Masabumi Kikuchi – Poo-Sun (1970)

Masabumi Kikuchi – Poo-Sun (1970)

Von Rafi Mercer

Es gibt Alben, die am Rande der Bekanntheit existieren – jene, über die Sammler flüstern und die wie Talismane unter denen weitergegeben werden, die verstehen, dass Jazz nicht nur eine amerikanische Erfindung war, sondern ein internationaler Dialog. Masabumi Kikuchis „Poo-Sun“, aufgenommen im Jahr 1970, ist eine dieser Platten. Als japanischer Pianist, der später mit Gil Evans, Terumasa Hino und Elvin Jones zusammenarbeiten sollte, war Kikuchi bereits unruhig, als er Poo-Sunaufnahm, bereits unruhig. Dies war kein Anfängerwerk. Es war ein Statement, dass der japanische Jazz eine Stimme gefunden hatte, die sowohl in den modalen Experimenten der 1960er Jahre verwurzelt als auch ganz und gar eigenständig war.

Das Album beginnt im modalen Bereich und ist eindeutig dem Erbe von Coltrane und Tyner verpflichtet, doch was sich daraus entfaltet, ist keine bloße Nachahmung. Kikuchis Anschlag ist unverwechselbar: leicht, aber prägnant, wobei sich die Harmonien wie Wolken an einem schwülen Nachmittag in Tokio verziehen. Terumasa Hinos Trompete glüht und sehnt sich, durchdringt das Ensemble mit glühender Lyrik, während die Rhythmusgruppe sowohl elastisch als auch kraftvoll swingt. Hier herrscht eine gewisse Dringlichkeit, aber auch Geduld – Kikuchi wusste, wann er der Luft das Wort lassen musste.

Das Hören auf Vinyl ist ein einschneidendes Erlebnis. Das Klavier wird mit all seiner Textur eingefangen, mit jener analogen Wärme, die jeden Akkord im Raum statt nur auf der Platte zum Schwingen bringt. Der Bass dröhnt, das Schlagzeug knallt, und die Trompetenlinien durchschneiden die Luft mit Überzeugung. Auf einer guten Anlage, ist „Poo-Sun“ weniger ein Album als vielmehr eine Energiequelle, ein Dialog, der sich auf menschlicher Ebene entfaltet. In einer Hörbar gespielt, ist es genau die Art von Musik, die das Geschwätz zum Verstummen bringt, ohne es zu verlangen – die Art von Musik, die die Körperhaltung und die Atmung verändert.

Was dieses Album so bemerkenswert macht, ist seine Ausgewogenheit zwischen Tradition und Experiment. Es würdigt den modalen Jazz, treibt ihn jedoch in Richtung Abstraktion. Es verkörpert japanische Melodik, ohne diese auf Klischees zu reduzieren. Es ist weltoffen, verwurzelt und suchend. In Kikuchis Spiel hört man nicht nur Hommage, sondern auch Streben – das Gefühl eines Musikers, der das Zentrum kennt, sich aber der Erforschung der Randbereiche verschrieben hat.

Über fünfzig Jahre später, ist „Poo-Sun“ auf dem Sammlermarkt nach wie vor schwer zu finden, klanglich jedoch zeitlos. Legt man die Nadel auf, hört man nicht nur eine seltene Schallplatte, sondern eine klare Aussage: Japanischer Jazz ist keine Kopie. Er ist etwas Eigenständiges.

Jeden Monat trifft sich der „Listening Club“, um gemeinsam ein Album wie dieses zu hören. Hier mitmachen.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ abonnieren, oder hier klicken, um mehr zu lesen.

Zurück zu den Geschichten

Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

JETZT MITMACHEN