Geschichten am Meer – Der erste Funke von Rafi Mercer Advisory

Geschichten am Meer – Der erste Funke von Rafi Mercer Advisory

Ein Lagerfeuer am Strand, ein Van aus den 1970er Jahren namens „Iced Dreams“, zwei Plattenspieler, ein Generator und die Nacht, in der ich entdeckte, dass Musik erst dann Bedeutung bekommt, wenn die Menschen wirklich zuhören.

Von Rafi Mercer

Wenn man weit genug in die eigene Vergangenheit zurückblickt, gibt es einen Moment, in dem alles, was man gerade aufbaut, ganz still seinen Anfang nahm.

Nicht als Plan. Nicht als Marke. Sondern als Gefühl.

Für mich ist dieser Moment an einem Strand am Ende eines langen, salzgetränkten Tages – eines dieser Tage, an denen das Meer alles weggespült hat, außer den Dingen, die einem wirklich am Herzen liegen.

Ich hatte mein Studium abgeschlossen und mich aufgemacht, ein Jahr lang zu surfen, ein unbeschwertes Leben zu führen und ganz im Einklang mit dem Wetter zu sein. Wir reisten in einem Van, den wir irgendwo zwischen Schrott und Legende gerettet hatten – einem Krankenwagen aus den 1970er Jahren, den wir „Iced Dreams“ nannten. Wir hatten ihn komplett entkernt, umgebaut und mit zwei Plattenspielern, einem Paar ramponierter Lautsprecher und einem Generator ausgestattet, der nur dann zum Leben erwachte, wenn man nett mit ihm sprach. Er war schäbig, genial und ganz und gar unser.

Eines Abends, als die Flut nachließ und der Himmel sich in die Dämmerung tauchte, entfachte jemand direkt im Sand ein Feuer. Keine Feuerstelle, nichts Inszeniertes – nur Treibholz, Steine, Flammen und die Stille des Atlantiks. Es bildete sich eine kleine Runde: Surfer, Wanderer, Menschen, die nach Sonnencreme und Salz rochen – jene Art von Fremden, die einfach deshalb zu Freunden werden, weil der Tag gut gewesen war.

Carwyn Williams, der berühmte walisische Surfer, war auch da – eher eine Präsenz als eine Person, ganz Ruhe und gelebte Geschichten. Und irgendwo zwischen Gelächter und dem Beobachten der Gezeiten sagte jemand:„Na los … spiel doch was.“ Also ging ich zurück zu „Iced Dreams“, weckte den Generator aus seinem Schlummer, verlegte ein Kabel bis zum Sand und legte eine Schallplatte auf.

Es war kein DJ-Set. Nicht so, wie man es sich normalerweise vorstellt. Es war ein Gespräch, durchzogen von Musik. Ich sprach über die Kraft eines Tracks, darüber, wie es sich anfühlte, mitten in der Welle, die wir zuvor geritten hatten, und darüber, wie der Puls des Meeres noch immer in unseren Knochen nachhallte. Die Leute hörten zu – hörten wirklich zu. Nicht nur halbherzig, nicht darauf wartend, was als Nächstes kommt. Sie waren einfach nur da, beugten sich vor und ließen sich von den Liedern und der Nacht umhüllen.

Damals wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass Atmosphäre nicht einfach so entsteht. Man muss sie gestalten. Ein Album kann die Stimmung eines Augenblicks verändern. Eine Geschichte kann die Art und Weise beeinflussen, wie Fremde miteinander umgehen. Und wenn man Musik und Bedeutung miteinander verbindet – bewusst und behutsam –, öffnen sich die Menschen auf eine Weise, die heutzutage selten geworden ist.

Vielleicht fühlt sich diese Idee von Rafi Mercer deshalb eher wie eine Rückkehr als wie ein Neuanfang an. Denn noch bevor es „Listening Bars“, „Tracks & Tales“ oder irgendeine andere formelle Arbeit mit Klang gab, habe ich an diesem Strand etwas Wesentliches gelernt: Musik wird zu einer ganz eigenen Form der Führung, wenn man mutig genug ist, den Moment zu lenken.

Ich denke immer noch an „Iced Dreams“. An das Feuer. An die hereinrollenden Wellen. Und daran, wie unter einem sternenübersäten Himmel eine Handvoll Schallplatten und ein paar Geschichten der erste Funke für all das waren, was ich heute aufzubauen versuche.


Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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