Suntory Toki – Der Herzschlag des Highballs

Von Rafi Mercer

Manche Whiskys sind dazu gedacht, in stiller Kontemplation genossen zu werden. Suntory Toki gehört nicht dazu. Toki steht für Bewegung, für Rhythmus, für lebhafte Gespräche, während die Platten drehen und die Gläser nachgeschenkt werden. Dieser Whisky ist keine einsame Meditation, sondern eine soziale Architektur – geschaffen für den Highball, hoch serviert, spritzig und voller Bläschen.

Toki kam 2016 auf den Markt, zu einer Zeit, als japanischer Whisky weltweit für Begeisterung sorgte, aber nicht jeder konnte – oder sollte – seltenen Abfüllungen mit Altersangabe hinterherjagen. Suntory erkannte, dass japanischer Whisky, wenn er Teil des Alltags bleiben sollte, eine neue Ausprägung brauchte: frisch, erschwinglich und mit derselben Präzision hergestellt wie seine älteren Geschwister. Toki wurde zu dieser Lösung. Er vereint Malt aus Hakushu und Yamazaki mit Grain aus Chita und mischt sie mit einem Gespür für das richtige Tempo.

Im Glas, pur serviert, präsentiert er sich blassgoldfarben. Die Nase ist klar, mit Noten von Obst aus dem Obstgarten, grünem Apfel und einem Hauch von Honig. Am Gaumen ist er leicht, spritzig, mit Noten von weißen Trauben, Zitrusfrüchten und einer sanften Süße. Der Abgang ist kurz, aber erfrischend – ein Akkord, der schnell ausklingt und Platz für einen weiteren Schluck schafft. Wo der Yamazaki 18 symphonisch ist, ist der Toki minimalistischer Pop – schnörkellos, direkt und perfekt darauf abgestimmt, immer wieder genossen zu werden.

Und genau deshalb ist das musikalische Pendant dazu im „Tracks & Tales Guide to the Top 50 Whiskies“ das Album „Sound of Silver“ von LCD Soundsystem. Beide sind auf Bewegung und Wiederholung ausgelegt. Beide nehmen Einfachheit und erheben sie zu etwas Hypnotischem. „Sound of Silver“ lebt von Loops, Grooves und Refrains, die sich wiederholen, bis sie zu einem Mantra werden. Toki entfaltet sich am besten, wenn man ihn in ein hohes Glas mit Soda und Eis gießt und einen nach dem anderen trinkt – jeder Schluck so frisch und spritzig wie der vorherige.

Stellen Sie sich folgende Szene vor: eine Listening-Bar in Tokio, hinter der Theke stapeln sich Schallplatten. Ein Barkeeper zerkleinert Eis in ein hohes Glas, gibt einen Schuss Toki hinzu, füllt es mit Sodawasser auf und rührt nur einmal um. Der Drink sprudelt, das Licht bricht sich in den Bläschen. Auf dem Plattenteller setzt „All My Friends“ ein – das Klavier wiederholt sich, die Percussion baut sich auf, der Gesang steigert sich zu etwas fast Euphorischem. Der Whisky und die Musik folgen demselben Prinzip: Wiederholung als Transzendenz. Keines von beiden braucht Komplexität, um den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Beide setzen auf Rhythmus.

Was Toki in diesem Guide so wichtig macht, ist nicht seine Seltenheit, sondern seine Allgegenwärtigkeit. Es ist der Whisky, der japanische Highballs für jeden und überall zugänglich macht. Er ist zu der Flasche geworden, nach der Barkeeper ohne zu zögern greifen – jene, die dafür sorgt, dass das Ritual des Highballs weiterbesteht, auch wenn ältere Abfüllungen immer seltener werden. Es ist Whisky als Gebrauchsgegenstand – aber ein edler Gebrauchsgegenstand, mit Sorgfalt hergestellt und dazu bestimmt, das Rückgrat sowohl von Abenden außer Haus als auch von Abenden zu Hause zu bilden.

Genau wie „Sound of Silver“ ist auch „Toki“ mehr als die Summe seiner Teile. Es zeigt, dass Wiederholungen, wenn sie klar und deutlich eingesetzt werden, Emotionen wecken können. Dass Einfachheit, wenn sie sorgfältig gestaltet wird, Menschen bewegen kann. James Murphys sich wiederholende Synthesizer-Klänge und sarkastische Texte auf „Sound of Silver“ sind nicht kompliziert, aber unvergesslich. Die knackigen Apfelnoten und der klare Abgang von „Toki“ sind nicht mit endlosen Nuancen überlagert, aber genau das ist es, was ihn im Glas zum Schwingen bringt – besonders mit Soda und Eis.

Das ist Whisky als Puls, Musik als Architektur – beides nicht für die private Stille, sondern für den gemeinsamen Raum geschaffen. Und genau deshalb ist Toki mehr als nur ein japanischer „Einsteiger“-Whisky. Er ist der Geist des Highballs, der Herzschlag des Raumes, das Getränk, das Klang in gesellige Atmosphäre verwandelt.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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