Random Access Memories – Daft Punk (2013)

Random Access Memories – Daft Punk (2013)

Als die Roboter beschlossen, Gefühle zu entwickeln

Von Rafi Mercer

Es gibt Alben, die man auflegt, um einen Moment zu begleiten, und dann gibt es Alben, die diesen Moment still und leise erklären. „Random Access Memories“ gehört zur zweiten Kategorie. Es ist nicht einfach etwas, das man sich anhört – es hört einem zu. Es beobachtet den Raum, nimmt das Licht wahr und wartet, bis man still genug ist, um zu verstehen, was es wirklich tut.

Als Daft Punk dieses Album 2013 veröffentlichten, war elektronische Musik mittlerweile völlig reibungslos geworden. Die Möglichkeiten der Software waren grenzenlos. Presets verbreiteten sich schneller als der Geschmack. Die Zukunft, die sie einst mitgestaltet hatten, war plötzlich billig, laut und seltsam leer. Und so machten sie einen Schritt zur Seite – nicht nach vorne – und schufen ein Album, das sich wie ein bewusster Akt des Widerstands anfühlt. Nicht gegen den Fortschritt, sondern gegen das Vergessen.

Dein Instinkt trügt dich nicht: Dies ist die Geschichte davon, wie Roboter zu Menschen werden.

Anstatt das Album aus Synthesizern und Rastern aufzubauen, kehrten Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo den Prozess um. Sie begaben sich rückwärts durch die Musikgeschichte – in Studios, auf Tonband, in Räume, in denen Menschen gemeinsam musizierten. Nile Rodgers’ Gitarre ist hier kein Sample; sie atmet. Omar Hakims Schlagzeug passt nicht in ein Raster; es schwankt und findet wieder ins Gleichgewicht. Paul Williams klingt nicht bearbeitet; er klingt präsent, ein wenig verletzlich, wunderbar echt.

Das Geniale an „Random Access Memories“ ist, dass es die Elektronik nicht ablehnt – sondern sie in einen Kontext stellt. Die Maschinen treten in den Hintergrund, damit die Menschen in den Vordergrund treten können. Die Roboter nehmen ihre Helme ab, nicht in einer großartigen filmischen Geste, sondern still und höflich, als wollten sie sagen: Hier hat alles seinen Ursprung.

Hört euch „Give Life Back to Music“ an, und ihr werdet die These erkennen, die sich direkt vor euren Augen verbirgt. Das ist Tanzmusik, die lächelt. Sie jagt euch nicht hinterher, sondern lädt euch ein. „Giorgio“ von Moroder ist sogar noch deutlicher – eine gesprochene Geschichtsstunde, die zum Beweis wird. Ein Mann beschreibt die Entstehung der elektronischen Musik, gefolgt von einer Band, die zeigt, was passiert, wenn Technologie dem Gefühl dient und nicht umgekehrt.

Und dann ist da noch „Touch“ – der emotionale Kern des Albums. Der Song ist zerbrechlich, seltsam, orchestral und auf eine Weise menschlich, wie es sich nur sehr wenige Elektronik-Künstler jemals erlauben. Wenn Paul Williams singt : „Hold on, if love is the answer you’re home“, fühlt sich das nicht wie ein Songtext an. Es fühlt sich wie ein Geständnis an.

Deshalb hat „Random Access Memories“ nichts von seinem Reiz verloren. Es ist nicht an eine bestimmte Szene, einen Club oder einen Sommer gebunden. Es dreht sich um eine Frage: Was verlieren wir, wenn wir zu schnell voranschreiten? Und was noch wichtiger ist: Was können wir zurückgewinnen, wenn wir das Tempo drosseln?

In Hörräumen, Hi-Fi-Cafés und ruhigen Wohnräumen auf der ganzen Welt ist dieses Album zu etwas ganz anderem geworden – zu einer Brücke. Zwischen Analog und Digital. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Zwischen Präzision und Seele. Man hört nicht nur Musiker, die Instrumente spielen; man hört Musiker, die einander zuhören.

Das ist der menschliche Aspekt.

Daft Punk haben sich hier nicht von der elektronischen Musik abgewandt. Sie haben einen Kreis geschlossen. Sie haben uns daran erinnert, dass Technologie nur dann wirklich interessant ist, wenn sie auf Berührung, Atem, Timing und Unvollkommenheit verweist. Dass das Fortgeschrittenste, was man manchmal tun kann, darin besteht, in einem Raum zu sitzen und die Leute einfach spielen zu lassen.

„Random Access Memories“ ist keine Nostalgie. Es ist Erinnerung mit Absicht. Eine Erinnerung daran, dass Fortschritt nicht immer „vorwärts“ bedeutet – manchmal bedeutet er „tiefer“.

Und wenn man es einmal so gehört hat, kann man es nicht mehr aus dem Kopf bekommen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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