UREI – Kraft im Rundfunk, Präzision im Club

UREI – Kraft im Rundfunk, Präzision im Club

Von Rafi Mercer

Wenn Bozak New York seine Wärme verlieh, so gab UREI ihm seine Kraft. Der Ende der 1970er Jahre eingeführte Drehregler-Mischpult UREI 1620 entstand gar nicht in einem Club, sondern im Rundfunk. United Recording Electronics Industries hatte Mischpulte für Studios und Radiosender gebaut – Geräte, die dafür ausgelegt waren, den ganzen Tag lang mit der für den Rundfunk typischen Zuverlässigkeit zu laufen. Als diese Schaltkreise für DJs umfunktioniert wurden, war das Ergebnis bahnbrechend: ein Mischpult, das die Autorität eines Regieraums in das Chaos der Tanzfläche trug. Heute ist diese Autorität in Listening-Bars noch immer spürbar – Präzision und Durchschlagskraft, verpackt in einer Drehregler-Form.

Der 1620 wurde schnell zum Rückgrat von Clubs wie dem Paradise Garage, dem Studio 54 und dem Saint. Larry Levan, der bereits ein Meister des Bozak war, schätzte den UREI wegen seiner Klarheit und Kraft. Der Klang war klarer, straffer und präsenter und verlieh den Platten einen Schwung, der riesige Räume erfüllte. Seine EQs wirkten im Vergleich zu den groben Einstellmöglichkeiten des Bozak chirurgisch präzise und ermöglichten es den DJs, Frequenzen mit einer Art Rundfunkdisziplin zu formen. Wo der Bozak floss, schnitt der UREI – nicht abrupt, aber entschlossen.

Genau diese Entschlossenheit macht ihn in Hörbars so effektiv. Ich erinnere mich an einen Club in Tokio, in dem ein restaurierter 1620 stolz hinter der Theke stand, dessen Frontplatte aus gebürstetem Metall im warmen Licht glänzte. Der Plattenspieler wechselte von Donald Byrds „Places and Spaces“ zu Roy Ayers’ „Everybody Loves the Sunshine“. Der Bass war straff, die Mitten präsent, die Höhen kristallklar. Die Gäste hörten nicht nur einen Plattenwechsel; sie spürten die Hand, die alles kontrollierte, eine Gestaltung der Atmosphäre, die fest und doch unsichtbar war.

Optisch wirkt das UREI sowohl zweckmäßig als auch imposant. Große Drehregler, robuste Bauweise, bernsteinfarben leuchtende VU-Meter – es sieht aus, als gehöre es ebenso in eine Radiokabine wie in eine Bar. Diese Ästhetik ist wichtig. In Hörräumen signalisiert sie, dass das, was hinter der Theke geschieht, keine Show-Spielerei ist, sondern Rundfunkhandwerk – die Gestaltung von Musik mit ruhigen, sicheren Händen.

Im Vergleich zur sanften Kontinuität von Bozak oder dem handwerklichen Flair moderner Boutique-Mischpulte strahlt UREI eine industrielle Selbstsicherheit aus. Es schmeichelt nicht, sondern setzt sich durch. Für Bars bedeutet das einen Klang, der sich unerschütterlich anfühlt – fundierte Basslinien, im Vordergrund stehende Gesangsstimmen und Percussion, die sich klar in den Raum einprägt. Es geht weniger um Verführung als vielmehr um Autorität.

Auch Jahrzehnte später sind die Originale aus den 1620er Jahren nach wie vor begehrt. Sie werden restauriert, modifiziert, erhalten und nach wie vor an Orten eingesetzt, an denen Klangtreue auf Geschichte trifft. Für viele DJ:innen geht es beim Einsatz eines solchen Geräts ebenso sehr um das haptische Erlebnis wie um den Klang – das Gewicht der Regler, das Gleiten der Drehregler, die Gewissheit, dass jede Bewegung präzise umgesetzt wird.

Letztendlich bildet der UREI-Plattenspieler das professionelle Rückgrat der Club- und Barkultur. Er erinnert uns daran, dass es beim Musikhören nicht nur um die Auswahl der Platten geht, sondern auch darum, wie sie gesteuert, in Szene gesetzt und zur Geltung gebracht werden. In einer Hörbar, in der jede Platte zählt, wird diese Geltung zur Atmosphäre.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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