Yamazaki 12 – Der erste Einstieg

Von Rafi Mercer

Es gibt Whiskys, die wie eine Begrüßung wirken. Der Yamazaki 12 ist einer davon. Für viele war er der erste japanische Single Malt, den sie jemals probiert haben – der Einstieg, der ihre Neugier in eine lebenslange Leidenschaft für das Hören und Trinken verwandelte. Sein bernsteinfarbenes Leuchten strahlt sowohl Zugänglichkeit als auch Tiefe aus, eine Ausgewogenheit, die Neulingen das Gefühl gibt, zu Hause zu sein, und gleichzeitig diejenigen belohnt, die bereits tiefer in die Welt des Whiskys eingetaucht sind.

Die 1923 außerhalb von Kyoto gegründete Yamazaki-Brennerei ist die Wiege des japanischen Whiskys. Shinjiro Torii wählte den Standort aufgrund des reinen Wassers und der jahreszeitlichen Veränderungen aus, da er davon überzeugt war, dass Klima und Handwerkskunst die schottische Tradition in etwas eindeutig Japanisches verwandeln könnten. Wenn Hibiki für Harmonie steht, dann steht Yamazaki für den Ursprung. Der 12-jährige Whisky, der in den 1980er Jahren flächendeckend auf den Markt kam, wurde zum Aushängeschild des Hauses und verkörpert die Raffinesse und Geduld, die die japanische Whiskyherstellung auszeichnen.

Heben Sie das Glas, und die Nase wird von blumiger Süße empfangen: Geißblatt, Obstblüten, ein Hauch tropischer Früchte. Vanille schwingt sanft mit, wie der Duft von abkühlendem Gebäck. Am Gaumen zeigen sich Pfirsich, Aprikose und sanfte Würze, untermalt von Eiche, die niemals dominiert. Der Abgang ist lang, aber ruhig, und trägt Anklänge von Frucht und Holz wie einen Refrain in sich. Nichts wirkt gehetzt; alles ist im Gleichgewicht.

Aus diesem Grund findet der Yamazaki 12 im „Tracks & Tales Guide to the Top 50 Whiskies“ sein Pendant in dem Beatles-Album „Abbey Road“. Beide sind Einstiegspunkte, die zeitlos wirken. So wie „Abbey Road“ oft die erste Beatles-Platte ist, die man von Anfang bis Ende anhört – ausgefeilt, präzise, alles zusammenfassend, was die Band gelernt hatte –, ist der Yamazaki 12 oft der erste japanische Whisky, der den Genießern zeigt, wozu das Handwerk dieses Landes fähig ist. Beide sind zugänglich, ohne seicht zu sein, und sorgfältig, ohne kühl zu wirken.

Spielen Sie „Come Together“ über die Anlage einer Listening Bar ab und genießen Sie dabei einen Yamazaki 12: Die Wärme des Songs, seine schwungvolle Basslinie und der verschmitzte Gesang scheinen den Rhythmus aus Frucht und Gewürzen des Whiskys widerzuspiegeln. Wenn Seite B ihr langes Medley beginnt – Fragmente, die zu einem nahtlosen Ganzen verwoben sind –, entfalten sich die Schichten des Whiskys mit ihr. Wenn „The End“ ausklingt und die letzte Zeile nachhallt, ist das Glas leer, doch der Abgang hält noch immer an. Sowohl die Schallplatte als auch der Whisky beweisen, dass auch Einstiege Meisterwerke sein können.

Aus diesem Grund hat der Yamazaki 12 seinen festen Platz sowohl in unserem Leitfaden zu den 50 besten Alben für Deep Listening als auch in unserem Whisky-Ratgeber. Er ist keine Trophäenflasche. Er ist eine Brücke – zwischen Welten, zwischen Traditionen, zwischen dem ersten Schluck und einer bleibenden Erinnerung.

Yamazaki 12 lehrt uns, dass Anfänge wichtig sind. Dass der erste Schritt genauso viel Bedeutung haben kann wie der Gipfel. Dass ein Gläschen, das man in der Abenddämmerung einschenkt, während eine vertraute Platte auf dem Plattenspieler läuft, sich sowohl wie eine Entdeckung als auch wie eine Heimkehr anfühlen kann.

Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

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