„Listening Friday“ – Eine kleine Rebellion gegen den Lärm

„Listening Friday“ – Eine kleine Rebellion gegen den Lärm

Eine Rebellion gegen den Black Friday: Stattdessen entscheiden wir uns für den „Listening Friday“. Entschleunigen, die Aufmerksamkeit zurückgewinnen und den Tag mit „Blue Lines“ von Massive Attack beginnen – und die Welt fragen: Was hört ihr gerade?

Von Rafi Mercer

An solchen Morgen herrscht eine seltsame Stille. Die Welt ist bereits erwacht, Motoren brummen, Posteingänge füllen sich, Angebote blinken in der Ecke jedes Bildschirms. Der Black Friday hat die Eigenschaft, den Tag in eine Art statische Unruhe zu verwandeln – einen Druck, zu reagieren, sich zu beeilen, zuzugreifen. Aber nicht alle Rituale müssen sich der Maschine beugen. Manche können sich ihr entgegenstellen.

Deshalb entscheide ich mich heute für etwas anderes. „Listening Friday“. Eine kleine, menschliche Rebellion, die aus nichts Komplizierterem besteht, als still da zu sitzen und eine Platte zu hören, die dich daran erinnert, wer du bist, wenn niemand etwas von dir will. Für mich ist es „Blue Lines“ von Massive Attack – mein Ursprungsalbum. Das Album, das mir beigebracht hat, dass sich Bass wie Atem anfühlen kann, dass Raum ein Instrument sein kann, dass eine Platte den Puls eines ganzen Raums verlangsamen kann. Jedes Mal, wenn ich es auflege, höre ich mich selbst wieder.

Ein Titel wie „Safe From Harm“ trägt noch immer die Schwere der schwülen Nächte in Bristol in sich – jene Schnittstelle aus Dub, Soul und frühem Trip-Hop, an der alles von innen heraus zu leuchten schien. Und „Unfinished Sympathy“… nun, das erinnert daran, dass ein einziges Musikstück die Geometrie der Luft um einen herum verändern kann. Es ist das Album, zu dem ich immer wieder zurückkehre, wenn ich meine Mitte wiederfinden muss – der erste Entwurf für das „Slow Listening“ in meinem eigenen Leben.

Aber beim „Listening Friday“ geht es eigentlich nicht um mich. Es ist eine Einladung. Eine Pause. Eine Art zu sagen: Wenn die Welt schreit, musst du nicht zurückschreien. Leg die Platte auf, die dich einst tief im Innersten berührt hat. Die, die dich im richtigen Moment erreicht hat. Die, die du noch immer in deiner Brust spürst, noch bevor dir die Worte wieder einfallen.

Sollen die Händler doch weiter in ihrem Rausch schwelgen. Sollen die Feeds doch weiterlaufen. Stell dir heute eine einfache Frage: Was hörst du gerade? Und stell diese Frage auch der Welt. Zuhören ist eine stille Geste, aber sie schafft schnell Verbindungen. Sie verbreitet sich. Sie bringt Menschen zusammen, die ebenfalls etwas Tieferes als nur einen Rabatt spüren wollen.

Beginne den Tag mit einem Album. Fang damit an. Ich bin auf der anderen Seite von „Blue Lines“ und lasse den Bass den Raum erfüllen.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

Zurück zu den Geschichten

Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

JETZT MITMACHEN