Terumasa Hino – Journey Into My Mind (1974)
Von Rafi Mercer
Es gibt Trompetenklänge, die sich in einem Feuerwerk der Brillanz entfalten, und andere, die subtil, aber unauslöschlich in einen eindringen. Terumasa Hino gehört beiden Traditionen an. Als er „Journey Into My Mind“ aufnahm, war er bereits eine führende Persönlichkeit des japanischen Jazz, der zwar mit Freddie Hubbard und Miles Davis verglichen wurde, aber seinen ganz eigenen Weg ging. Dieses Album ist eines seiner persönlichsten Werke, eine Verschmelzung aus modaler Intensität, elektrischen Klangtexturen und meditativer Offenheit. Es steht ebenso sehr in der Tradition des Spiritual Jazz wie in der Vorwärtsdynamik der japanischen Post-Bop-Bewegung.
Das Album wirkt schon von den ersten Takten an experimentell. Hinos Trompete klingt geschliffen, klagend, mal kraftvoll, mal zerbrechlich. Seine Phrasierung ist lyrisch, aber stets suchend – wie eine Stimme, die versucht, etwas zu beschreiben, das sich jenseits von Worten befindet. Die Band ist beeindruckend und verschmilzt akustische und elektrische Klangfarben zu einem Sound, der sowohl zeitgemäß als auch zeitlos wirkt. Klavier und E-Keyboards schimmern vor dem Hintergrund des treibenden Rhythmus, die Basslinien schweben und grooven, während die Percussion den Horizont erweitert. Die Kompositionen sind weitläufig, niemals gehetzt, und entfalten sich mit Geduld und Vertrauen in den Raum.
Auf Vinyl ist der Trompetenton verblüffend. Er durchschneidet die Luft wie eine Klinge – allerdings wie eine Klinge, die bis zum Glühen erhitzt wurde. Die Harmonien schimmern um ihn herum, Orgelklänge schwellen an und Akkorde des E-Pianos schweben wie Nebel. Der Bass sorgt für Halt, das Schlagzeug flüstert oder dröhnt, je nach Bedarf. Eine gute Anlage bringt die Vielschichtigkeit zum Vorschein, die subtile Wärme der analogen Aufnahme und die Art und Weise, wie die Stille selbst Teil der Musik wird. Gespielt in einer Hörbar, „Journey Into My Mind“ ein mitreißendes Erlebnis. Es verlangt keine Aufmerksamkeit mit Feuerwerk; es zieht einen in seinen Sog und lädt dazu ein, sich treiben zu lassen oder einzutauchen, ganz wie man möchte.
Was Hino so einzigartig macht, ist seine Weigerung, andere nachzuahmen. Er hat zwar Einflüsse aufgenommen – Hubbards Leidenschaft, Miles’ Introspektion –, diese aber durch seine eigene kulturelle und persönliche Brille gefiltert. Hier zeigt sich eine melodische Sensibilität, die unverkennbar japanisch ist, ein Umgang mit Raum und Tempo, der eher an Kalligraphie als an Bebop erinnert. Dennoch verfällt er niemals in Klischees. Es ist Jazz durch und durch: improvisiert, rastlos, der Entdeckung verpflichtet.
Fast fünfzig Jahre später, „Journey Into My Mind“ nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Es ist ein Schatz für Sammler, aber auch Balsam für die Ohren – eine Platte, die aufmerksames Zuhören belohnt und die Atmosphäre bereichert. Legen Sie die Nadel auf, und Sie hören nicht einfach nur Terumasa Hino – Sie hören den Klang eines Musikers im Dialog mit sich selbst, seiner Kultur und den grenzenlosen Möglichkeiten des Jazz.
Jeden Monat trifft sich der „Listening Club“, um gemeinsam ein Album wie dieses zu hören. Hier mitmachen.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Für weitere Geschichten aus „Tracks & Tales“ abonnieren Sie hier, oder hier klicken, um mehr zu lesen.