Der Tag vor dem Lärm
Über die stille Arbeit, Dinge vor Saisonbeginn fertigzustellen
Von Rafi Mercer
Der Samstag vor der Weihnachtswoche hat eine ganz besondere Stille an sich, über die nicht oft gesprochen wird. Es ist keine Ruhe, wie man sie von einem Sonntagmorgen kennt. Es ist eher wie in einem Raum, nachdem die Möbel angehoben wurden, aber noch bevor sie wieder abgestellt werden. Alles wirkt vorübergehend. Jeder hat das Gefühl, auf der Durchreise zu sein.
Ich stehe im Ausstellungsraum und höre mir kaum etwas an. Nicht, weil es nichts zu hören gäbe, sondern weil der heutige Tag keine Musik zu wollen scheint. Er will Abschluss. Er will, dass die losen Enden zusammengeführt, die Türen ordentlich geschlossen und die Liste still und leise abgehakt werden. Man spürt es bei den Menschen, die vorbeigehen – sie sind nicht gerade in Eile, aber gedanklich schon ganz woanders.
Das ist einer dieser Tage, an denen die Wahl eines Albums sich anfühlt, als würde man dem Moment zu viel abverlangen. Musik, wenn sie stimmt, verlangt Aufmerksamkeit. Heute geht es eher um Durchhaltevermögen als um das Eintauchen in die Musik. Es ist kein Tag zum Musikhören, sondern ein Tag, den es zu überstehen gilt.
Und das ist in Ordnung.
Es liegt eine seltsame Disziplin darin, anzuerkennen, dass nicht jeder Tag einen Soundtrack braucht. Manchmal ist es das Ehrlichste, was man tun kann, den Raum einfach wie einen Raum klingen zu lassen. Die Dielen sprechen zu lassen. Die Luft dort verweilen zu lassen, wo sie ist. Die Anlage ruhen zu lassen, wie ein gutes Instrument, das auf die richtigen Hände wartet.
Auch diese Tage gehören zur Kultur des Zuhörens – jene Tage, an denen der Klang in den Hintergrund tritt und das Leben seinen Satz zu Ende bringen lässt. Morgen oder übermorgen wird die Musik zurückkehren und sich wieder großzügig anfühlen. Das ist immer so. Aber heute geht es nicht um Schönheit. Heute geht es darum, dass alles richtig gemacht wird.
Also bleibe ich bei der Stille. Ich sorge für die richtige Beleuchtung. Ich halte alles in Bewegung. Und ich zwinge einem Tag, der nicht danach verlangt, keine Platte auf.
Das ist, auf seine eigene kleine Weise, immer noch Zuhören.
Rafi Mercer schreibt über Orte, an denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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