Aus „The Face“, März 1991 – Pro Plus und Massive Attack

Aus „The Face“, März 1991 – Pro Plus und Massive Attack

Alte Seiten, neue Gedanken

Von Rafi Mercer

Ich habe mir heute eine Ausgabe des Magazins „The Face“ aus dem März 1991 gekauft. Das ist nun schon vierunddreißig Jahre her. Seltsam, wie die Zeit vergeht – wie sich ein Magazin anfühlt, als wäre es erst gestern erschienen, wenn man es in den Händen hält.

Beim Durchblättern stieß ich auf eine Anzeige für Pro Plus – aus der Zeit vor Red Bull, als Koffeintabletten versprachen, einen wach zu halten, die Konzentration zu fördern und die Nacht durchzuhalten. Und auf der nächsten Seite eine Anzeige für „Unfinished Sympathy“ von Massive Attack. Der mittlerweile legendäre Track, damals noch ganz neu, der noch immer auslotete, was aus Dance, Soul und Trip-Hop werden könnte.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, müde nach einer weiteren langen Phase des Aufbaus, sehe ich darin mehr als nur einen Zufall. Diese beiden Platzierungen nebeneinander waren nicht einfach zufällig; sie waren Zeichen einer Kultur, die gerade erwachte. Ein neuer Sound war im Kommen. Menschen, die lange aufblieben, um zu kreieren, zu mixen und Szenen aufzubauen. „The Face“ hat diese Energie verstanden – es ging nicht nur um Berichterstattung, sondern um Kuratieren.

Das hat etwas Tröstliches. Zu wissen, dass das, was sich damals wie Underground anfühlte, später zum Maßstab wurde. Dass ein kleiner Moment – eine Werbung, ein Song – letztendlich Jahrzehnte des Klangs und der Kultur prägen kann.

Ich bin heute Abend müde, aber beim Blättern in diesem Buch wurde mir wieder bewusst: Kultur entwickelt sich langsam, aber sie entwickelt sich. 1991 war jemand wach, hat zugehört und die Dinge vorangetrieben. Jetzt sind wir wach und versuchen, dasselbe zu tun.

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