Wo man in Manhattan derzeit Musik hören kann – 5 Orte rund um das Thema Klang, die einen Besuch wert sind
Eine ruhige Karte mit den derzeit besten Orten in Manhattan zum Zuhören – von Jazzkellern bis hin zu filmreifen Rückzugsorten –, an denen der Lärm der Stadt intimen, bewusst inszenierten Klängen Platz macht.
Von Rafi Mercer
Manhattan schenkt dir keine Stille; es schenkt dir Schichten. Zischende Dampfleitungen unter dem Pflaster, U-Bahn-Bremsen, die ihr metallisches Klagelied anstimmen, nächtliches Gelächter, das aus den Feuerleitern heraufwirbelt – alles türmt sich auf, hallt wider, prallt aufeinander. Doch versteckt in dieser Dichte gibt es Räume, in denen der Lärm nachlässt und die Stadt dich aufmerksam lauschen lässt. Ich habe meine Tage damit verbracht, zwischen ihnen hin und her zu schweifen und eine kleine Karte von Manhattans akustischen Zufluchtsorten zu erstellen – Orte, an denen Klang nicht nur Kulisse ist, sondern der eigentliche Grund, dort zu sein.
Man beginnt in der Jazz Gallery, direkt über dem Trubel des Flatiron-Viertels. Es ist einer dieser Orte, die man nicht zufällig entdeckt; man geht hinauf, tritt ein, und die Welt kippt augenblicklich aus den Fugen. Der Raum strahlt eine gewisse Bescheidenheit aus – schlichte Stühle, eine aufgeräumte Bühne, warmes Licht –, doch die Energie ist überwältigend. Junge Musiker, die Ideen ausprobieren, erfahrene Musiker, die ihr über Jahrzehnte erworbenes Können entfalten, ein Publikum, das sich in einer Art kollektiver Stille nach vorne beugt. Die Gallery war schon immer Manhattans stilles Labor, der Ort, an dem neuer Jazz Gestalt annimmt, noch bevor die große Welt überhaupt eine Veränderung wahrnimmt. Bleibt man lange genug sitzen, hört man nicht nur die Musik, sondern spürt auch, wie sich die Zukunft dieser Kunstform immer deutlicher abzeichnet.

Wenn man in die Innenstadt fährt, taucht man in das „The Django“ ein, das unter dem Roxy Hotel verborgen liegt. Es fühlt sich an, als würde man einen New Yorker Traum betreten: gewölbte Backsteinbögen, von Kerzen beleuchtete Tische, eine kleine Bühne, die bernsteinfarben leuchtet, als würde sie von innen heraus strahlen. Aber der Klang – der ist es, der einem im Gedächtnis bleibt. Er schwebt durch den Raum wie samtiger Rauch: warm, schwer, greifbar. Die Bläser gleiten dahin. Der Kontrabass schwillt in sanften Kurven an. Man schmeckt die Töne ebenso sehr, wie man sie hört. Das „Django“ ist Theater, ja, aber von der intimen Art – ein Raum, der so gestaltet ist, dass er sich um die Musik schließt und einen in ihren Bann zieht. Es ist einer jener Orte, an denen Manhattan für einen Moment daran denkt, langsamer zu atmen.
Dann ist da noch die Weite – das Gegenteil des gemütlichen Kokons eines Clubs –, die oben in der Stadt in der Park Avenue Armory auf einen wartet. Wenn die Gallery ein Skizzenbuch und Django eine Träumerei im Keller ist, dann ist die Armory eine Kathedrale für experimentelle Klänge. Ihre riesige Drillhalle fasst Klang so, wie ein Gletscher Kälte fasst: vollständig, gewaltig, ohne Kompromisse. Manche Installationen hüllen einen in Drones ein, die so weitreichend sind, dass sie sich wie Wetter anfühlen; andere streuen den Klang in scharfen, gerichteten Bewegungen aus, die einem bewusst machen, dass der Körper unabhängig von den Ohren hören kann. Manhattan vermittelt selten ein Gefühl der Ehrfurcht, das nicht kommerzieller Natur ist. Die Armory tut es. Sie erweitert die Dimension des Hörens, bis man sich darin klein fühlt, und irgendwie fühlt sich das richtig an.
Wenn man zurück in die Innenstadt nach NoMad geht, begegnet man im Fotografiska New York einer ganz anderen Art des Zuhörens. Obwohl es als Fotomuseum bekannt ist, kuratiert es immer wieder Erlebnisse, bei denen Klang Teil der emotionalen Architektur wird. Man bewegt sich durch schattige Etagen, in denen Bilder im Halbdunkel schweben, geleitet von subtilen akustischen Hinweisen – flüsternde Erzählstimmen, Umgebungsgeräusche, Musik, die sich wie eine unsichtbare Hand durch die Räume schlängelt. Hier ist das Zuhören nicht passiv, sondern interpretativ. Klang prägt, wie man schaut, wie man sich bewegt, wie man das Werk versteht. Es ist einer der wenigen Orte in Manhattan, an denen man sich privat begleitet fühlt, als würde die Ausstellung direkt zu einem sprechen.
Und dann ist da noch das Roxy Cinema, eine kleine, mit Samt ausgekleidete Schatzkiste, in der das Kinoerlebnis noch immer als sinnliches Ritual gepflegt wird. Manhattan hat Multiplex-Kinos; hier ist das anders. Der Saal strahlt Wärme aus – nicht nur optisch, sondern auch akustisch. Die Dialoge schweben klar und deutlich in der Luft; Filmmusik und Raumklang erfüllen den Saal mit analoger Großzügigkeit. Im Roxy sieht man sich einen Film nicht einfach nur an; man hört ihm zu. Man hört die Farben, die Texturen, die Kunstfertigkeit hinter dem Sounddesign. Das Publikum kommt mit einer bestimmten Absicht, fast schon mit Ehrfurcht, und der Saal belohnt diese Ernsthaftigkeit mit einem Erlebnis, das sich wie handgemacht anfühlt.
Fünf Orte. Fünf Wege, Manhattan anhand des Charakters seiner Räume zu verstehen. Was sie verbindet, ist weder ein bestimmtes Genre noch die geografische Lage, sondern die einfache Tatsache, dass sie Ihre Aufmerksamkeit einfordern und diese im Gegenzug schärfen. Diese Stadt ist unerbittlich, ja – doch an den richtigen Orten lässt Manhattan Sie die Freude wiederentdecken, inmitten des Lärms still zu sein. Sie verlassen diese Orte verändert, wenn auch nur auf subtile Weise: gestimmt, im Einklang, ein wenig aufmerksamer für die verborgene Ordnung unter dem Lärm der Stadt.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.