Orchestra Baobab – Spezialist für alle Stilrichtungen (2002)
Als Dakars großes Orchester in die Nacht zurückkehrte
Von Rafi Mercer
Manche Bands verschwinden einfach nicht.
Sie halten einfach inne.
Die Jahre vergehen. Städte verändern sich. Neue Rhythmen erobern die Tanzflächen. Doch irgendwo im Hintergrund bleibt die Erinnerung an einen ganz bestimmten Klang bestehen – Gitarren, die sich langsam durch warme Percussion-Klänge bewegen, Bläser, die wie eine Brise, die durch ein offenes Fenster weht, über dem Groove schweben.
Dann kehrt die Band eines Tages zurück, und ihr Sound klingt so, als wäre er nie wirklich weg gewesen.
„Specialist in All Styles “ fängt genau diesen Moment ein.

Als Orchestra Baobab das Album im Jahr 2002 veröffentlichte, markierte dies ein außergewöhnliches Comeback für eine Gruppe, die bereits zwei Jahrzehnte zuvor die Musikszene von Dakar geprägt hatte. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren war die Band ein zentraler Bestandteil des Nachtlebens der Stadt gewesen und hatte in den Clubs entlang der Küste der senegalesischen Hauptstadt elegante, afro-kubanisch inspirierte Musik gespielt.
Schon damals war ihr Sound unverwechselbar.
Während viele afrikanische Bands jener Zeit eher auf energiegeladene Tanzarrangements setzten, entwickelte das Orchestra Baobab einen langsameren und weitläufigen Stil. Ihre Musik verband senegalesische Rhythmen mit kubanischem Son, Jazz-Phrasierungen und sanften Gitarrenmelodien, die sich mit bemerkenswerter Geduld entfalteten.
Es war Musik, die eher für Abende als für Explosionen gedacht war.
Ende der 1980er Jahre jedoch veränderten der Aufstieg des Mbalax und die explosive Energie von Künstlern wie Youssou N’Dour die Richtung der senegalesischen Popmusik. Das Orchestra Baobab geriet nach und nach aus dem Rampenlicht, und sein ruhigerer Stil wurde vorübergehend von den schnelleren Rhythmen überschattet, die die Tanzflächen beherrschten.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende.
In ganz Europa und weltweit entdeckten Sammler und DJs weiterhin die früheren Aufnahmen der Band. Alben wie „Pirate’s Choice“ erlangten still und leise Kultstatus unter Hörern, die sich von der hypnotischen Mischung aus lateinamerikanischer Eleganz und westafrikanischem Groove der Gruppe angezogen fühlten.
Schließlich spürten auch die Musiker selbst, wie diese erneute Aufmerksamkeit auf sie überging.
Mit der Unterstützung von Produzenten und langjährigen Fans kam die Band wieder zusammen, um neues Material aufzunehmen – Musik, die ihrem früheren Sound treu blieb und ihn gleichzeitig im Laufe der Zeit auf natürliche Weise weiterentwickelte.
Das Ergebnis lautet: „Spezialist für alle Stilrichtungen“.
Schon von den ersten Takten an ist unverkennbar zu erkennen, dass es sich um ein Album von Orchestra Baobab handelt. Die Gitarren gleiten sanft über Percussion-Muster, die sich scheinbar ohne Eile bewegen. Die Bläser setzen sanfte Farbtupfer. Die Rhythmusgruppe schreitet mit entspannter Selbstsicherheit voran, ohne den Groove jemals zu überstürzen.
Dennoch strahlen die Darbietungen auch eine gewisse Reife aus.
Die Musiker spielen mit der Leichtigkeit von Künstlern, die ihre eigene musikalische Sprache vollkommen beherrschen. Jede Phrase setzt genau dort ein, wo sie hingehört, und lässt dabei großzügig Raum um die Noten herum, sodass sich die Arrangements offen und luftig anhören.
Dieses Gefühl von Weite ist eine der größten Stärken des Albums.
Während moderne Aufnahmen die Klanglandschaft oft mit zahlreichen Produktionsebenen überladen, lässt „Specialist in All Styles“ jedes Instrument im Mix klar zur Geltung kommen. Die Gitarren schimmern sanft über das Stereofeld. Der Bass bewegt sich mit einem warmen, gleichmäßigen Puls. Die Bläser steigen und fallen mit zurückhaltender Eleganz.
Hört man genau hin, offenbart das Album einen bemerkenswerten musikalischen Dialog zwischen den Kontinenten.
Die kubanischen Einflüsse, die das frühe Schaffen der Band geprägt haben, sind nach wie vor präsent – insbesondere in der Gitarrenphrasierung und den rhythmischen Strukturen –, verschmelzen jedoch nahtlos mit der senegalesischen Melodik, die das Herzstück der Identität der Gruppe bildet.
Es ist Musik, die sich zugleich international und zutiefst lokal anfühlt.
Vielleicht strahlt das Album gerade deshalb eine so stille emotionale Kraft aus.
Anstatt modernen Trends hinterherzulaufen, kehrte Orchestra Baobab einfach zu dem Klang zurück, der sie schon immer geprägt hatte: geduldig, großzügig und verwurzelt in der Freude am gemeinsamen Musizieren.
Damit haben sie etwas Zeitloses geschaffen.
Die Grooves entfalten sich mit der ruhigen Selbstsicherheit einer Band, die den Wert der Zurückhaltung zu schätzen weiß. Die Melodien entfalten sich wie Gespräche zwischen alten Freunden. Und die Atmosphäre, die dabei entsteht, erinnert unverkennbar an einen Abend in Dakar – warme Luft, sanftes Licht und Musik, die langsam durch die Nacht schwebt.
Manche Bands feiern ein fulminantes Comeback.
Das Orchestra Baobab kehrte mit Anmut zurück.
Und wie sich herausstellte, hatte der Rhythmus die ganze Zeit geduldig gewartet.
Kurze Fragen
Warum war dieses Album so wichtig?
Es markierte die bemerkenswerte Wiedervereinigung von Orchestra Baobab nach jahrelanger Trennung und brachte ihren charakteristischen afro-kubanisch-senegalesischen Sound zurück.
Was zeichnet den Stil der Band aus?
Eine langsame, elegante Mischung aus kubanischem Son, westafrikanischen Rhythmen und weitläufigen Arrangements.
Ist das eine Dance-Platte?
Ja, aber ihre wahre Schönheit offenbart sich erst beim aufmerksamen Hören – wenn das subtile Zusammenspiel der Instrumente deutlich wird.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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