Stars of the Lid – Und ihre Verfeinerung des Niedergangs (2007)
Von Rafi Mercer
Es beginnt fast unmerklich: ein leises Anschwellen der Streicher, ein Ton, der so dünn gedehnt ist, dass er sich anfühlt wie Licht, das durch Nebel gestreut wird. Nichts eilt, nichts drängt. Die Musik scheint weniger gespielt als vielmehr geatmet zu werden und entfaltet sich im Tempo der Dämmerung, die sich über den Horizont legt. Das ist „And Their Refinement of the Decline“, 2007 veröffentlicht vom amerikanischen Duo Stars of the Lid. Mit einer Spieldauer von über zwei Stunden, verteilt auf zwei CDs, ist es weniger ein Album als vielmehr eine Klangwelt – ein Werk, das zu einer der bedeutendsten Ambient-Aufnahmen des Jahrhunderts geworden ist und neu definiert, was es bedeutet, langsam zuzuhören.
Stars of the Lid – Adam Wiltzie und Brian McBride – hatten ihr Handwerk seit den 1990er Jahren verfeinert, doch dies war ihr Meisterwerk. Während frühere Alben wie „The Tired Sounds of Stars of the Lid“ die Ambient-Musik bereits in weite Klanglandschaften ausgeweitet hatten, trieb „Refinement“ diesen Prozess noch weiter voran. Keine Beats. Keine Texte. Kaum eine Melodie. Stattdessen verschmelzen langgezogene Töne, bearbeitete Streicher, Blechbläser und Gitarrenloops miteinander, bis sie zu Klangfeldern werden. Das Ergebnis ist Musik, die sich unendlich und ewig anfühlt, zugleich monumental und kaum wahrnehmbar.
Das Album beginnt mit „And Their Refinement of the Decline“, einem Stück, das mit seiner Geduld den Ton angibt. Streicher schwellen fast unmerklich an und ab, Borduntöne schimmern warm, Stille wird wie ein Instrument eingesetzt. „Articulate Silences“ macht seinem Titel alle Ehre: Hier haben Pausen ebenso viel Gewicht wie der Klang. „The Daughters of Quiet Minds“ erstreckt sich über fast dreizehn Minuten, wobei jede Minute eine Übung in Stille ist und jeder Akkord so in der Schwebe bleibt, als hätte sich die Welt selbst verlangsamt.
Stücke wie „Don’t Bother They’re Here“ und „Even If You’re Never Awake“ bestechen durch ihre Zurückhaltung. Andere, wie „December Hunting for Vegetarian Fuckface“ – ein Beispiel für den ironischen Humor, der für die Titel des Duos typisch ist –, verbergen hinter ihrer Leichtigkeit eine tiefe Melancholie. Über zwanzig Titel hinweg schafft das Duo einen Raum, der sich weniger wie gespielte Musik anfühlt, sondern eher wie eine gestimmte Atmosphäre: eine Kathedrale aus Drones, ein Horizont aus Klang.
Was „Refinement“ so außergewöhnlich macht, ist sein Paradoxon: Es passiert fast nichts, und doch passiert alles. Indem sie Rhythmus, Erzählung und konventionelle Harmonie weglassen, zwingen Stars of the Lid den Hörer zur Langsamkeit, zur Achtsamkeit. Die Veränderungen sind mikroskopisch – ein Akkord verklingt, ein Ton verdunkelt sich, eine Klangtextur wird körniger –, doch in ihnen liegt eine enorme Tiefe. Das Album ist nicht für das beiläufige Hören gedacht. Es ist für das Eintauchen, für das Sich-Hingeben gedacht. Es belohnt Geduld mit Offenbarungen.
Kulturell festigte das Album die Stellung von Stars of the Lid als zentrale Figuren der Ambient- und Drone-Musik. Es beeinflusste nicht nur Ambient-Produzenten, sondern auch Filmemacher, Sounddesigner und klassische Komponisten, die sich für Stillstand und Atmosphäre interessierten. In einer Zeit der Beschleunigung wirkte ihr Beharren auf Langsamkeit radikal. Kritiker lobten das Album als monumental, und für die Hörer wurde es Teil ihres täglichen Rituals: Musik zum Arbeiten, zum Schlafen, zum Trauern, zum Zusammenleben.
Wenn man es heute hört, fällt seine Inklusivität sofort ins Auge. Obwohl es abstrakt ist, ist es zutiefst menschlich. Seine Wärme verhindert, dass es steril wirkt; seine Zärtlichkeit macht es einladend. Frauen und Männer, erfahrene Hörer experimenteller Musik oder solche, die Ambient-Musik noch nicht kennen – sie alle finden in diesem Klang ihren Platz. Es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Es bietet Raum – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – für Besinnung, Ruhe und Achtsamkeit.
Auf Vinyl wird die Größe des Albums zu einem zeremoniellen Erlebnis. Die vier Seiten erfordern Geduld – jede Seite bildet einen Bogen, jedes Umdrehen ist Teil des Rituals. Die Wärme der Pressung verleiht den Streichern mehr Tiefe, mildert die Borduntöne und lässt die Klänge fast greifbar werden. Das Knistern der Oberfläche wird Teil der Textur, wie Staub, der im Sonnenlicht gefangen ist. Das Cover, minimalistisch und abstrakt, spiegelt das Gefühl unendlicher Weite wider, das die Musik vermittelt.
Auch nach mehr als fünfzehn Jahren bleibt „And Their Refinement of the Decline“ eines der tiefgründigsten Ambient-Werke unserer Zeit. Es ist keine Musik, die unterhält. Es ist Musik, die verweilt, die begleitet, die den Raum, in dem man sich befindet, neu gestaltet. Sie lehrt uns, dass es beim Zuhören nicht um das Ereignis gehen muss, sondern um die Präsenz, dass Klang Architektur der Stille sein kann und dass Langsamkeit an sich radikal sein kann.
Wenn man es heute spielt, verändert sich die Umgebung. Die Drohnen erfüllen die Luft, die Stille wird leuchtend, die Zeit selbst scheint sich zu dehnen. Man atmet langsamer. Man nimmt den Raum anders wahr. Und man erkennt, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch erlebt werden kann – dass ein Abklingen, statt eines Zusammenbruchs, eine Verfeinerung sein kann.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“, abonnieren, oder hier klicken, um mehr zu lesen.