Das Universum lächelt dir zu — Khruangbin (2015)

Das Universum lächelt dir zu — Khruangbin (2015)

Der Klang ferner Horizonte, die sich in einem ruhigen Groove vereinen

Von Rafi Mercer

Manche Schallplatten kommen weiter als die Menschen, die sie aufgenommen haben.

Als „The Universe Smiles Upon You“ 2015 erstmals erschien, hätten wohl nur wenige Hörer ahnen können, wie weit es seine Spuren ziehen würde. Doch schon bei den ersten Gitarrenklängen hat man das Gefühl, dass diese Platte wie geschaffen ist für Bewegung – Musik, die Anklänge aus allen Kontinenten in sich trägt, ohne ganz einem bestimmten Ort anzugehören.

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Das Trio hinter dem Album, Khruangbin, ging von einem faszinierenden Ausgangspunkt aus: den hypnotischen Grooves thailändischer Funk-Platten aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Der Gitarrist Mark Speer hatte Jahre damit verbracht, diese Aufnahmen zu studieren und sich ihre Phrasierung sowie ihre melodische Zurückhaltung anzueignen.

Was dabei jedoch herauskam, war keine Nachahmung.

Stattdessen wird „The Universe Smiles Upon You“ zu etwas weitaus Faszinierenderem – einem Dialog zwischen den Kulturen, geprägt von Geduld und Minimalismus.

Das Album beginnt mit einem Gefühl von Weite. Der Bass schwingt langsam unter der Oberfläche mit, warm und selbstbewusst, während Speers Gitarre zarte Melodien zeichnet, die irgendwo zwischen Psychedelic Rock und südostasiatischen Folk-Phrasierungen zu schweben scheinen.

Nichts eilt voran.

Diese Zurückhaltung ist Teil der stillen Brillanz des Albums. Jedes Instrument nimmt im Mix seinen eigenen Raum ein. Laura Lees Basslinien bilden den Schwerpunkt und treiben die Musik sanft voran, während Schlagzeuger Donald „DJ“ Johnson den Rhythmus locker und gemächlich hält.

Diese Musik basiert auf Vertrauen.

Stücke wie „A Calf Born in Winter“ und „White Gloves“ zeigen, wie das Trio mit wenig viel bewirken kann. Die Gitarrenlinien wiederholen sich wie sanfte Mantras. Die Bassgrooves verschmelzen zu hypnotischen Loops. Die Percussion atmet, anstatt den Rhythmus voranzutreiben.

Die Wirkung ist seltsam meditativ.

Hört man sich das Album in der richtigen Umgebung an – vielleicht in einem Café am späten Nachmittag oder in einer Hörbar, in die das Sonnenlicht durch die Fenster fällt –, verschmilzt die Musik allmählich mit dem Raum selbst. Die Gespräche werden leiser. Der Lauf der Zeit verändert sich ein wenig.

Das ist das Besondere an dieser Platte.

Anstatt Aufmerksamkeit einzufordern, schafft es Atmosphäre. Die Melodien bewegen sich mühelos zwischen Psychedelic Rock, Soul und asiatischen musikalischen Phrasierungen, doch das Trio treibt diese Einflüsse nie zu sehr auf die Spitze. Alles bleibt entspannt, fast schwerelos.

Es ist ein Sound, der wie geschaffen für das Driften ist.

In vielerlei Hinsicht spiegelt das Album die globale Hörkultur wider, die sich im Laufe des letzten Jahrzehnts entwickelt hat – eine Welt, in der Sammler nach vergessenen Schallplatten stöbern, DJs Klänge aus verschiedenen Kontinenten miteinander vermischen und Musiker ihre Inspiration weit über ihre eigenen Grenzen hinaus suchen.

Dennoch wirkt „The Universe Smiles Upon You “ niemals akademisch.

Die Grooves wirken warm, menschlich und äußerst einladend. Speers Gitarrensound – klar, mit einem Hauch von Hall – strahlt eine melodische Neugier aus, die den Zuhörer dazu anregt, jeder Phrase wie einem roten Faden durch das Arrangement zu folgen.

Es ist Musik, die stille Aufmerksamkeit belohnt.

Vielleicht ist das der Grund, warum sich das Album so gut in unterschiedlichen Hörumgebungen macht. In einem Tokioter „Kissaten“ würde es sich vollkommen zu Hause fühlen. In einer kleinen europäischen Vinyl-Bar könnte es den Soundtrack für einen ganzen Abend liefern. Und irgendwo in Südostasien – wenn es neben dem Duft von Kaffee durch eine offene Café-Tür hereinströmt – würde es sich unheimlich natürlich anfühlen.

Denn im Grunde genommen handelt dieses Album von Verbundenheit.

Keine laute, dramatische Verbindung, sondern eher eine stillere Art – der Moment, in dem sich entfernte Einflüsse zu etwas unerwartet Harmonischem verbinden.

Und wenn das passiert, ergibt der Titel plötzlich vollkommen Sinn.

Manchmal ist das Schicksal einem wirklich wohlgesonnen.


Kurze Fragen

Was macht den Sound dieses Albums aus?
Minimalistische Grooves, die Einflüsse aus Psychedelic Rock, Soul und Thai-Funk zu einer entspannten instrumentalen Atmosphäre verschmelzen lassen.

Wo passt es in eine Hörumgebung?
Cafés am Nachmittag, Bars, in denen man bei Sonnenuntergang Musik hören kann, und Orte, an denen die Musik durch die Gespräche hindurchschweben kann.

Warum passt das zu „Tracks & Tales“?
Weil es die globale Hörkultur widerspiegelt – Platten, die zwischen Städten hin- und herreisen und ganz unauffällig die Stimmung im Raum prägen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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