Old Pulteney 18 – Der maritime Malt

Von Rafi Mercer

Manche Whiskys tragen das Meer in ihren Adern. Der Old Pulteney 18 gehört dazu. Destilliert in Wick, einer Stadt, die einst für ihre Heringsflotte und ihren rauen Hafen berühmt war, wird er seit langem als „der maritime Malt“ bezeichnet. Salzige Luft weht durch die Lagerhäuser, und das zeigt sich im Glas – ein Whisky, der von Salzlake, Eiche und einer von der Küste geprägten Süße geprägt ist. Mit 18 Jahren wird der Old Pulteney zu einem Beispiel für Reife: Die Unverfälschtheit der Jugend wurde zu Tiefe verfeinert, doch die Wildheit des Meeres trägt er weiterhin in sich.

Die Brennerei wurde 1826 am nördlichen Rand Schottlands gegründet. Über weite Teile ihrer Geschichte war ihr Whisky untrennbar mit dem umliegenden Fischerdorf verbunden – ein Gläschen für Seeleute, Hafenarbeiter und alle, die auf dem Meer arbeiteten. Auch heute noch ist Old Pulteney stolz auf diese Identität, und die 18-jährige Abfüllung ist vielleicht der vollendetste Ausdruck davon. Gereift in einer Mischung aus ehemaligen Bourbonfässern und spanischer Eiche, vereint er maritime Salzigkeit mit vielschichtigen, von Sherry geprägten Aromen.

Im Glas schimmert er kupfergold. In der Nase entfalten sich Meeresbrise, gesalzenes Karamell, Trockenfrüchte und poliertes Holz. Am Gaumen bewegt sich der Whisky zwischen süß und herzhaft: zunächst Honig, Toffee und Vanille, gefolgt von Salzlake, Orangenschale und gewürzter Eiche. Ein Hauch von Rauch verweilt, subtil, aber anhaltend. Der Abgang ist lang, salzig und wärmend und hinterlässt den Eindruck von Meeresgischt, getragen von Eichenaromen. Es ist ein Whisky wie die Küste – klar und rein, und doch reich an Geschichte.

Was den Old Pulteney 18 im „Tracks & Tales Guide to the Top 50 Whiskies“ so besonders macht, ist sein Gefühl für den Ort. Viele Brennereien sprechen von Geografie, aber nur wenige vermitteln dies so unmittelbar. Jeder Schluck fühlt sich an wie der Hafen von Wick: Wind im Gesicht, Salz in der Luft, Holz unter den Füßen. Es ist ein Whisky, der uns lehrt, wie Umgebung und Reifung untrennbar miteinander verbunden sein können, wie eine Spirituose eine Küstenlinie in sich tragen kann.

Sein musikalisches Pendant ist Yasuaki Shimizus „Kakashi“. Das 1982 erschienene Album ist ein Meisterwerk des japanischen Experimentalismus, das Saxophon, Elektronik und Rhythmus zu Klanglandschaften verschmilzt, die sich zugleich natürlich und jenseitig anfühlen. Wie der „Old Pulteney 18“ ist es in Klarheit verwurzelt und zugleich von einer geheimnisvollen Vielschichtigkeit geprägt. Seine Klangtexturen bewegen sich wie Wellen, seine Saxophonlinien schweben wie Meeresluft. Sowohl der Whisky als auch die Schallplatte schaffen Stimmungen, die elementar wirken und weniger auf Erzählung als vielmehr auf das Eintauchen in eine andere Welt ausgerichtet sind.

In einer „Listening Bar“ wirkt diese Kombination fast meditativ. Ein Gläschen Skiren ruht in der Hand, während Yoshimuras Klänge durch die Luft schweben; die honigartige Süße des Whiskys strahlt dieselbe stille Leuchtkraft aus wie die Musik. Die sanfte salzige Note spiegelt das Gefühl von Weite und Distanz wider, das die Platte vermittelt – so, als würde man beobachten, wie Wolken über den nordischen Himmel ziehen. Keines von beiden verlangt nach Aufmerksamkeit; beide verstärken das Gefühl der Gegenwart.

Scapa Skiren ist kein Whisky für Sammler oder Statusbewusste. Es ist ein Whisky für diejenigen, die den Wert der Leichtigkeit zu schätzen wissen und sich einen Schluck wünschen, der den Genuss begleitet, ohne ihn zu dominieren. Er zeigt, wie eine Brennerei mit bescheidener Stimme dennoch große Resonanz finden kann.

Und vielleicht besteht der nächste Schritt darin, ihn an einem Ort zu genießen, der seinem Wesen entspricht – in einer Bar mit großen, zum Himmel hin offenen Fenstern oder sogar direkt auf den Orkney-Inseln, wo das Meer am Horizont glitzert und das Leben durch Wind und Wasser verlangsamt zu sein scheint. Denn bei Scapa Skiren geht es, genau wie bei „Music for Nine Postcards“, nicht nur um Geschmack oder Klang. Es geht um Licht, Luft und darum, den richtigen Ort zu finden, an dem sich beides entfalten kann.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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