Ein Tag in New York – ganz im Zeichen von Jazz und Atmosphäre
Von Rafi Mercer
New York ist schon ein Soundtrack für sich. Taxis hupen mit blechernen Tönen, die U-Bahnen rumpeln im Bass, und die Schritte auf den Straßen erzeugen ihren ganz eigenen Synkopenerhythmus. Den perfekten Tag hier zu verbringen bedeutet, sich dieser Musik hinzugeben und die Stadt sowohl als Bühne als auch als Instrument zu betrachten.
Der Morgen beginnt in den Plattenläden. Ob in Uptown oder Downtown – die Regale sind voll mit Jazz-Pressungen, Hip-Hop-12-Zoll-Platten und Disco-Stücken, die durch jahrzehntelangen Gebrauch glattgeschliffen sind. Man hält eine Plattenhülle in der Hand und spürt das Gewicht der gesamten musikalischen Tradition dieser Stadt. Hier entstand Miles Davis’ „Kind of Blue“, hier hat Coltrane die Sprache der Improvisation neu definiert, hier hat sich der Hip-Hop von Blockpartys zu einer globalen Phänomen entwickelt. Jede Platte, die man hier findet, ist zugleich Artefakt und Hymne.
Der Nachmittag ist dazu da, Orte zu erkunden, an denen Musik in das Leben übergeht. Ein Café in Brooklyn mit einem Plattenspieler an der Theke, eine Buchhandlung, in der im Hintergrund eine Platte von Billie Holiday leise erklingt, eine Straße in Harlem, aus deren Tür Gospelmusik herüberweht. New York verbirgt seine Musik nicht; es lässt sie überall hinfließen. Die Stadt ist eine ständige Probe, ein Soundcheck, der niemals endet.
Der Abend gehört den Listening-Bars und Jazzclubs. Den Schwesterprojekten von Spiritland, versteckten Ecken im East Village, kleinen Kellern, in denen die Anlage auf Intimität abgestimmt ist. Hier hört man vielleicht in einem Moment eine Coltrane-Ballade, im nächsten einen Detroit-Techno-Track, und beides ergibt Sinn, denn New York verleiht allem einen Sinn. Mit einem Glas in der Hand wird die Stadt mehr als nur eine Skyline – sie wird zu Resonanz.
Nightfall kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Ein Mitternachts-Set in einem Club, in dem das Publikum zugleich geduldig und unruhig ist, in dem die DJs die Tanzfläche mit derselben Sorgfalt behandeln wie ein Wohnzimmer. Oder vielleicht ein kleiner Hörraum in Brooklyn, wo die Stille vor dem Auflegen fast schon heilig wirkt. So oder so: Das nächtliche New York ist der Klang von Risiko, Kreativität und Freude.
Weitere Informationen finden Sie auf der New-York-City-Seite von „Tracks & Tales“.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie weitere Beiträge aus „Tracks & Tales“ lesen möchten,abonnieren Sie den Newsletter hier oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.