Porträts in Bewegung
„Portraits“ von Maribou State – ein Album, das mit Wärme und Geduld besticht und Rhythmus in stille Anmut und Stille in Bewegung verwandelt.
Von Rafi Mercer
Manche Morgen verlangen nach weniger Worten und mehr Textur. Heute ist es „Portraits“ von Maribou State – so ein Album, das an die tief stehende Sonne erinnert, warm genug, um dich zum Tanzen zu bringen, und sanft genug, um dich stillstehen zu lassen. Die Art von Album, die wie Atem auf Glas summt und zwischen Aufbruch und Heimkehr hin und her schwankt.
Maribou State haben es schon immer verstanden, elektronischer Musik eine menschliche Note zu verleihen – man kann fast die Fingerabdrücke auf den Fadern hören. „Portraits“ bewegt sich wie ein Zug, den man aus dem Fenster beobachtet: rhythmisch, hypnotisch und doch nie ganz still. Da ist der vertraute Schleier des Downtempo der späten 2000er Jahre, der jedoch mit Herz neu interpretiert wird – Gesangsfragmente und Feldaufnahmen lassen die Grenze zwischen Landschaft und Emotion verschwimmen.

Es ist das Zuhören, das sich so lebendig anfühlt . Jeder Titel verströmt die Atmosphäre eines Ortes – ein Bahnsteig, ein vorbeiziehendes Gesicht, die Erinnerung an einen feuchten Ort, an den man sich nur noch vage erinnert. Mich ziehen die ruhigeren Ecken in ihren Bann: „Raincoats“, „Steal“, „The Clown“. Sie sind nicht aufdringlich, sondern geduldig. Sie geben einem Zeit zum Nachdenken.
Das ist das Schöne an solchen Morgen – wenn die Musik nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen will, lässt sie das Leben sich neu einstimmen. Man nippt an seinem Kaffee, nimmt die Geräusche im Raum wahr, und der Tag beginnt nicht mit Hektik, sondern mit Ausgeglichenheit.
Maribou State erinnern uns daran, dass Rhythmus sanft sein kann, dass Groove Anmut haben kann und dass Porträts nicht immer gemalt werden – manchmal hört man sie sich einfach an.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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