hinweggeschleudert zu werden. Diese Atmosphäre ist in die Rillen dieser Platte eingeprägt. Man hört die Enge des Raums, die Nähe des Mikrofons, die Art und Weise, wie Stille genauso wichtig ist wie Klang.

Der Titelsong „London Conversation“ ist die stille These des Albums. Hier geht es nicht um London als Ort der Verheißung oder des Überflusses, sondern um London als Ort der Distanz – einen Ort, an dem sich Stimmen überschneiden, Verbindungen ins Stocken geraten und Identität sich provisorisch anfühlt. Martyn singt ohne Schnörkel und ohne theatralische Effekthascherei. Seine Stimme ist leicht, manchmal fast zögerlich, als würde er den Song gleichzeitig mit dem Zuhörer entdecken. Es fühlt sich weniger wie Geschichtenerzählen an, sondern eher wie Beobachtung.

Auf dem gesamten Album knüpfen die Songs an die Folk-Tradition an, ohne sich darauf zu stützen. „Back to Stay“ und „Fairy Tale Lullaby“ lassen ländliche Anklänge erkennen, vermeiden jedoch Nostalgie. Martyns Gitarrenspiel ist bereits auf subtile Weise eigenwillig – eher fließend als streng, rhythmisch verspielt und nicht bereit, sich nahtlos in erwartete Muster einzufügen. Selbst hier, ganz am Anfang, spürt man eine unter Kontrolle gehaltene Dynamik.

Was beim heutigen Anhören auffällt, ist, wie sehr dieses Album damals aus dem Rahmen gefallen sein muss. 1967 war das Jahr der überhöhten Ideen und kulturellen Manifestationen. „London Conversation“ setzt auf Grautöne statt auf Psychedelia, auf Reflexion statt auf Proklamation. Island Records, das nach wie vor nach dem Grundsatz „Der Künstler steht an erster Stelle“ arbeitete, gewährte Martyn diese Zurückhaltung. Es wurde nicht auf Singles gesetzt. Es wurde kein Image aufgezwungen. Das Album ist ein erstes Dokument, kein Manifest.

Das hat Martyn nicht berühmt gemacht. Es hat ihn interessant gemacht. Und dieser Unterschied ist entscheidend. Im Nachhinein wirkt diese Platte wie ein Grundstein – der Ort, an dem Martyn gelernt hat, auf Raum, Klang und Atmosphäre zu vertrauen. Die späteren Innovationen – Jazz-Phrasierung, elektronische Klangtexturen, echoreiche Klangwelten – entspringen alle diesem frühen Bekenntnis zum aufmerksamen Zuhören.

Fast sechzig Jahre später wirkt „London Conversation“ wieder auf eine stille Art radikal. In einer Kultur, die auf Schnelligkeit und Gewissheit ausgerichtet ist, erinnert es uns daran, dass Anfänge zaghaft sein können, dass Bedeutung nicht unbedingt verkündet werden muss und dass manchmal die nachhaltigsten Werke mit einer Stimme beginnen, die gerade so leise ist, dass sie einen dazu einlädt, näher zu kommen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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