William Onyeabor – Wer ist William Onyeabor? (2013)
Der Prophet des Synth-Funk aus Enugu
Von Rafi Mercer
Es gibt Platten, die sich lautstark bemerkbar machen.
Und dann gibt es Platten, die wie ein Gerücht auftauchen.
„Who Is William Onyeabor?“ ist ein Gerücht, das auf Vinyl gepresst wurde – eine Zusammenstellung von Aufnahmen aus dem Nigeria der 1980er Jahre, die Jahrzehnte später wieder zum Leben erweckt und nicht als Nostalgie, sondern als Offenbarung präsentiert wurden. Die Frage im Titel ist kein Marketingtrick. Sie ist ernst gemeint. Wer war dieser Mann, der in Enugu analoge Synthesizer-Welten erschuf, während ein Großteil des Westens noch dabei war, herauszufinden, was aus dem elektronischen Soul werden könnte?

Wenn man „Fantastic Man“ zum ersten Mal hört, kommt es einem irgendwie seltsam vor – im besten Sinne. Der Groove ist straff und doch elastisch. Die Drum-Machine swingt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern pulsiert mit Überzeugung. Die Synth-Basslinien pochen geradlinig, fast mechanisch. Und darüber hinweg trägt Onyeabors Stimme – ruhig, bestimmt, leicht distanziert – Philosophie vor, getarnt als Pop.
Was diese Aufnahme so außergewöhnlich macht, ist nicht die Virtuosität. Es ist die Überzeugung.
Onyeabor baute sein eigenes Studio. Programmierte seine eigenen Rhythmen. Schichtete Keyboards wie architektonische Elemente. Das war kein aus New York importierter Disco-Sound und auch kein aus London nachgeahmter Funk. Es war etwas ganz anderes – westafrikanischer Optimismus, der durch Schaltkreise floss. Es fühlt sich an wie der Verkehr in Lagos, den man sich durch Kabel vorstellt. Wie Highlife, gefiltert durch Elektrizität.
Wenn man genau hinhört, kann man die Tradition erkennen.
Der Instinkt für „Call-and-Response“ ist nach wie vor vorhanden. Die Wiederholung regt weiterhin zu gemeinschaftlichem Bewegen an. Doch statt Bläsern und Handpercussion kommen nun Oszillatoren und Sequenzer zum Einsatz. Der Groove wirkt nun auf eine andere Art hypnotisch – weniger organisch, dafür eindringlicher. Die Drum-Programmierung zeichnet sich durch eine Reinheit aus, die moderne Produzenten sofort erkennen würden.
Und das ist das Geniale daran: Es klingt überhaupt nicht veraltet.
Spielt man das auf einem guten System ab, kommen die tiefen Frequenzen immer noch gut zur Geltung. Die Synth-Texturen schimmern, anstatt zu zerfallen. Titel wie „Atomic Bomb“ und „Body and Soul“ wirken seltsam zeitgemäß – als hätten sie Jahrzehnte übersprungen, ohne dabei zu altern. Man merkt schnell, dass ein Großteil des heutigen globalen Afrobeats-Minimalismus dieser reduzierten Klarheit etwas zu verdanken hat.
Das Hörerlebnis ist faszinierend.
Auf den ersten Blick mag man es für schräg halten. Ein bisschen aus dem Takt. Die Drum-Patterns sind starr. Der Gesang wiederholt Mantras mit hartnäckiger Einfachheit. Aber gib dem Ganzen etwas Zeit – zehn Minuten, zwanzig – und die Wiederholung wird zur Meditation. Das Mechanische wird menschlich. Der Groove verlangt keine Analyse mehr, sondern fordert dazu auf, sich ihm hinzugeben.
Das erinnert mich daran, dass Innovation nicht immer lautstark in Erscheinung tritt.
Manchmal steht es in einem regionalen Studio im Osten Nigerias, seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, und wartet darauf, dass es jemand bemerkt.
Die Neuauflage im Jahr 2013 stellte Onyeabor nicht mehr als Fußnote, sondern als Pionier dar. Westliche DJs nahmen ihn begeistert auf. Indie-Labels verhalfen ihm zu größerem Bekanntheitsgrad. Festivals buchten Tribute-Sets. Und doch hat es etwas still Befriedigendes, zu wissen, dass diese Aufnahmen nie auf weltweite Anerkennung ausgelegt waren. Sie wurden einfach nur gemacht.
Das strahlt Zuversicht aus.
Die Musikkultur Nigerias wird oft durch gemeinschaftliche Begeisterung geprägt – Tanzflächen, Kirchen, Call-and-Response-Refrains. Onyeabor steht für eine parallele Strömung: introspektiver Futurismus. Ein Mann in einem Raum voller Maschinen, der aus Schaltkreisen Rhythmen erschafft und voll und ganz an seine eigene Klangsprache glaubt.
Wenn man sich dieses Album in Ruhe anhört – bei gedämpftem Licht und angemessener Lautstärke –, beginnt man, die tiefere Wahrheit zu begreifen: Nigeria war schon immer ein Land der Vielfalt. Es ging nie nur um Blasinstrumente und Percussion. Es ging nie nur um Tanzflächen-Tempo. Es ging auch um Synthesizer, Experimente und zukunftsweisende Einsamkeit.
„Wer ist William Onyeabor?“ stellt nicht nur eine biografische Frage.
Es stellt eine kulturelle Frage.
Wie viele Innovatoren gibt es, die still und leise ihrer Zeit voraus sind und darauf warten, dass die Welt zu ihnen aufschließt?
Wenn man lange genug hinhört, schwingt die Antwort unter der Basslinie mit.
Kurze Fragen
Warum ist dieses Album für die nigerianische Musikgeschichte von Bedeutung?
Es zeugt von einer frühen, eigenständigen Auseinandersetzung mit synthgetriebenem Funk und elektronischer Musikproduktion im Nigeria der 1980er Jahre – Jahre vor der breiteren weltweiten Anerkennung.
Klingt das heute noch modern?
Ja. Die minimalistische Drum-Programmierung und die tiefen Synth-Basslines wirken bemerkenswert zeitgemäß, insbesondere im Vergleich zu modernen Afrobeats-Produktionen.
Wie sollte man es sich anhören?
Nimm dir Zeit dafür. Lass die Wiederholungen auf dich wirken. Das ist keine Hintergrundmusik – es ist Groove als Meditation.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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