Fußspuren

Fußspuren

Ein stiller Meilenstein – und was die Zahlen nicht verraten

„Tracks & Tales“ wird diese Woche seinen 50.000sten Besucher begrüßen.

Ich weiß, das klingt nach einer riesigen Zahl, aber so kommt es mir gar nicht vor.

Vielleicht, weil ich mich noch daran erinnere, als es sie noch nicht gab. Als es nur eine Idee war. Ein Gedanke, der jahrelang still im Hinterkopf schlummerte. Das Gefühl, dass das Zuhören wichtiger war, als uns bewusst war. Dass Musik mehr Aufmerksamkeit verdiente, als ihr zuteilwurde. Dass wir irgendwo zwischen Bequemlichkeit und Schnelligkeit etwas aus den Augen verloren hatten.

Ich wusste nie so recht, was aus „Tracks & Tales“ werden würde. Eine Website? Ein Reiseführer? Ein Magazin? Ein Mitgliederprogramm? Eine Karte?

Die Wahrheit ist, dass ich es vor den Augen der ganzen Welt aufgebaut habe, weil ich die Antwort nicht kannte. Jede Stadtseite, jeder Veranstaltungsort, jede Albumrezension, jeder Essay, jeder Brief, jedes Gespräch war ein weiterer kleiner Schritt nach vorn. Nicht, weil ich einen Masterplan hatte, sondern weil ich einfach nicht aufhören konnte, dieser Idee zu folgen.

Was mich derzeit fasziniert, ist, dass die Leute oft fragen, was „Tracks & Tales“ eigentlich ist. Mir fällt es immer noch schwer, darauf eine Antwort zu finden.

Denn wenn ich mir die Zahlen anschaue, sehe ich eigentlich keine Zahlen.

Ich sehe Fußspuren.

Jemand in Tokio, der nach einer Listening Bar sucht. Jemand in Kalifornien, der etwas über Miles Davis liest. Jemand in Manchester, der ein Album wiederentdeckt, das er längst vergessen hatte. Jemand in Melbourne, der dem Listening Club beitritt. Jemand irgendwo in einer Stadt, die ich vielleicht nie besuchen werde, der ein paar Minuten in etwas verbringt, das in meiner Fantasie entstanden ist.

Das ist es, was ich als bemerkenswert empfinde. Nicht der Verkehr. Die Spuren. Der Beweis dafür, dass eine Idee den eigenen Kopf verlassen und anderswo eine neue Heimat finden kann.

Vor Jahren habe ich schon einmal versucht, Dinge zu erschaffen. Manches hat funktioniert, manches nicht. Das gehört für jeden, der kreativ tätig ist, einfach dazu. Aber diesmal fühlt es sich anders an. Nicht, weil es größer ist, sondern weil es zu einem Ort geworden ist.

Ein Ort, der aus Städten, Klängen, Geschichten, Alben, Gesprächen, Empfehlungen, Träumen und Neugierde entstanden ist. Ein Ort, an den die Menschen immer wieder zurückkehren.

Während ich dies schreibe, läuft der Zähler noch immer weiter. Bald wird er die 50.000er-Marke überschreiten. Morgen wird er bei 50.001 stehen. Dann bei 50.002.

Die Zahl selbst wird fast sofort verschwinden.

Aber die Fußspuren bleiben zurück.

Und vielleicht war das schon immer der springende Punkt. Nicht etwas zu bauen, das man sich ansieht. Sondern etwas zu bauen, das einen Besuch wert ist.


Was ist „Tracks & Tales“? 

„Tracks & Tales“ ist ein weltweiter Leitfaden für Musikbars und die Kultur des Musikhörens – mit Beiträgen zu Städten, Alben, Veranstaltungsorten und den Ritualen, die Musik so besonders machen, dass man gerne still dasitzt und ihr lauscht. Was als Idee begann, wurde zu einem Ort, der mittlerweile Menschen in mehr als 150 Ländern erreicht.

Was ist eine „Listening Bar“?

Eine „Listening Bar“ ist ein Ort, der ganz dem genussvollen Musikhören gewidmet ist. Hochwertige Soundsysteme, sorgfältig ausgewählte Schallplatten und eine Atmosphäre, in der es um Achtsamkeit statt um Lärm geht. Das Konzept stammt ursprünglich aus Japan und hat sich still und leise auf der ganzen Welt verbreitet. „Tracks & Tales“ dokumentiert die besten davon.

Was ist der „Listening Club“?

Der „Listening Club“ ist ein monatliches Treffen für Gründungsmitglieder von Tracks & Tales. Mitglieder aus aller Welt hören zur gleichen Zeit dieselbe Platte – ein Album, das in voller Länge abgespielt wird, begleitet von Anmerkungen, die als Leitfaden für das Hörerlebnis dienen. Dies kommt einem gemeinsamen Ritual am nächsten, das die Plattform bisher geschaffen hat.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Abonnieren Sie „Tracks & Tales“, um weitere Geschichten zu lesen.

Jeden Monat trifft sich der „Listening Club“ weltweit. Hier kannst du mitmachen.

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Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

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