Auchentoshan Three Wood – Vielschichtigkeit aus Licht und Tiefe

Von Rafi Mercer

Während Glenkinchie die Lowlands von ihrer leichtesten Seite zeigt, offenbart Auchentoshan sie in vielschichtigen Facetten. Bekannt für seine dreifache Destillation – in Schottland selten, in Irland jedoch üblich – schafft Auchentoshan einen Whisky von außergewöhnlicher Geschmeidigkeit. Beim „Three Wood“ erhält dieser Whisky durch drei Phasen der Fassreifung seine Form und Farbe: amerikanischer Bourbon, spanischer Oloroso-Sherry und schließlich Pedro-Ximénez-Sherry. Das Ergebnis ist ein Whisky mit Textur und Tiefe, bei dem Süße, Frucht und Eiche im Glas ein sich ständig wandelndes Muster bilden.

Die Wurzeln von Auchentoshan reichen bis ins Jahr 1823 zurück, im Schatten von Glasgow. Durch seine Nähe zur Stadt gilt er seit langem als urbaner Whisky, der wegen seiner zugänglichen Leichtigkeit oft als „Frühstückswhisky“ bezeichnet wird. Doch der Three Wood, der Anfang der 2000er Jahre erstmals auf den Markt kam, bietet noch mehr: einen Whisky, der diese charakteristische Klarheit mit der Fülle verbindet, die er aus den verschiedenen Holzschichten bezieht. Er wirkt sowohl modern als auch traditionell, zugänglich und doch komplex.

Im Glas schimmert er in einem rostbraunen Bronzeton. In der Nase entfalten sich Noten von Toffee, Orangenschale, dunkler Kirsche und Haselnuss, gefolgt von einem Hauch von Kakao und Gewürzen. Am Gaumen wandelt sich der Whisky wie Licht durch Buntglas: Vanille und Karamell aus den Bourbon-Fässern, Rosinen und Feigen aus dem Oloroso, Melasse und Schokolade aus dem PX. Die Textur ist seidig, vollmundig, ohne schwer zu wirken. Der Abgang ist lang, wärmend, süß mit Frucht- und Gewürznoten. Es ist ein Whisky, der seine Geschichte in Etappen erzählt, wobei jedes Fass ein neues Kapitel hinzufügt.

Was den „Three Wood“ im „Tracks & Tales Guide to the Top 50 Whiskies“ so besonders macht, ist seine Struktur. Er beweist, dass Vielschichtigkeit nicht verwirren muss, sondern Klarheit schaffen kann. Jedes Holz kommt zur Geltung, und doch bildet das Ganze eine harmonische Einheit. Er zeigt, wie das Fassmanagement zu einer Kunstform werden kann, die einen Whisky prägt, ohne dass dieser seine Identität verliert. Für alle, die Lowland-Whisky für leicht und flüchtig halten, ist der Auchentoshan Three Wood der Gegenpol – ein Schluck voller Tiefe und Nachhall.

Die musikalische Entsprechung dazu ist Laraajis „Day of Radiance“. Das 1980 von Brian Eno im Rahmen seiner Ambient-Reihe produzierte Album verwandelt die Zither in Kaskaden aus Klang und Licht. Wie der Whisky ist es vielschichtig, leuchtend und wandelbar. Jeder Zupf und jedes Schimmern fühlt sich an wie gebrochenes Sonnenlicht, das sich zu Texturen aufbaut, die den Hörer umgeben, anstatt auf ihn einzuwirken. Den „Three Wood“ zu genießen, während „Day of Radiance“ spielt, bedeutet, sowohl den Whisky als auch die Musik als Atmosphäre zu erleben, die sich in Wellen entfaltet.

In einer „Listening Bar“ wird diese Kombination zu einem immersiven Erlebnis. Die Karamell- und Trockenfruchtnoten des Whiskys harmonieren mit dem Klang der Zither, und die Süße hallt nach, während sich die Töne ausbreiten. Beide Erlebnisse zeigen, dass Vielschichtigkeit Klarheit statt Unübersichtlichkeit schaffen kann und dass Komplexität, wenn sie gekonnt eingesetzt wird, als Leichtigkeit empfunden werden kann.

Beim Auchentoshan Three Wood geht es nicht um rohe Kraft. Es geht um Bewegung, Ausgewogenheit und Wandel. Er lädt dazu ein, einen Gang herunterzuschalten und die einzelnen Phasen wahrzunehmen – wie sich die Süße in Würze verwandelt und wie die Eiche die Frucht untermalt. Es ist ein Whisky, der lebendig wirkt und sich Schluck für Schluck offenbart.

Und vielleicht besteht der nächste Schritt darin, ihn an einem Ort zu erleben, der sich mit Vielschichtigkeit auskennt – in einer Stadtbar, in der Jazz in Ambient übergeht, in der Weine aufgrund ihrer Komplexität ausgewählt werden und in der die Zeit selbst in Etappen zu vergehen scheint. Denn bei Auchentoshan Three Wood geht es, genau wie bei „Day of Radiance“, nicht um eine einzelne Note, sondern um den Klang vieler Noten, die in dem richtigen Raum miteinander verwoben sind.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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