Klipsch – La Scala, Klipschorn und das „American Horn“ – lebendig in den Bars
Von Rafi Mercer
Es gibt eine Art von Klang, der einen Raum nicht so sehr erfüllt, als dass er ihn regelrecht in seinen Bann zieht – eine durch Hornlautsprecher geprägte Unmittelbarkeit, die Musik körperlich, ungefiltert und lebendig wirken lässt. Das ist das Markenzeichen von Klipsch. Die Lautsprecher von Paul W. Klipsch, der 1946 in Arkansas geboren wurde, waren nicht auf Zurückhaltung ausgelegt, sondern auf Wirkung: Mit Hornlautsprecher-Konstruktionen erzielten sie einen Wirkungsgrad und eine Klangfülle, die weit über ihre Größe hinausgingen. In Hörbars, wo Präsenz ebenso wichtig ist wie Eleganz, bleibt Klipsch das amerikanische Horn, das sich weigert, in den Hintergrund zu treten.
Der Grundstein war das Klipschorn. Entworfen in einem Blechschuppen in Hope, Arkansas, handelte es sich um eine Konstruktion, bei der die Wände des Raums als Teil des Horns selbst genutzt wurden – mit einer Eckabgabe im Bassbereich, um Tiefe ohne massive Gehäuse zu erzielen. Es war clever, effizient und verblüffend dynamisch. Das Klipschorn wurde zu einem der am längsten produzierten Lautsprecher überhaupt und zu einem Symbol für amerikanischen Erfindergeist. Später folgten das La Scala und das Belle Klipsch – gefaltete Hörner, die Tiefe gegen Aufstellungsflexibilität eintauschten und so die gleiche Klangprojektion auch in kleinere Räume brachten.
Die Hornbeschallung war Klipschs Überzeugung. Paul W. Klipsch trug bekanntermaßen einen Rechenschieber in der Tasche und ein Abzeichen mit der Aufschrift „Bullshit“, das er bei zweifelhaften Behauptungen vorzeigte. Seine Überzeugung war einfach: Hörner reduzierten Verzerrungen und erhöhten den Wirkungsgrad. Mehr Musik, weniger Verschwendung. Diese technische Reinheit verlieh seinen Lautsprechern einen Charakter, der für alles geeignet war – von Symphonien bis hin zum Rock ’n’ Roll. Und wenn man sie in Hörbars einbaute, verlieh sie den Schallplatten eine lebendige, atmende Energie.
Ich erinnere mich an einen Abend in einer Bar in Brooklyn, wo zwei La Scala-Lautsprecher die Theke flankierten. Eine Herbie-Hancock-Platte – „Head Hunters“ – lief, und der Groove kam mit solcher Geschwindigkeit und Wucht daher, dass der Raum im Takt zu pulsieren schien. Die Bläser drangen durch die Gespräche hindurch, der Bass schlug wie ein Herzschlag, und doch klang nichts überanstrengt. Die Gäste beugten sich nicht vor, um den Klang zu analysieren; sie lehnten sich zurück und ließen den Klang mit der Unmittelbarkeit eines Live-Auftritts über sich hinwegspülen. Das ist das Besondere an Klipsch: Unmittelbarkeit ohne Kompromisse.
Im Vergleich zur ausgefeilten Ausgewogenheit von Tannoy oder der studiotauglichen Autorität von JBL ist Klipsch eher emotional. Es umschmeichelt nicht, sondern setzt ein klares Statement. Manche empfinden die Wiedergabe als zu direkt, ja sogar als forsch; andere finden sie mitreißend. In Bars, die auf Energie setzen und in denen die Musik das Tempo des Abends vorgeben soll, sind Klipsch-Hörner die perfekten Begleiter. Sie lassen die Musik präsent wirken, selbst bei moderater Lautstärke.
Auch optisch setzen sie ein Statement. Die kantigen Gehäuse, oft aus rohem Birken- oder Nussbaumholz, sehen eher wie Möbel als wie Elektronikgeräte aus – allerdings wie Möbel mit Charakter. In einer Bar werden sie Teil der Architektur, wobei ihre gefalteten Hörner und großen Tieftöner schon vor dem Abspielen einer Schallplatte auf ihre Leistung hindeuten. Die Gäste kennen die Marke vielleicht nicht, aber sie erkennen die Absicht dahinter.
Klipsch besteht bis heute fort, und Heritage-Modelle wie der Klipschorn und der La Scala werden nach wie vor in Hope hergestellt. In einem Markt, der von schlanken Standlautsprechern und unauffälligen Lautsprechern geprägt ist, sind sie nach wie vor eigenwillig – hartnäckig groß, hartnäckig mit Hornvorsatz, hartnäckig sie selbst. Und genau diese Hartnäckigkeit macht einen Teil ihres Charmes aus.
Letztendlich steht Klipsch für eine gewisse amerikanische Ehrlichkeit: kühn, effizient, ein wenig ungezügelt, aber immer voller Leben. In Hörbars erinnern sie uns daran, dass sich aufgezeichnete Musik wie eine Live-Aufführung anfühlen kann, dass Lautsprecher nicht nur für Theater konzipiert wurden, sondern auch für die Intimität eines Raums und eines Drinks. Wenn ein Klipsch erklingt, wird die Bar zur Bühne, und die Nacht erwacht zum Leben.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.