Mars Iwai Tradition – Ein herzlicher Empfang

Von Rafi Mercer

Nicht alle japanischen Whiskys entstehen im Trubel von Osaka oder in den nebligen Wäldern von Hokkaidō. Manche stammen aus höher gelegenen, ruhigeren Gegenden – aus der Präfektur Nagano, wo die Mars Shinshu-Brennerei auf über 2.600 Fuß über dem Meeresspiegel liegt und damit die höchstgelegene Japans ist. Hier ist die Luft dünner, das Klima kühler und der Wechsel der Jahreszeiten ausgeprägter. Aus dieser Berglandschaft stammt der „Mars Iwai Tradition“, ein Whisky, der zugänglich, abgerundet und auf zurückhaltende Weise raffiniert wirkt – ein Tropfen, der wie geschaffen ist für gemütliche Abende und entspannte Geselligkeit.

Mars ist kein so bekannter Name wie Suntory oder Nikka. Seine Geschichte verlief weniger geradlinig und war geprägt von Schließungen und Neuanfängen, Experimenten und Neustarts. Das Unternehmen wurde ursprünglich in den 1940er Jahren von Kiichiro Iwai, einem frühen Pionier des japanischen Whiskys, gegründet. In den 1980er Jahren verlegte es seine Brennerei nach Shinshu, stellte dann aber Anfang der 1990er Jahre während der mageren Jahre des Whiskys den Betrieb ein. Im Jahr 2011 nahm es den Betrieb wieder auf – als Teil der Erneuerungswelle, die japanischen Whisky wieder an die Spitze des globalen Geschmacks gebracht hat. Die Abfüllung „Iwai Tradition“ ist zu einem seiner stillen Botschafter geworden – eine Mischung aus Malt und Grain, die sowohl Süße als auch einen Hauch von Rauch in sich trägt.

Im Glas präsentiert er sich in warmem Bernstein. Die Nase ist einladend: Karamell, Toffee, Trockenobst und ein Hauch von sanfter Eiche. Am Gaumen entfaltet er sich zu Vanille, Pflaume, Backgewürzen und einem subtilen Hauch von Rauch, der eher im Hintergrund bleibt als im Vordergrund steht. Die Textur ist geschmeidig, leicht zu trinken, aber dennoch charaktervoll. Der Abgang klingt sanft nach, mit einer Ausgewogenheit aus Süße und einer leichten Röstnote. Es ist ein Whisky, der Trost spendet: vertraut genug, um sich darin zu entspannen, und vielschichtig genug, um bei genauer Betrachtung neue Facetten zu entdecken.

Genau diese Ausgewogenheit ist der Grund, warum der Mars Iwai Tradition in den „Tracks & Tales Guide to the Top 50 Whiskies“ gehört. Es handelt sich nicht um eine Flasche für Sammler oder als Statussymbol. Sie ist für die Atmosphäre gedacht, für die alltägliche Schönheit, gemeinsam Musik und einen Drink zu genießen. Sie gehört ins Regal einer Listening-Bar, weil man sie ohne zu zögern ausschenken kann – für Stammgäste, für Neulinge, für jeden, der ein Glas genießen möchte, das die Stimmung untermalt, anstatt sie zu dominieren.

Die musikalische Parallele dazu ist Carole Kings „Tapestry“. Das 1971 erschienene Album „Tapestry“ besitzt dieselbe zugängliche Eleganz wie „Iwai Tradition“. Es ist warm, melodisch und voller Lieder, die einem vertraut vorkommen, auch wenn man sie noch nie zuvor gehört hat. So wie „It’s Too Late“ oder „So Far Away“ den Soundtrack zu einem ruhigen Abend bilden können, ohne den Puls in die Höhe zu treiben, füllt „Iwai Tradition“ das Glas mit Aromen, die eher trösten als provozieren. Beide sind Werke, die nicht durch Intensität, sondern durch Ehrlichkeit Bestand haben.

Stellen Sie sich die Szene vor: Die Plattennadel findet ihre Rille, Kings Klavier setzt seinen sanften Rhythmus ein. Ein Glas „Iwai Tradition“ ruht in der Hand, der zarte Rauch und der Karamellduft spiegeln die Wärme der Musik wider. Es ist kein Whisky, den man schweigend analysiert; es ist einer, den man nippt, während man redet, zuhört und die Atmosphäre des Raumes auf sich wirken lässt. Er schafft Raum dafür, dass das Leben um ihn herum seinen Lauf nimmt – und gerade dadurch wird er unverzichtbar.

Das Wichtigste an „Mars Iwai Tradition“ ist das, wofür er steht: die Widerstandsfähigkeit der kleineren japanischen Brennereien und der Beweis, dass Whisky nicht selten oder teuer sein muss, um von Bedeutung zu sein. Es ist die Art von Flasche, zu der man immer wieder zurückkehrt – nicht, weil sie beeindruckt, sondern weil sie einfach passt. Wie ein Wandteppich fügt er sich in den Hintergrund der Erinnerung ein und verwebt sich mit Momenten, deren Bedeutung einem erst später bewusst wird.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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