Massive Attack – Mezzanine (1998)

Massive Attack – Mezzanine (1998)

Von Rafi Mercer

Die Basslinie von „Angel“ setzt fast unmerklich ein, ein tiefes Knurren, das über den Boden kriecht. Dann knallen die Drums, die Gitarren setzen ein, und die Welt von „Mezzanine“ entfaltet sich – schattenhaft, filmisch, berauschend. Das 1998 erschienene dritte Album von Massive Attack ist ein Meilenstein des Trip-Hop, eine Platte, die die Schwere des Dub, die Bedrohlichkeit des Rock, elektronische Texturen und die Zerbrechlichkeit des Soul zu etwas verschmolz, das zugleich verführerisch und bedrohlich ist. Es ist ein Album, das danach verlangt, auf einer Anlage gehört zu werden, die seine höhlenartige Tiefe wiedergeben kann.

Im Mittelpunkt steht die Atmosphäre: Basslinien, dicht wie Nebel, Beats, die mit Dub-Präzision geformt wurden, Gitarren, die kantig und doch zurückhaltend klingen, Gesang, der zwischen Intimität und Distanz schwankt. Horace Andys Falsett durchzieht Titel wie „Angel“ und „Man Next Door“, während Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins in „Teardrop“ eine unvergessliche Darbietung liefert – ihre Stimme leuchtet hell aus der Dunkelheit hervor. Songs wie „Inertia Creeps“ und „Group Four“ entfalten sich mit einer langsam schwelenden Bedrohlichkeit und schaffen ein Gleichgewicht zwischen Groove und Angst. Die Produktion ist akribisch, jedes Element wurde bewusst platziert, doch der Gesamteindruck ist organisch, mitreißend und lebendig.

Auf Vinyl entfaltet das Album seine ganze Weite. Die tiefen Töne sind körperlich spürbar, sie drücken sich gegen den Körper, während die hohen Frequenzen klar und schimmernd klingen. In einer Hörbar gespielt, füllt „Mezzanine“ den Raum wie ein Film, der in Klang projiziert wird. Die Atmosphäre, die dabei entsteht, ist schwer, nächtlich, gemeinschaftlich. Es ist nicht einfach nur ein Album; es ist eine Umgebung, die den Raum in einen Ort der Konzentration und des Abschweifens verwandelt.

Mezzanine ist mehr als nur Trip-Hop. Es ist ein Statement darüber, wie Musik filmisch wirken kann, ohne ein Soundtrack zu sein, wie elektronische Musikproduktion emotionale Tiefe vermitteln kann und wie Atmosphäre selbst zu Architektur werden kann. Sein Einfluss war immens und reichte gleichermaßen in die Rock-, Elektronik- und experimentelle Musik hinein.

Wenn man die Nadel auf „Mezzanine“ auflegt, taucht man in die Dunkelheit ein und entdeckt, dass diese Dunkelheit Struktur, Wärme und sogar Schönheit besitzt. Es ist nach wie vor eines der makellosesten Alben seiner Zeit und eines der zeitlosesten Werke der Hörkultur.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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