Living Voice – Vox Olympian und die Kunst des Horns

Living Voice – Vox Olympian und die Kunst des Horns

Von Rafi Mercer

Manche Lautsprecher streben nach Transparenz, andere nach Kraft. Living Voice strebt nach Schönheit. Die 1990 von Kevin Scott in Nottingham gegründete Marke hat Lautsprecher schon immer nicht als Geräte, sondern als Instrumente betrachtet – als Objekte, die gestimmt, intoniert und mit denen man lebt. Nirgendwo wird dies deutlicher als bei den Systemen Vox Olympian und Vox Palladian, außergewöhnlichen Hornlautsprechern, die in der Hörkultur zu Legenden geworden sind. Für Bars, die mutig genug sind, sie unterzubringen, sind sie nicht einfach nur Soundsysteme; sie sind Kunstwerke, die ebenso skulptural wie klangvoll sind.

Der Vox Olympian wurde 2012 vorgestellt, doch sein Geist reicht viel weiter zurück und schöpft Inspiration aus den Theaterhornlautsprechern von Western Electric und Altec aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Doch während jene Geräte industriell gefertigt waren, ist der Vox Olympian handwerklich gefertigt. Jedes Exemplar wird auf Bestellung gefertigt und mit der Detailgenauigkeit eines Juweliers aus Hartholz, Metall und Leder gefertigt. Das Design ist mehrstufig aufgebaut: exponentielle Mitteltöner-Hörner, gefaltete Basshörner, filigrane Superhochtöner – alles mit akribischer Präzision aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis ist ein Lautsprecher, der so imposant wirkt wie ein architektonisches Meisterwerk, dessen Klangbild jedoch so intim ist wie das eines Streichquartetts.

Das berühmte „Spiritland“ in London entschied sich für ein Vox-Olympian-System als Herzstück und kombinierte es mit einer maßgeschneiderten Röhrenverstärkung. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch: Die Lautsprecher standen wie Totems da, das polierte Holz glänzte, die Bronze schimmerte im gedämpften Licht. Als die Nadel auf John Coltranes „Naima“ auflegte, war der Klang atemberaubend. Nicht laut, nicht überwältigend – aber lebendig. Das Saxophon schwebte voller Körper und Textur, der Raum selbst schien gestimmt zu sein. Die Gäste nippten leise an ihren Getränken, die Gespräche waren gedämpft, als hätte die bloße Anwesenheit der „Olympianer“ die Regeln des Zuhörens festgelegt.

Das ist das Paradoxon von Living Voice: Obwohl die Lautsprecher von monumentaler Größe sind, zeichnen sie sich durch eine zurückhaltende Klangwiedergabe aus. Sie vermitteln dynamischen Schwung und feinste Details ohne Schärfe, Wärme ohne Trübung. In Bars bedeutet dies, dass sich die Musik dort weniger wie eine Wiedergabe und mehr wie eine Live-Darbietung anfühlt – lebendig und doch mühelos, kraftvoll und doch anmutig.

Im Vergleich zur kraftvollen Direktheit von JBL oder der rohen Theatralik von Altec ist Living Voice eher raffiniert. Dies sind keine Arbeitspferde unter den Lautsprechern, sondern Instrumente für Kenner. Sie benötigen Platz, passende Elektronik und einen Besitzer, der bereit ist, den Klang in den Mittelpunkt zu stellen. Doch dort, wo sie aufgestellt sind, prägen sie den Raum entscheidend. Eine Bar mit Vox Olympians ist nicht einfach nur ein weiterer Raum mit Schallplatten. Sie ist ein Ausflugsziel.

Optisch ziehen sie alle Blicke auf sich. Polierte Hornverbreiterungen, eingelegte Furniere, bei manchen Modellen sogar Blattgold – sie sind ebenso sehr darauf ausgelegt, gesehen wie gehört zu werden. Im Kontext einer Hörbar werden sie Teil der Identität und signalisieren ein Bekenntnis zur Kunstfertigkeit auf jeder Ebene, vom Whisky im Regal bis zur Nadel in der Rille.

Living Voice bringt weiterhin Modelle auf den Markt, die einem breiteren Publikum zugänglich sind, wie beispielsweise die Auditorium-Serie, die dieselbe Klangphilosophie in kompakterer Bauweise umsetzt. Doch erst die Modelle „Olympian“ und „Palladian“ verkörpern den Mythos der Marke. Sie erinnern daran, dass Hornlautsprecher, die oft als rohe Maschinen angesehen werden, auch Instrumente der Raffinesse und Schönheit sein können.

Letztendlich verkörpert Living Voice die Kunst des Horns – nicht als Theater, nicht als Nostalgie, sondern als Schönheit. In einer Hörbar verwandeln sie Musik in Präsenz, Präsenz in Atmosphäre und Atmosphäre in Erinnerung. Abende mit ihnen vergisst man nicht. Sie hallen nach, wie die letzte Note einer Schallplatte in der darauf folgenden Stille.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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