Bozak – Der Rotary-Club, der die Tanzfläche gebaut hat
Von Rafi Mercer
Jede Kultur hat ihre eigenen Instrumente, und auf den New Yorker Tanzflächen der 1970er Jahre war das Instrument nicht nur die Schallplatte oder der Plattenspieler, sondern auch der Rotary-Mixer. Das Herzstück bildete der Bozak CMA-10-2DL, ein von Rudy Bozak entworfenes Gerät, das den Sound des „Loft“, des „Paradise Garage“ und unzähliger Underground-Clubs prägen sollte. Heute, Jahrzehnte später, ist sein Einfluss immer noch in Listening-Bars zu spüren, wo DJs nicht nur auf Klangtreue, sondern auch auf den Flow achten – die Fähigkeit, sich durch die Platten zu bewegen, als wäre die Nacht selbst ein endloser Mix.
Rudy Bozak war ein in der Schweiz geborener Ingenieur, der sich mit dem Bau von Tonsystemen für amerikanische Institutionen einen Namen machte. Ende der 1960er Jahre wandte er sich den Mischpulten zu und entwickelte Geräte, die nicht nur robust, sondern auch musikalisch waren. Im Gegensatz zu den damaligen, auf Fadern basierenden Rundfunkmischpulten verwendeten Bozaks Mischpulte Drehpotentiometer – sanfte, kreisförmige Regler, die es DJs ermöglichten, Kanäle stufenlos ineinander überblenden und Übergänge so zu gestalten, anstatt sie abrupt abzubrechen. Das Ergebnis war ein Klang, der sich kontinuierlich, warm und organisch anhörte.
Das war keine kleine Veränderung. Auf den Loft-Partys von David Mancuso wurde der Bozak zu einer Erweiterung des Ethos: Platten wurden in voller Länge gespielt, sorgfältig gemischt, und der Fluss der Musik wurde eher als Reise denn als Abfolge von Schnitten betrachtet. Larry Levan im Paradise Garage machte denselben Mixer zu einem Ausdrucksmittel und nutzte seinen EQ und den Drehregler, um über Stunden hinweg Spannung aufzubauen und wieder abzubauen. Beim Bozak-Sound ging es nicht um Wucht oder Spektakel, sondern um das Eintauchen in die Musik – eine Geschmeidigkeit, die den Eindruck vermittelte, die Tanzfläche sei endlos.
Diese gleiche Geschmeidigkeit lässt sich perfekt auf Hörbars übertragen. Ich erinnere mich an eine in Brooklyn, wo ein restaurierter Bozak hinter der Theke stand, dessen Front aus gebürstetem Metall und die großen Drehregler im sanften Licht glänzten. Der DJ spielte „You’ve Got to Have Freedom“ von Pharoah Sanders, das nahtlos in „Journey in Satchidananda“ von Alice Coltrane überging. Es gab keinen Ruck, keinen abrupten Schnitt – nur Kontinuität. Den Gästen fiel nicht der Übergang auf, sondern die Art und Weise, wie sich die Atmosphäre vertiefte, als hätte die Bar selbst mit dem Wechsel eingeatmet und ausgeatmet.
Im Vergleich zu modernen digitalen Mischpulten ist das Bozak täuschend einfach: eine Handvoll Eingänge, EQ und Pegelregler. Doch gerade diese Einfachheit ist seine Stärke. In Clubs regt es die DJs dazu an, sich auf die Platten selbst zu konzentrieren und den Abend eher als Erzählung zu gestalten denn als Aneinanderreihung von Tricks. Der warme, offene Klang seiner analogen Schaltung lässt sich genreübergreifend – Jazz, Soul, Disco, House – gleichermaßen mühelos umsetzen.
Optisch strahlt es eine ganz eigene Aura aus. Große Drehregler, robuste Metallkonstruktion, ein Layout, das eher an Studioausrüstung als an ein DJ-Spielzeug erinnert. In einer Bar wirkt es seriös und imposant – genau die Art von Objekt, die signalisiert, dass das Musikhören hier keine Nebensache ist. Die Gäste wissen vielleicht nicht, was es ist, aber sie spüren seine Bedeutung.
Auch heute noch sind originale Bozaks begehrt, werden von Spezialisten restauriert und von Bars und DJs geschätzt, die ihre Bedeutung zu schätzen wissen. Sie erinnern uns daran, dass es bei der Klangtreue nicht nur um die Wiedergabe geht, sondern auch um die Kontrolle – darum, wie Musik präsentiert, gestaltet und geteilt wird.
Letztendlich steht der Bozak-Rotationsmixer für Kontinuität. Er verbindet die Tanzflächen des New Yorks der 1970er Jahre mit den Listening-Bars von heute und führt damit eine Philosophie des Fließens fort. Er beweist, dass es beim Sound nicht nur darauf ankommt, was man spielt, sondern auch darauf, wie man zwischen den einzelnen Momenten wechselt. Und in einer Bar, in der sich die Nächte wie ausgedehnte Mixes entfalten, ist diese Philosophie alles.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.