Der „Tracks & Tales“-Hörkalender 2026 – Ein ruhiges Jahr, gut gehört
Wie ich das Jahr plane, wenn das Zuhören an erster Stelle steht.
Von Rafi Mercer
Ich plane mein Jahr nicht nach Veröffentlichungen, Menschenmassen oder Lärm.
Ich plane es nach Räumen, Platten und Momenten, in denen die Aufmerksamkeit noch ungetrübt ist.
So plane ich mein Jahr 2026 – Monat für Monat – anhand von Veranstaltungen und Orten, die ich mir wirklich aussuchen würde. Nicht, weil sie laut oder angesagt sind, sondern weil sie Raum zum Zuhören lassen. Jeder Monat lässt sich leicht überblicken, doch ich lasse mich dabei von einem ruhigeren Instinkt leiten: dorthin zu gehen, wo Klang mit Sorgfalt behandelt wird.

Januar – Ich habe das Ohr zurückgesetzt
Mein Schwerpunkt: leise Anlagen, persönliches Hörerlebnis
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: World of Coffee Dubai – Rituale, Handwerkskunst, frühe Morgenstundenhttps://worldofcoffee.org
Wo ich Musik höre: Tokio, Kopenhagen
Die Räumlichkeiten: Hi-Fi-Cafés, Bars für das morgendliche Hörvergnügen
Im Januar geht es nie darum, mehr zu tun. Es geht darum, sich besser einzustimmen. Kaffee und Zuhören haben dieselbe Disziplin gemeinsam – Temperatur, Geduld, Wiederholung. Dann höre ich mir schon früh und bei geringer Lautstärke alles an und entscheide, wie das Jahr klingen soll, bevor es zu sprechen beginnt.
Februar – Ich wähle Räume, die mir Halt geben
Mein Schwerpunkt: Wärme, Intimität, Rück
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: London Design Biennale (Wintermomente)https://londondesignbiennale.com
Wo ich zuhöre: London, Paris
Die Räume: Bars zum Sitzen und Zuhören, Vinyl-Lounges
Der Februar macht mich treu. Ich kehre zu demselben Stuhl zurück, auf dieselbe Seite des Raums, zu demselben Barkeeper, der die Nadel nicht zu schnell auf die Platte setzt. Das Zuhören wird zu einer Art Zuflucht.
März – Mir fällt auf, wenn Design verschwindet
Meine Schwerpunkte: Materialien, Akustik, Proportionen
Meine Empfehlung für eine „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Rewire Festival, Den Haaghttps://rewirefestival.nl
Wo ich Musik höre: Zürich, Den Haag
Die Räume: architektonisch minimalistische Hörräume
Der März schärft meine Wahrnehmung. Wenn ein Raum stimmt, verschwindet er. Übrig bleiben nur Klang und Zeit. Ich höre Musik, die die Stille achtet, und Räume, die sich nicht erklären müssen.

