Patricia Barber – Café Blue (1994)
Von Rafi Mercer
Nicht alle audiophilen Schallplatten sind bombastisch; manche flüstern mit solcher Klarheit, dass sie jeden Winkel einer Anlage offenbaren. Patricia Barbers „Café Blue“, das 1994 erschien, ist eines dieser Alben. Die aus Chicago stammende Jazzsängerin und Pianistin Barber schuf ein Album mit Eigenkompositionen und Standards, das dank seiner strahlenden Produktion und seiner intimen Atmosphäre zu einem Liebling der Audiophilen wurde.
Ihre Stimme wird aus nächster Nähe aufgenommen, intim, als würde sie einem direkt ins Ohr singen. Das Klavier wird mit exquisiter Detailtreue eingefangen, jeder Hammerschlag und jedes Anheben des Pedals ist zu hören. Michael Arnopols Bass klingt resonant, geerdet und holzig. Das Schlagzeug wird eher mit den Besen gestreichelt, getippt und sanft angespielt als geschlagen. Die Abmischung ist räumlich, natürlich und luftig.
Auf Vinyl, Café Blue ist ein fesselndes Erlebnis, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Der Raum verschwindet; die Künstler treten in den Vordergrund. Es ist ein Test für die Fähigkeit eines Systems, Präsenz wiederzugeben – nicht nur Noten, sondern Körper im Raum. In einer Hörbar hat es eine ähnliche Wirkung: Das Geschwätz verstummt, die Intimität vertieft sich, die Darbietung wirkt gleichzeitig privat und gemeinschaftlich.
Das zeigt einmal mehr, dass es beim Testen des Klangs nicht nur um den Frequenzbereich oder die Lautstärke geht. Manchmal ist das aussagekräftigste Kriterium, wie ein System mit leisen Tönen umgeht. Setzen Sie die Nadel auf „Café Blue“ , und Sie werden innerhalb weniger Augenblicke wissen, ob das System in der Lage ist, den Klang authentisch wiederzugeben.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ abonnieren Sie hier, oder hier klicken, um mehr zu lesen.