OMA – Amerikanisches Kunsthandwerk, Stein und Stahl
Von Rafi Mercer
In einer Zeit, in der Kunststoff und Hochglanz vorherrschen, wirkt Oswalds Mill Audio fast schon prähistorisch – im besten Sinne des Wortes. OMA wurde Anfang der 2000er Jahre von Jonathan Weiss in Pennsylvania gegründet und stellt Lautsprecher und Verstärker her, die weniger wie Konsumgüter, sondern eher wie Kunstwerke aussehen: aus Holz geschnitzt, aus Metall gegossen, manchmal sogar aus Schiefer behauen. Ihr Klang ist ebenso beeindruckend wie ihre Form – dynamisch, greifbar, unverhohlen körperlich. In Hörbars machen sich OMA-Systeme sofort bemerkbar. Sie sind nicht dazu da, sich anzupassen. Sie sind dazu da, Musik als elementare Kraft neu zu definieren.
Das Unternehmen entstand aus Weiss’ Restaurierung einer Mühle aus dem 19. Jahrhundert, wo er begann, mit Hornlautsprechern und Röhrenverstärkern zu experimentieren. Inspiriert von Western Electric und frühen Kinosystemen wollte OMA nicht die Vergangenheit nachahmen, sondern deren Prinzipien in die Gegenwart übertragen. Das Ergebnis ist ein Sortiment an Lautsprechern wie dem „Imperia“ und dem „Ironic“ – monumentale Hornlautsprecher und Konstruktionen aus Gusseisen, die ebenso gut in einer Galerie wie in einer Bar stehen könnten.
Einmal begegnete ich einer OMA-Anlage in einem Loft in New York, wo sich die Imperia-Hörner wie Türme aus geschwungenem Holz und Stahl emporhoben. Die Platte war Alice Coltranes „Ptah, the El Daoud“. Die Harfe schimmerte mit zarten Obertönen, das Saxophon schnitt mit durchdringender Präsenz durch den Klang, der Bass rollte mit einer Körperlichkeit, die den Boden zum Vibrieren zu bringen schien. Die Gäste hörten nicht nur zu; sie fühlten sich wie in der Schwebe, gefangen in einem Klang, der ebenso viel Gewicht wie Klangfarbe hatte. Es war weniger eine Wiedergabe als vielmehr eine Skulptur in Bewegung.
Was OMA für Bars so attraktiv macht, ist diese Dualität: handwerkliches Können gepaart mit kraftvollem Klang. Die Lautsprecher werden von Hand gefertigt, oft unter Verwendung von Materialien, die eher in der Architektur als in der Audiotechnik üblich sind. Sockel aus Schiefer, Stahlhörner, Holzverbreiterungen – all das trägt nicht nur zur Resonanzkontrolle bei, sondern sorgt auch für visuelle Dramatik. Stellt man einen hinter die Theke, wird er Teil der Identität des Lokals – ein Zeichen dafür, dass dies kein Ort für beiläufigen Klang ist. Dies ist ein Ort der Präsenz.
Im Vergleich zur monumentalen Präzision von Rey Audio oder der Hingabe von GIP Laboratory wirkt OMA moderner und bewusst designorientierter. Die Marke spricht Bars an, die Wert darauf legen, dass Klangtreue nicht nur gehört, sondern auch gesehen wird – dass die Anlage selbst Teil der Atmosphäre wird. Manche tun dies als ästhetisches Theater ab, doch in Wahrheit überzeugt der Klang: unmittelbar, lebendig, facettenreich und voller Eigenschaften, die Hornsysteme so zeitlos machen.
Weiss hat oft gesagt, dass es bei OMA darum geht, den Menschen wieder eine eher physische, gemeinschaftliche Art des Musikhörens näherzubringen. Diese Einstellung passt perfekt zum Ethos der „Listening Bars“. Dort werden Alben in voller Länge gespielt, Getränke genossen und die Räume akustisch abgestimmt. OMA verstärkt dieses Ethos mit einer Ausstattung, die zugleich Anker und Spektakel ist.
Letztendlich steht Oswalds Mill Audio für die Möglichkeit, Hi-Fi als Handwerkskultur zu begreifen – als Objekt, als Skulptur, als Ritual. In einer Bar verwandelt OMA das Zuhören von einem Zeitvertreib in ein Erlebnis und erinnert uns daran, dass Klang nichts Abstraktes ist. Er ist Gewicht, Luft, Resonanz, Präsenz. Er ist etwas, das man mit den Ohren berühren und mit der Brust spüren kann. Und wenn die Nacht vorbei ist, erinnert man sich nicht nur an die Musik, sondern auch an die Form, die sie im Raum angenommen hat.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.