Ich kann den Regen nicht ausstehen

Ich kann den Regen nicht ausstehen

Wenn Zurückhaltung einen Groove unsterblich macht

Von Rafi Mercer

Manche Songs kündigen sich nicht an – sie sind einfach da. „I Can’t Stand the Rain“ von Graham Central Station hat diese Eigenschaft. Der Song jagt nicht nach Dramatik. Er füllt den Raum aus und überlässt es dem Groove, die Arbeit zu erledigen.

Diese Version, die 1975 auf dem Album „Graham Central Station“ erschien, steht ganz im Zeichen der Kontrolle. Larry Grahams Bass spielt nicht die Hauptrolle – er bildet das Fundament. Die Rhythmusgruppe atmet. Es werden bewusst Lücken gelassen, als wüsste die Band, dass Funk stärker wirkt, wenn er sich nicht selbst überfrachtet.

Was oft übersehen wird, ist, dass dieser Song hier nicht endete. Er wurde später gecovert – am bekanntesten wohl von Tina Turner Mitte der 80er Jahre – und verwandelte sich in etwas Größeres, Lauteres, Theatralischeres. Und dieser Kontrast ist aufschlussreich. Turners Version ist trotzig, kraftvoll, wie für Arenen gemacht. Das Original von Graham Central Station ist eher nach innen gerichtet. Es geht um Spannung, die zurückgehalten statt freigesetzt wird.

Wenn man sich die Aufnahme aus dem Jahr 1975 heute noch einmal anhört, wirkt sie in ihrer Zurückhaltung fast schon modern. Die Produktion lässt den Instrumenten Raum zum Atmen. Der Groove vertraut darauf, dass man sich darauf einlässt. Das ist Funk als Architektur, nicht als Spektakel.

Das zeigt einmal mehr, dass die besten Songs nicht immer laut sein müssen, um in Erinnerung zu bleiben. Manchmal reicht es schon, wenn sie ihre Form behalten.

Perfekt für einen ruhigen Tag, der dennoch etwas Schwung braucht.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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