April – Ich kehre zu den Gegenständen zurück
Mein Schwerpunkt: Vinyl, Haptik, Besitz
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Record Store Day – lokale Läden statt Hypehttps://recordstoreday.com
Wo ich Musik höre: Amsterdam, Paris
Die Räume: Bars, in denen Schallplatten im Mittelpunkt stehen
Der April steht ganz im Zeichen der physischen Medien. Ich kaufe eine Schallplatte, trage sie nach Hause und spiele sie ordentlich ab. Keine Stapel. Kein Überspringen. Einfach nur die Freude am Auswählen und am Ausleben dieser Entscheidung.
Mai – Ich lasse Musik zur Atmosphäre werden
Meine Schwerpunkte: Atmosphäre, Tempo, „Social Listening“
Meine Empfehlung für ein „Tracks & Tales“-Event: Jazz à Saint-Germain-des-Prés (Frühjahrsprogramm)https://festivaljazzsaintgermainparis.com
Wo ich zuhöre: Paris, Lissabon
Die Locations: Jazz-Lounges, Bars, die bis spät in die Nacht geöffnet sind
Im Mai steht die Musik nicht im Vordergrund – sie umgibt einen einfach. Jazz, Gespräche, das Licht der Abenddämmerung. Am besten hört man zu, wenn niemand versucht, etwas zu beweisen.
Juni – Ich teile die Stille
Mein Schwerpunkt: gemeinsames Zuhören ohne Lärm
Meine Empfehlung für „Tracks & Tales“: North Sea Jazz Festival (frühe Auftritte, kleinere Säle)https://www.northseajazz.com
Wo ich Musik höre: Rotterdam, Brüssel
Die Säle: Veranstaltungsorte für Live-Konzerte mit Sitzplätzen
Der Juni bringt Menschen zusammen, doch ich gehe, bevor die Aufmerksamkeit nachlässt. Die eindrücklichsten Momente entstehen, wenn ein ganzer Saal wie aus einem Guss zuhört.
Juli – Ich lasse Musik und Landschaft aufeinandertreffen
Meine Schwerpunkte: Ort, Verfall, Stille
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Montreux Jazz Festival – Auftritte am Seeufer und am Nachmittaghttps://www.montreuxjazzfestival.com
Wo ich zuhöre: Montreux, Lausanne
Die Räumlichkeiten: Bars mit offenen Fenstern, Räume direkt am Wasser
Der Juli lehrt Zurückhaltung. Musik schwebt herbei und verklingt dann wieder. Sich leise zurückzuziehen, gehört zum Zuhören dazu.

August – Ich höre schon voraus
Mein Schwerpunkt: Entdeckung, Abwesenheit
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: keine – bewusste Stille
Wo ich zuhöre: aufstrebende, wenig dokumentierte Städte
Die Orte: neue Cafés, unbekannte Bars
Im August bin ich auf Erkundungstour. Ich veröffentliche nicht viel. Ich höre einfach zu, beobachte und notiere mir, was als Nächstes ansteht.
September – Ich kehre in die Tiefe zurück
Mein Schwerpunkt: Routine, erneutes Engagement
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Habitare, Helsinkihttps://habitare.messukeskus.com
Wo ich zuhöre: Helsinki, Wien
Die Räume: kleine Bars mit Sitzplätzen zum Zuhören
Der September bringt wieder Schwere mit sich. Alben wirken länger. Die Räume wirken dunkler. Das Musikhören findet wieder nur noch einmal pro Woche statt.
Oktober – Ich schütze die Aufmerksamkeit
Mein Schwerpunkt: Bücher, tiefgründige Gedanken
Meine Empfehlung für eine „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Frankfurter Buchmesse (ruhige Hallen, frühe Morgenstunden)https://www.buchmesse.de
Wo ich zuhöre: Frankfurt, Edinburgh
Die Räume: Hörräume in der Nähe von Büchern
Der Oktober ist für Alben, die sich Zeit lassen. Die Musik steht neben den Gedanken, nicht vor ihnen.
November – Ich stimme mich auf andere ein
Mein Schwerpunkt: gemeinsames Ritual
Meine Empfehlung für eine „Tracks & Tales“-Veranstaltung: International Listening Week (Tracks & Tales-Original)
Wo ich zuhöre: überall
Die Räume: überall, wo es still genug ist
Ein Album. Eine Stunde. Kein Handy.
Das ist die ganze Idee.

Dezember – Ich erinnere mich daran, was geblieben ist
Mein Schwerpunkt: Reflexion, Erinnerung
Meine Empfehlung für die „Tracks & Tales“-Veranstaltung: Design Miami – Reflexion über den Starthttps://designmiami.com
Wo ich zuhöre: privat
Die Räume: diejenigen, an die ich mich erinnere
Im Dezember geht es nicht darum, was neu war. Es geht darum, was Bestand hatte – der Raum, die Platte, das Gefühl, dass die Zeit langsamer verging.
Wenn du eine Hörbar, ein Hi-Fi-Café oder einen Vinyl-Raum kennst, der auf diese ruhigere Weltkarte gehört, hilf mir bitte dabei, ihn einzutragen:
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Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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