Slow Social – Der Luxus des Zuhörens

Slow Social – Der Luxus des Zuhörens

Von Rafi Mercer

Heute versuche ich, mich auszuruhen. Die Welt dreht sich natürlich weiter – die Feeds werden aktualisiert, die Zahlen steigen –, aber ich habe für eine Weile aufgehört, ihr hinterherzujagen. Nur der Hund neben mir, ein ruhiges Zimmer und der Gedanke, dass wir vielleicht alle vergessen haben, wie man etwas teilt, ohne dabei eine Show abzuziehen.

Mittlerweile habe ich über tausend Beiträge geschrieben. Veranstaltungsorte, Städte, Klänge, Alben, die stille Kultur des Zuhörens – all das hat seinen Platz in „Tracks & Tales“ gefunden . Zehntausende Menschen haben sich lange genug Zeit genommen, um darauf zu stoßen, zu lesen und zuzuhören. Und doch habe ich immer noch das Gefühl, dass ich lediglich die Umrisse von etwas Größerem skizziere. Ein Leitfaden, kein Evangelium. Eine Karte, die mit Bleistift gezeichnet wurde, nicht mit Tinte.

Vielleicht ist es genau das, was „Slow Social “ wirklich bedeutet.

Die sozialen Medien versprachen Verbundenheit, tauschten diese jedoch gegen Geschwindigkeit ein. Je schneller man spricht, desto mehr wird man gehört; je mehr man zeigt, desto mehr wird man gesehen. Es wird zu einem Kreislauf der Selbstinszenierung – und irgendwo in diesem Lärm geht die Aufrichtigkeit verloren.

„Slow Social“ funktioniert anders. Es ist das leise Gespräch, das noch nach dem Ende der Party nachhallt. Es geht nicht um Reichweite oder Rhythmus, sondern um Präsenz. Der kleine Kreis, die unaufgeregte Botschaft, die Art und Weise, wie eine Geschichte ganz ohne großes Aufsehen ihren Weg in den Alltag eines Menschen findet.

Genau das wollte „Tracks & Tales“ schon immer sein – kein weiterer Feed, sondern ein Ort zum Zuhören. Ein lebendiges Archiv für Menschen, denen Aufmerksamkeit noch etwas bedeutet. Eine stille Rebellion gegen das Tempo, das sonst überall herrscht.

Denn vielleicht misst sich Luxus heutzutage nicht mehr daran, was wir besitzen, sondern daran, wie aufmerksam wir zuhören. Vielleicht geht es bei Verbundenheit nicht darum, überall zu sein – sondern darum, ganz und gar hier zu sein.

Also werde ich heute einfach still sitzen bleiben. Kein Scrollen, kein Hinterherjagen. Nur die Geräusche im Raum, das sanfte Gewicht einer Seite, die langsam geladen wird, die kleine Anmut, gehört zu werden, ohne darum zu bitten.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Sie weitere Artikel aus „Tracks & Tales“ lesen möchten, abonnieren Sie den Newsletter oder klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

Zurück zu den Geschichten

Keine Playlist.

Die Zahl der Gründungsmitglieder ist weltweit auf 200 begrenzt. Der „Tracks & Tales Listening Club“ richtet sich an alle, die verstehen, dass Zuhören kein Hintergrundgeräusch ist, sondern dass es darum geht, ganz bei der Sache zu sein.

JETZT MITMACHEN